Wiedersehen mit Brandt und Strauß

Buchholz..  Thomas Freitag ließ am Donnerstag bei der Klinikkultur in der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik das gute, alte politische Kabarett wieder lebendig werden. Mit seinem Programm „Nur das Beste“ sorgte er für ein ausverkauftes Haus. Für den größten Teil des Publikums war sein Auftritt ein Wiedersehen mit einem alten Bekannten.

In den 70er- und 80er-Jahren glänzte das ehemalige Ensemble-Mitglied des Düsseldorfer „Kommödchen“ mit seinen genialen Politiker-Parodien. Da war es geradezu selbstverständlich, dass er bei seinem Best-of-Programm auch Willy Brandt, Franz Josef Strauß und Herbert Wehner wieder aufleben ließ. Seit 40 Jahren steht der Entertainer unter Deutschlands Kabarettisten nun auf der Bühne, aktuell ist er mit seinem 16. Soloprogramm auf Tour.

Der gelernte Bankkaufmann („Früher standen die Gangster noch auf der anderen Seite des Schalters“) ist nicht nur ein blendender Satiriker, sondern auch ein hervorragender Schauspieler, der mit dieser Fähigkeit seinen Programmen noch einmal eine ganz besondere Würze gibt.

Thomas Freitag hat jetzt selbst das Rentenalter erreicht, zur Ruhe setzen wie sein Muster-Rentner, der nach einem halben Jahr bereits das 28. Vogelhäuschen gebaut hat und den Rasen kräftig düngt, damit man „schneller wieder mähen kann“, wird er sich hoffentlich noch lange nicht. „Die Seele baumeln lassen“ ist auch nicht sein Ding, denn „in dem Alter baumelt schon genug am Körper“.

Freitag dachte wehmütig an die 60er-Jahre zurück, als auch er „vom wilden Leben und freier Liebe“ träumte. Sein Vater habe ihm aber einen Strich durch die Rechnung gemacht, als er entschied: „Das wird nichts, du gehst auf keinen Fall auf das Jesuiten-Internat.“

Aktuelle Themen wie die Flüchtlingskrise werden von Deutschlands Kabarett-Dino natürlich auch nicht ausgelassen. Dabei wundert ihn die Naivität der Politiker, die sich trotz der seit Jahren dramatischen Situation in vielen Ländern total erstaunt zeigen, „wie das denn jetzt passieren“ konnte. Zum Nachdenken regte die Szene an, als er schilderte, dass man in Armut lebenden Kindern in der Dritten Welt kaum erklären kann, dass man auch bei uns hungere, „aber nur wegen der Figur“.

Willy Brandt, Franz-Josef Strauß und Herbert Wehner, die Ikonen der deutschen Nachkriegspolitik, lässt Freitag im Dreibettzimmer eines Altersheims wieder lebendig werden. Die Parodien der ehemaligen Spitzenpolitiker waren stets Glanznummern in seinen Programmen, ihre Stimmen samt Gestik hat der immer noch spielfreudige Kabarett-Oldie nach wie vor drauf. Und wenn dann noch Marcel Reich-Ranicki den Text von „Wir versaufen unser Oma ihr klein Häuschen“ in typisch schriller Art und Weise analysiert, läuft Thomas Freitag zu Höchstform auf.

 
 

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