Wie Duisburgs Süden trockengelegt wurde

Martin Kleinwächter
Hochwasser war in Duisburg-Huckingen
Hochwasser war in Duisburg-Huckingen
Foto: Stadtarchiv

Süd.  Kilometerlang überschwemmte Felder zwischen Huckingen und Hüttenheim, aber auch bei Mündelheim oder südlich von Huckingen waren lange Zeit keine Seltenheit. Jahrhundertelang, vor allem im Winter war es das Los, mit dem die Menschen im Duisburger Süden leben mussten.

Nur wenige höher gelegene Stellen waren hochwasserfrei, so Gut Kesselsberg, die Gegend um das heutige Landhaus Milser, der Heidberg oder die Ehinger Berge. Erst als nach besonders schweren Überschwemmungen in den 1920er Jahren des vorigen Jahrhunderts die Anger verlegt und der Rheindeich bei Mündelheim gebaut wurden, war der Süden für den gewaltigen Bevölkerungszuwachs, der dann einsetzte, „trockengelegt“. Dass sich trotzdem vielfältige Freiräume erhalten haben, die immer wieder für Überraschungen gut sind, demons­triert der Naturkundler Heinz Kuhlen bei einer Tour entlang der alten Anger von Huckingen bis nach Wanheim.

Rhein verschärfte Hochwasser

„Die Hochwassersituation im Süden“, berichtet der Gartenbautechniker, „war deshalb früher so prekär, weil ja nicht nur der Rhein über die Ufer trat und den Grundwasserspiegel ansteigen ließ. Das Rheinhochwasser hinderte gleichzeitig auch das Wasser in den großen Bächen, Angerbach und Dickelsbach, daran, abzufließen.“ Und die traten dann ihrerseits über die Ufer.

Über 80 Prozent des Wassers, das die Anger aus dem Niederbergischen heranführt, werden heute über den Neuen Angerbach, der wie ein Kanal angelegt wurde, abgeleitet. Von den großen Wassermengen, die die alte Anger einst führte, zeugt nur noch der über fünf Meter hohe Prallhang im Biegerpark, an der Cramer-Klett-Straße. Dort macht die Anger ihre große 180-Grad-Biegung, nach der der Park heißt.

Dass die alte Anger zwischen dem Angerhof in Huckingen und dem Angerpark in Wanheim wieder regelmäßig Wasser führt, hat erst die Renaturierung in den­ 90er Jahren möglich gemacht. Heinz Kuhlen beobachtet heute seltene Tiere, die hier ihren Lebensraum gefunden haben, Nilgänse mit ihren Jungen etwa, aber auch Kormorane mit ihrem eleganten Gleitflug. Und offenbar aus einem privaten Terrarium entschlüpft, tummelt sich im Sandmühlenteich auch die amerikanische Gelbwangenschmuckschildkröte.

Am stärksten hat sich in den letzten Jahren die Mündung der Anger bei Wanheim verändert. Heinz Kuhlen schätzt, dass die Anschüttungen von Angerpark und Heinrich-Hildebrand-Höhe mindestens 50 Meter mächtig sind. Ein Steilufer habe es nur auf der Südseite geben. „Auf der Nordseite lag früher ein See.“