Szenen für Geiseldrama "Gladbeck" werden in Duisburg gedreht

Fabienne Piepiora
Im Café Kremer gibt’s nun Plastik-Kuchen.
Im Café Kremer gibt’s nun Plastik-Kuchen.
Foto: Funke Foto Services
  • Knüller-Markt wird zum „Haus der 1000 Dekoideen“
  • Aufnahmen werden in Hochfeld und rund um die Münzstraße gemacht
  • Ein Ausstrahlungs-Termin für den ARD-Film steht noch nicht fest

Duisburg. Im Café Kremer gibt’s heute Streuselkuchen und Schokotorte. Allerdings sitzt in dem Kaffeehaus niemand draußen – und warum ist nebenan die Deko vom Knüllermarkt zu sehen, der jetzt „Haus der 1000 Dekoideen“ heißt? Passanten wundern sich. Die Auflösung: Kulissen füllen die sonst leer stehenden Schaufenster. In den nächsten Tagen werden in der Altstadt und in Hochfeld Szenen für das Geiseldrama „Gladbeck“ gefilmt.

Am 16. August 1988 überfielen Dieter Degowski und Hans-Jürgen Rösner die Filiale der Deutschen Bank im nordrhein-westfälischen Gladbeck. Die Verfolgung und Flucht führte sie zwar nicht nach Duisburg, allerdings finden hier die Filmleute der Produktionsfirma „Ziegler Film“, die im Auftrag der ARD drehen, ideale Bedingungen vor. „Die Stadt Duisburg bietet für unseren Dreh die passenden Rahmenbedingungen und die notwendige Unterstützung“, erklärt Franziska Kurra. Entsprechend sieht’s an der Münzstraße aus wie in den 1980er Jahren.

Halver Hahn und ein Pott Kaffee für 2,80 DM

Allerdings tut die Altstadt so als wäre sie Köln. Auf der Karte des Café Kremer steht „Halver Hahn und ein Pott Kaffee“ für 2,80 D-Mark. Beim benachbarten Metzger „Grill-Station“ lautet die Tagesempfehlung: „Grünkohl mit Mettwurst, 8,50 Mark.“ Gegenüber hat über Nacht ein Sonnenstudio eröffnet. Auf Bank 1 – „für den Anfang“ bräunt man bis zehn Minuten für drei D-Mark. Ein Monat „Urlaub zu Hause“, in dem unbegrenzt das Solarium besucht werden kann, ist für 30 D-Mark zu haben.

Christiane Möser, stellvertretende Geschäftsführerin des „Knüllermarkt“ staunt nicht schlecht, als sie sieht, dass sie nun im „Haus der 1000 Dekoideen“ arbeitet. „Ich kann mich noch gut erinnern wie es früher mal auf der Münzstraße aussah. Sie war viel belebter, und das ist gar nicht so lange her“, sagt sie. Sie freut sich, die Dreharbeiten aus der Nähe zu erleben. „Ich habe nachgeschaut, wer denn mitmacht. Aber da war Vieles noch geheim.“ Einen Termin, wann der Film ausgestrahlt wird, steht übrigens noch nicht fest.

Dekoration soll bleiben

Wilhelm Bommann vom Einzelhandelsverband plädiert sogar dafür, die Kulissen in den Schaufenstern länger zu erhalten. „Es freut uns, dass dieser Bereich durch die Aktivitäten der Filmschaffenden die Aufmerksamkeit auf das Quartier lenkt und nach unseren Schätzungen viele Besucher anziehen wird.“ Momentan sehen die Fenster allemal besser aus als vor die ungeputzten Scheiben, die die Passanten dort sonst sehen.