Wie der Poststreik einen Rentner aus Duisburg autolos machte

Seinen Alltag muss der Huckinger Jürgen Kubath derzeit zu Fuß meistern – oder im Notfall auch mit Bus und Bahn.Foto:Lars Heidrich
Seinen Alltag muss der Huckinger Jürgen Kubath derzeit zu Fuß meistern – oder im Notfall auch mit Bus und Bahn.Foto:Lars Heidrich
Wegen des Streiks der Post wartet Jürgen Kubath seit einem Monat auf die Ersatzteile für sein Auto. Dabei ist er dringend auf das Auto angewiesen.

Süd..  Kleine TÜV-Mängel am Pkw zu beheben, dauert eigentlich nicht lang. Bei Jürgen Kubaths Chrysler sollten nur ABS-Ring und Auspuff ausgetauscht werden. Innerhalb weniger Tage hätte die Werkstatt die Ersatzteile bestellt, geliefert und eingebaut. Eigentlich – hätte es da nicht den Poststreik gegeben.

Seit nunmehr einem Monat steht das Auto von Jürgen Kubath in der Werkstatt der Autohändler Automobileck und AMC Automobile. Dabei ist Kubath auf sein Auto angewiesen. „Meine Frau ist schwerbehindert und pflegebedürftig“, klagt der 75-jährige Huckinger. Einkaufen, Arztbesuche, Ausflüge zum Rheinufer – kaum noch möglich. „Zum Einkaufen gehen wir zu Fuß und sind fast eine halbe Stunde unterwegs“, sagt Kubath. Bis zum Arzt ist es noch weiter. Auf den Bus weicht Kubath nur im Notfall aus. „Wenn man nie mit dem Bus fährt, weiß man ja gar nicht, welchen man nehmen kann. Außerdem sind die Tickets für mich und meine Frau fast genauso teuer wie Taxifahren.“

Auto blockierte Hebebühne mehrere Wochen lang

Anfang Juni hatte die Werkstatt die Ersatzteile für Kubaths Auto bestellt. Innerhalb weniger Tage sollten sie per DHL geliefert werden. Kfz-Mechaniker Christian Kelch setzte das Auto auf die Hebebühne und baute die Antriebswelle aus, um den neuen ABS-Ring aufziehen zu können, sobald er geliefert würde. Und damit steckte das Auto fest und blockierte mehrere Wochen lang die Hebebühne. „Auf mich kommen dadurch zusätzliche Kosten zu“, ärgert sich Jürgen Kubath.

Bislang wurden die Ersatzteile nicht zugestellt. Einen Zustellungsversuch habe es gegeben. „An einem Sonntagmorgen, wo doch jede normale Autowerkstatt geschlossen hat.“ Verständnislos schüttelt Kubath den Kopf. „In der Sendungsverfolgung im Internet steht seit dem 18. Juni, dass die Pakete in Krefeld lagern“, sagt Jürgen Kubath. „Es gibt leider keine Möglichkeit, die Pakete abzuholen.“

Kunden können ihre Sendungen nicht einfach im Paketzentrum abholen

DHL-Sprecher Dieter Pietruck erklärt, warum der Kunde nicht einfach zum Verteilerzentrum nach Krefeld kommen kann, um sein Päckchen von dort mit nach Hause zu nehmen. Dies sei logistisch nicht möglich. „Krefeld ist lediglich das Paketzentrum, an dem das Paket das letzte Mal gescannt wurde. Mittlerweile liegt es wahrscheinlich in der Zustellbasis Duisburg. Aber weil dort während des Streiks nicht gearbeitet wurde, wurde es nicht neu erfasst und ausgeliefert“, erklärt er.

So sehr sich Kubath über die Post ärgert, so wenig Vorwürfe macht er der Werkstatt. „Die kann ja auch nichts für den Streik“, sagt er. Christian Kelch, der Kfz-Mechaniker, zeigt im Gegenzug Verständnis für die Probleme seines Kunden: „Hätte ich das alles geahnt, hätte ich das Auto erst viel später auseinander genommen, und Herr Kubath hätte solange noch fahren können.“

Pkw ist nicht straßenverkehrstauglich

Mittlerweile hat Kelch die Antriebswelle zwar wieder eingebaut, um den Chrysler von der Hebebühne fahren und andere Autos reparieren zu können. Straßenverkehrstauglich ist der Wagen ohne die Ersatzteile aber nicht, denn der alte ABS-Ring wurde entsorgt.

Nach dem Ende des Poststreiks hofft Jürgen Kubath nun, dass die Ersatzteile für sein Auto möglichst schnell ankommen. „Für meine Frau und mich bedeutet das Auto ein Stück mehr Lebensqualität.“

EURE FAVORITEN