Wohnbebauung erwünscht

Der alte Rangierbahnhof in Duisnburg-Wedau. Photo © : Andreas Mangen / waz
Der alte Rangierbahnhof in Duisnburg-Wedau. Photo © : Andreas Mangen / waz
Foto: waz

Wedau.. Die Wedauer und die Bissingheimer wünschen sich keine Industrieromantik, keinen zweiten Landschaftspark Nord. Sie haben ganz andere Pläne für das riesige Gelände des Rangierbahnhofs und des ehemaligen Ausbesserungswerks der Bahn zwischen den beiden Ortsteilen, dass seit der endgültigen Schließung des Werks Ende 2004 im Dornröschenschlaf vor sich hindämmert: „Die Bevölkerung wünscht sich eine Wohnbebauung, auch für junge Familien“, bringt Dieter Lieske, SPD-Ratsherr aus Bissingheim, die Stimmung auf den Punkt. „Für den Teil des Geländes nördlich der Wedauer Brücke wäre auch eine Ansiedlung von mittelständischen Kleinbetrieben mit Handwerkern, Kreativwirtschaft und Uni-nahen Firmen ideal. „Dazu könnte man auch ein gemeinsames Kulturzentrum für beide Ortsteile einrichten, in den leer stehenden Gebäuden des Ausbesserungswerkes.“

Der SPD-Ortsverband Wedau-Bissingheim will diesen Willen der Bürger lieber heute als morgen umsetzen. Schon vor mehr als drei Jahren hatten sich die Genossen eindeutig positioniert: „Seit zehn Jahren wollen wir das Gebiet zwischen Wedau und Bissingheim als hochwertigen Wohnstandort weiterentwickeln, auch um eine Verbindung zwischen den beiden Stadtteilen zu schaffen und den Süden attraktiver zu machen“, erinnerte Dieter Lieske bei einer Bürgerversammlung im Restaurant „Saalbau“ in Wedau. Große Sympathie für solche Pläne gibt es auch im Rat und in der Bezirksvertretung. So unterstützt Lieskes Kollege, SPD-Ratsherr Frank Börner, der in Kürze als Landtagsabgeordneter nach Düsseldorf wechselt, das Vorhaben der Genossen im Süden: „Das Ziel ist, auf der Fläche kleinteiliges, mittelständisches, universitätsnahes Gewerbe anzusiedeln“, so der SPD-Sprecher im Ratsausschuss für Stadtentwicklung, Verkehr und Wirtschaft bei dem Infotreff für die Bürger.

Doch dem politischen Willen steht ein großes Problem entgegen: Auch acht Jahre nach dem Aus für das Ausbesserungswerk hat sich noch kein ernsthafter Investor für die Neubbebauung bzw. Neuansiedlung gefunden. Und es sieht nicht danach aus, dass sich an dieser Situation so schnell etwas ändert. Zwar plant die Bahntochter Aurelis, der das rund 55 Hektar große Gelände gehört, langfristig ein Logistik-Zentrum mit Container-Lager auf dem Areal. Auch Duisport-Chef Erich Staake zeigte für das Gelände noch vor wenigen Wochen öffentlich lebhaftes Interesse. Wie Aurelis will auch Staake nördlich der Wedauer Brücke ein 36 Hektar großes Logistik-Zentrum bauen. So steht es auch im Masterplan Duisburg, den Duisport vor Jahren entwickelte. Denn Logport I in Rheinhausen und Logport II in Huckingen sind inzwischen bestens ausgelastet, die Liegenschaften fast zu100 Prozent verpachtet.

Genau diese Pläne stoßen aber in Wedau und Bissingheim auf heftigen Widerstand: „Ich sehe große Probleme mit dem Lkw-Verkehr und seinen Emissionen“ so Lieske. „In diesem Fall würde der Freizeit- und Erholungswert für die Bürger und ihre Vereine in Wedau und Bissingheim ein Stück weit kaputt gehen.“ Auch Frank Börner, selbst von Beruf Logistik-Experte, winkte ab: „Wenn das realisiert wird, dann braucht man nicht nur eine riesige Fläche, sondern auch jede Menge Laster. Aber es werden kaum neue Arbeitsplätze entstehen. Ein reines Logistik-Center ohne zahlreiche neue Arbeitsplätze macht aber keinen Sinn! Daher haben wir uns als SPD und als Ratsfraktion klar positioniert, dass wir das nicht mitmachen wollen!“ Stattdessen könne man dem Mittelstand auf dem Gebiet zwischen Wedau und Bissingheim neue Flächen anbieten. „Wir haben in Duisburg eindeutig zu wenig solcher Flächen, auf denen man neue Unternehmen aus dem Mittelstand ansiedeln kann.“ Ein Logistik-Zentrum könne der Rat stoppen: „Wir können als Stadt zwar nicht aktiv planen, aber wir können ein Logistik-Zentrum verhindern oder blockieren.“ Börner, Lieske und die anderen Genossen wollen in Kürze mit dem neuen Duisburger Planungsdezernenten Carsten Tum über das überfällige Thema reden. Beide hoffen jetzt, dass sich die Bahntochter Aurelis, die Eigentümerin der Liegenschaften, nach Jahren des Stillstands bewegt und sich den Planungswünschen der Bevölkerung öffnet. Momentan scheint es, auch diesmal sitzt die Wirtschaft am längeren Hebel- und die Politik am kürzeren…

 
 

EURE FAVORITEN

Warum sich die Polizei bei Fahndungen nicht direkt an die Öffentlichkeit wendet

Öffentlichkeitsfahndungen: Annika Koenig, Sprecherin der Polizei Essen, erklärt unter welchen Umständen die Polizei sich bei der Suche nach Tatverdächtigen oder Vermissten an die Bürger wendet.
Mi, 19.09.2018, 16.32 Uhr

Öffentlichkeitsfahndungen: Annika Koenig, Sprecherin der Polizei Essen, erklärt unter welchen Umständen die Polizei sich bei der Suche nach Tatverdächtigen oder Vermissten an die Bürger wendet.

Beschreibung anzeigen