Terrorzelle hatte Selbstschussanlage wie bei Duisburger Anschlag

Auf diesem Parkplatz in Meiderich wurde im Dezember 2003 der Anschlag verübt. Foto: Tanja Pickartz / WAZ FotoPool
Auf diesem Parkplatz in Meiderich wurde im Dezember 2003 der Anschlag verübt. Foto: Tanja Pickartz / WAZ FotoPool
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Duisburg. Ziemlich genau nach acht Jahren wird der Fall des Anschlags auf einen damals 34-jährigen Gastwirt in Meiderich neu aufgerollt: Das Landeskriminalamt hat die Unterlagen von der Duisburger Staatsanwaltschaft angefordert. Das bestätigte Pressesprecher Detlef Nowotsch. Das LKA prüft demnach, ob der Anschlag auch auf das Konto der rechtsextremen „Nationalsozialistische Union“ (NSU) gehen könnte, denen die „Döner-Morde“ zur Last gelegt werden.

Alle Ermittlungen verliefen im Sande

Während sich das spätere Opfer in der Nacht zum 15. Dezember 2003 in der Gaststätte am Meidericher Bahnhof aufhielt, hatten der oder die Täter eine Selbstschussanlage auf dem nahen Bahndamm aufgebaut, mit dem Fahrzeug verbunden und auf den Fahrersitz ausgerichtet. Nachts gegen 2 Uhr verließ der 34-Jährige in Begleitung einer Bekannten die Gaststätte, die erst wenige Tage zuvor eröffnet worden war. Gemeinsam gingen sie zu dem Auto, das auf dem Mitarbeiter-Parkplatz stand. Als er den Wagen anließ und zurücksetzte, löste er über einen am Wagen befestigten Draht den Schuss aus. Das Projektil durchschlug die Windschutzscheibe und verletzt ihn schwer an der Schulter. Seine Begleiterin brachte ihn sofort in ein Krankenhaus.

Zunächst schien fraglich, ob der Anschlag gezielt dem Gastwirt galt oder ihn nur zufällig traf. Die Polizei war sich nach ersten Ermittlungen jedoch sicher, dass der Anschlag durchaus dem Opfer gegolten habe. Doch alle Ermittlungen verliefen bislang im Sande.

Apparat ähnlicher Bauart gefunden

Klar war damals allerdings schon, dass die Selbstschussanlage nicht zum ersten Mal benutzt worden war. Möglicherweise zu Testzwecken waren zuvor bereits mehrere Schüsse abgegeben worden.

Aufgerollt wird der Duisburger Fall, weil bei Hausdurchsuchungen nach WAZ-Informatioinen ein Apparat ähnlicher Bauart in dem abgebrannten Haus von Beate Zschäpe gefunden wurde, die verdächtigt wird, Mitglied der rechtsextremen Terrorzelle gewesen zu sein.

Im Jahr 2000 begann mit einem Mordanschlag in Nürnberg eine Serie von Anschlägen, die sich bis zum Jahr 2006 mit Morden an insgesamt acht türkischen beziehungsweise türkischstämmigen Geschäftsinhabern und einem Griechen fortsetzte. Sie werden in den Medien als die „Döner-Morde“ bezeichnet.

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