Svenja Bade hat mit 21 das Kommando auf der MS Schwelgern

Schon jetzt ist Bade die rechte Hand von Manfred Wirges, der das 28 Jahre alte Frachtschiff der Duisburger Traditionsreederei Haeger und Schmidt als Kapitän über den Fluss manövriert.
Schon jetzt ist Bade die rechte Hand von Manfred Wirges, der das 28 Jahre alte Frachtschiff der Duisburger Traditionsreederei Haeger und Schmidt als Kapitän über den Fluss manövriert.
Mit 21 Jahren macht Svenja Bade das große Rheinpatent, den Führerschein für Binnenschiffer. Im Herbst wird sie Kapitänin auf der MS Schwelgern.

Duisburg.. Binnenschifffahrt, eine Männerdomäne? Nicht mir ihr: Svenja Bade übernimmt bald das Kommando auf der MS Schwelgern und das Schiff ist älter als sie: Mit erst 21 Jahren macht sie im Oktober das große Rheinpatent, also den Führerschein für die Binnenschifffahrt, mit dem fast alle Flüsse in Deutschland befahren werden dürfen. Schon jetzt ist Bade die rechte Hand von Manfred Wirges, der das 28 Jahre alte Frachtschiff der Duisburger Traditionsreederei Haeger und Schmidt als Kapitän über den Fluss manövriert.

Ausbildung im Eiltempo

Im Eiltempo hat die junge Frau aus Hemeln ihre Ausbildung zur Bootsfrau beendet. „Nach 22 Monaten war ich fertig“, erzählt sie. Kapitän Wirges nickt stolz und ist froh, eine würdige Nachfolgerin für das Schiff gefunden zu haben, das er im Herbst verlassen wird. Nach 48 Jahren auf den Flüssen Europas geht er in Rente. Ganz auf das Wasser verzichten, möchte er aber auch dann nicht. „In der Ausbildung werde ich sicher immer wieder mithelfen.“ Anders als seine Nachfolgerin ist er in einer Schifferfamilie aufgewachsen.

„Für meine Familie war es schon ein kleiner Schock.“ Die 21-Jährige lacht, wirft ihr langes blondes Haar über die Rettungsweste, die hier jeder an Bord trägt. „Mit der Schifffahrt hatten wir eigentlich nie was zu tun.“ Ihre Liebe zum Wasser hat Svenja Bade beim Rudern entdeckt. Nach dem Abitur wollte sie kein Studium beginnen. „Ich bin eher der praktische Typ“, sagt sie, obwohl ihr das Lernen nie wirklich Schwierigkeiten bereitet hat. „Also habe ich mir überlegt, was es sonst noch so gibt.“ Ein Anruf, eine Bewerbung bei Haeger und Schmidt und die Ausbildung konnte beginnen.

Neben vieler praktischer Arbeiten ist auf dem Schiff auch Wissen über die Technik im Maschinenraum und im Steuerhaus wichtig. Berechnungen für die Ladungen müssen gemacht, oder das Laden und Löschen dieser koordiniert werden. Ganz ohne Köpfchen geht es also nicht.

Drei Zimmer, Küche, Bad

„Ich liebe es auf dem Wasser zu sein“, schwärmt Bade von dem Job in dem nur rund zehn Prozent der Mitarbeiter Frauen sind. Ein Problem sei das überhaupt nicht. „Alle sind immer hilfsbereit. Blöde Sprüche gibt’s hier nicht.“ Denn an Bord ist klar: Alle müssen hier mit anpacken. Binnenschifffahrt ist Teamarbeit. Und die ist ziemlich vielfältig. „Langweilig wird es hier nie. Jeder Tag ist anders und man muss sehr flexibel sein.“ Vorne, am Bug der MS Schwelgern, klappt die Bootsfrau die Luken des Laderaums auf. Hüttensand. Jede Menge Hüttensand. Das 110 Meter lange Frachtschiff mit 1500 PS kann so gut wie alles laden: Container, Klärschlamm, Getreide, Stahl und sogar Eisenbahnschienen und Lokomotiven hatte die MS Schwelgern schon an Bord. Insgesamt 2500 Tonnen kann das Frachtschiff aufnehmen.

Und es gibt immer etwas zu tun: Schleifen, Streichen, Boden schrubben. Svenja Bade muss alles können „Wir sind 14 Tage am Stück auf dem Schiff. Wir wohnen quasi hier“, erzählt sie. Auf dem Frachter gibt es zwei Wohnungen, drei Zimmer, Küche und Bad. Das Schöne sei, dass sie anschließend auch 14 Tage frei habe. „Wer hat das schon in seinem Job?!“

Immer einfach ist es an Bord sicher nicht. „Aber Harmonie ist uns sehr wichtig.“ Auch wenn die Jüngste plötzlich das Sagen hat. „Klar, man muss sich hier durchsetzten können“, bestätigt Bade, die die Entscheidungen aber immer in Absprache mit der sechsköpfigen Crew trifft.

Fest steht für das ganze Mannschaft: Binnenschifffahrt ist kein normaler Job. Binnenschifffahrt ist ein Leben mit Leidenschaft fürs Wasser.

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