Tattoo-Model Anika Ball aus Duisburg macht Körperkunst zum Beruf

Anika Ball – bekannt unter dem Künstlernamen Hellcat Any – hat aus ihrer Leidenschaft für Tätowierungen einen Nebenjob als Model gemacht. In vielen anderen Berufen ist die Körperkunst verpönt.
Anika Ball – bekannt unter dem Künstlernamen Hellcat Any – hat aus ihrer Leidenschaft für Tätowierungen einen Nebenjob als Model gemacht. In vielen anderen Berufen ist die Körperkunst verpönt.
Foto: Tom Paul / Anika Ball
Die Duisburgerin Anika Ball (22) arbeitet als Tattoo-Model. Die Bilder auf der Haut haben sie schon als Kind fasziniert. Dass Tätowierungen in vielen Berufen verpönt sind, kann sie nicht nachvollziehen. Sie arbeitet für viele bekannte Szene-Marken und hat bei Facebook schon 80.000 Fans.

Duisburg.. Dass einem jungen Mann der Einstieg in den Polizeiberuf verwehrt werden sollte, weil er Tätowierungen trägt (er konnte sich aber vor Gericht durchsetzen, siehe Infobox), kann Anika Ball (22) nicht nachvollziehen. Die Duisburgerin, im Hauptberuf Kinder- und Familienpflegerin in einem Mülheimer Behindertenwohnheim, hat aus den großflächigen Kunstwerken auf ihrem Körper einen Nebenjob als Model gemacht, gibt bekannten Szenemarken ein Gesicht – darunter auch eine aus Duisburg – und hat unter ihrem Künstlernamen Hellcat Any inzwischen 80.000 Fans bei Facebook. WAZ-Redakteur Ludger Böhne sprach mit ihr über die Kunst am Körper, die Schmerzen beim Auftragen und die Lebenseinstellung, die dahinter steckt.

Piercings, bunte Haare, großflächige Tätowierungen: ist das Kunst oder Provokation?

Anika Ball: Eher Kunst. Ich habe meine Tätowierungen nie versteckt, auch nicht bei Bewerbungsgesprächen. Was andere darüber denken, interessiert mich nicht. Die Leute sollen mich nehmen wie ich bin.

Klappt das im Alltag?

Ball: Meine Lehrer haben mich immer gewarnt. Du wirst dich noch umgucken, haben sie gesagt. Aber ich wusste, was ich wollte. Und meine Haltung hat sich bestätigt. Ich weiß natürlich, dass sichtbare Tattoos in einigen Berufen nicht gehen, bei Bankern zum Beispiel. Aber es gibt viele Berufe, wo diese Ablehnung lächerlich ist.

Wie sind Sie darauf gekommen, ihren Körper zum Kunstwerk zu machen?

Ball: Durch drei ältere Geschwister. Die ersten Piercings habe ich mir selbst gestochen, als ich elf war. Das hat sich natürlich entzündet. Aber ich hab’s mir nicht ausreden lassen. Ich bin zwar lieb, aber ein bisschen rebellisch. Meine Mutter hat mich dann zu einem Profi geschleppt und gesagt, stich das vernünftig. Ich war happy.

Mit elf? Und die ersten Bilder auf der Haut haben Sie auch so früh bekommen?

Ball: Nein, da sind die Regeln sehr streng. Das war wirklich erst mit 18 möglich. Aber ich war früh in der alternativen Szene, hab die Musik gehört, die Tattoos an anderen gesehen und wollte das auch schon ganz lange. Mein erstes war ein kleines im Nacken, ein Waschbär mit Sonne. Mein damaliger Freund hat das gleiche. Das zweite ging dann über die komplette Brust, eine Sanduhr mit Rosen und Flügeln, darin ist noch eine Eule versteckt, das Bild hab’ ich selbst entworfen. Die Stelle ist die Königsdisziplin: groß, auffällig, kaum zu verdecken und unglaublich schmerzhaft. . .

Für mich wär’ das nichts. Ich bin eine ziemlich Memme.

Ball: Ich auch. Ich bin das größte Weichei der Welt. Das Stechen fühlt sich an wie ein Lötkolben auf der Haut. Bei diesem großen Tattoo war ich nach zweimal zwei Stunden froh, dass ich es hinter mir hatte. Aber ich bin süchtig.

Warum?

Ball: Ich finde Tätowierungen schön. Es ist eindrucksvoll, wenn Menschen so bunt sind. Und das ist auch ein Stück Lebenshaltung. Viele aus der Tattoo-Szene arbeiten in sozialen Berufen. Die Bilder drücken also schon den Charakter eines Menschen aus.

Wie viele Tätowierungen haben Sie?

Ball: Es sind viele und ich bin noch nicht komplett. Aber die Zahl ist unwichtig. Jede meiner Tätowierungen ist ein Ziel für sich und jede hat eine Bedeutung.

„Ich kann als Model meine Kreativität ausleben“

Wie wurde aus ihrer Passion ein Model-Job?

Ball: Ich habe auf Facebook ein Foto von mir gepostet mit meinem ersten Tattoo und roten Haaren. Das Bild ging wirklich um die Welt. Und dann kamen die ersten Anfragen, ob ich Lust hätte auf ein Shooting.

Sie hatten Lust . . .?

Ball: Ja. Ich kann als Model meine Kreativität ausleben. Viele Fotografen sind richtig gute Freunde geworden. Ich habe mir immer die Freiheit genommen, meine Bilder zu gestalten. Ich kann mich stylen wie ich will und die Location bestimmen.

Für wen arbeiten Sie?

Ball: Für Szenemodemarken wie Iron Fist oder Too Fast aus Amerika, für den Piercing-Hersteller Crazy Factory bin ich inzwischen sogar eines der führenden Models.

Können Sie von dem Beruf leben?

Ball: Leider nicht. Obwohl ich zeitweise fünf bis acht Shootings pro Woche hatte. Es ist ein Job. Aber nicht der Hauptjob.

Wie leben Sie mit der Öffentlichkeit?

Ball: Dass Leute mich anstarren, merke ich gar nicht. Das sagen mir manchmal Freunde. Als Model werde ich mittlerweile auf der Straße erkannt und angesprochen. Aber ich bin in solchen Situationen sehr schüchtern und würde mich am liebsten in ein Mauseloch verkriechen.

Sie arbeiten in einem Behindertenheim. Wie gehen die Menschen dort mit ihrer Erscheinung um?

Ball: Die meisten haben mich sehr lieb. Nur einem Bewohner gefallen die Tätowierungen nicht. Er wollte sie schon mit Scheuersand abwaschen.

 
 

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