Weihnachtliche Mission

Mitarbeiter des THW stellten am Samstag den 24.12.2011 97 Kerzen in den Fensternischen der Jesus Christus Kirche in Duisburg-Buchholz auf. Aufgrund der Hoehe der Fensterwand wurde THW-Mitarbeiter Thorsten Gruen mittels Seilsicherung in die Wand geschickt. Foto: Lars Fröhlich / WAZ FotoPool
Mitarbeiter des THW stellten am Samstag den 24.12.2011 97 Kerzen in den Fensternischen der Jesus Christus Kirche in Duisburg-Buchholz auf. Aufgrund der Hoehe der Fensterwand wurde THW-Mitarbeiter Thorsten Gruen mittels Seilsicherung in die Wand geschickt. Foto: Lars Fröhlich / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool

Buchholz. Der junge Mann schwebt in rund 14 Meter Höhe an der Wand mit einem quietschgelben Tragesack auf der Schulter. Klettergurt, Seil und Karabiner sichern ihn ebenso wie sein Kollege, der unten steht und sich ins Seil stemmt. Beide tragen gelbe Schutzhelme und blaue Uniformen, auf denen das Emblem des Technischen Hilfswerks (THW) prangt. Sie gehören zur Höhenrettung, rücken eigentlich im Katastrophenfall aus und retten Menschen aus großen Höhen und Tiefen. Doch an Heiligabend sind sie in weihnachtlicher Mission unterwegs.

Es ist sieben Uhr morgens und die drei Männer vom THW Duisburg helfen bei einer Tradition der Buchholzer Jesus-Christus-Kirche. Seit vier Jahren erleuchtet am 24. Dezember ein riesiges Lichterbild die große Glasfront der Kirche, eine Krippe mit Kreuz. Rund 100 Kerzen werden dafür in Nischen hinter Glasbausteinen aufgestellt und angezündet, auch viele Meter über dem Boden. Eine Aufgabe für Experten. Es sind Spezialkerzen, die bis zu drei Tage brennen.

„Das ist ein Weihnachtsgeschenk für den Chef, denn er kommt nur noch selten selbst nach oben“, sagt Daniel Peters über seinen Gruppenführer Thorsten Grün, der gerade an Halteseilen unter der Decke hängt und eine platzierte Kerze mit einem Stabfeuerzeug anzündet. Die Höhenretter haben ihren Weihnachtsurlaub unterbrochen, um an der Aktion dabei sein zu können. „Für uns ist das etwas ganz Besonderes“, sagt der Berufsfeuerwehrmann Peters. „Es ist außerdem ein Dankeschön an die Gemeinde“, ergänzt THW-Kollege Tim Ratajczak, dessen Beruf Schornsteinfeger ist. Man pflege seit Jahren ein gutes Verhältnis: Die Höhenrettung nutzt den Kirchturm für Einsatzübungen und wirkt im Gegenzug bei Gemeinde- und Stadtfesten mit. Die Hilfe bei dem inzwischen traditionellen Weihnachtslichterbild ist für die Gruppe ein Höhepunkt, doch sie alle freuen sich mehr auf das Abbauen am 22. Januar. „Dann helfen die Gemeindekinder alle mit, das ist immer richtig toll.“ Selbst Pfarrer Dietrich Köhler-Miggel hält es dann nicht auf dem Boden.

„Wir sind sehr froh über die Hilfe des Technischen Hilfswerks“, sagt Presbyter Ralf Drückes. Man müsse zwar früh aufstehen, doch er genieße die besinnliche Ruhe am frühen Morgen. Für die Helfer hat er Kaffee mitgebracht. Noch läuft alles stressfrei. „Das wird sich aber heute noch ändern. An Heiligabend geht es hier generalstabsmäßig zu“, sagt Drückes. Er sei dann immer an die „Handtuch-Übungen“ auf Mallorca erinnert, denn die Kirchenbesucher versuchen frühzeitig Sitzplätze mit Schals und Jacken zu reservieren. Auch dieses Jahr sollte die Jesus-Christus-Kirche wieder richtig voll werden, nicht zuletzt dank des Lichtbildes, das mit Krippe und Kreuz „die zentrale Botschaft“ zeigt. Die rund 100 Kerzen locken die Buchholzer zwar nicht ebenso an wie der Stern die heiligen drei Könige, doch „es ist ein absolut toller Anblick, wenn man abends hier vorbeigeht“, eine echte Attraktion – da sind sich alle einig.

Nachdem alle Kerzen aufgestellt sind, überprüft Tim Ratajczak anhand seiner Skizze, ob auch alle in der richtigen Nische stehen. Hier und dort muss noch nachgebessert werden. Nach zwei Stunden Arbeit im Dienste des Christkinds ist nun alles fertig, jede Kerze brennt und Gruppenführer Thorsten Grün lässt den mehrmals gefüllten, aber inzwischen leeren Sack von seiner Schulter gleiten. „Es ist immer wieder eine tolle Aktion und die Begeisterung der Kinder beim Abbauen ist wunderbar“, sagt Grün. Als Gruppenführer weiß er allerdings auch zu schätzen, dass seine derzeit sechsköpfige Gruppe auch Übung bekommt, die im Ernstfall unverzichtbar ist. Denn im Einsatz geht es oft um Leben und Tod, sei es, wenn zum Beispiel ein Kranführer einen Herzinfarkt erleidet, wenn bei U-Bahn-Bauarbeiten Unfälle passieren oder Menschen aus einem Hochhaus evakuiert werden müssen.

„Wir sind alle Ehrenamtler, arbeiten aber nicht nur sehr engagiert, sondern auch sehr professionell“, sagt Sven Wagner, dem als Zugführer mitunter die Höhenrettung von Thorsten Grün untersteht. Nach dem Wegfall des Wehrersatzdienstes, den man auch beim THW ableisten konnte, sind die Mitgliederzahlen zwar etwas geschrumpft, mit 260 Aktiven zählt der Ortsverband Duisburg zu den fünf größten Deutschlands. „Wir freuen uns aber über jeden, der mitmachen möchte.“ Man sei für Jugendliche attraktiv, aber auch bis ins Seniorenalter. Auch die Höhenrettung von Thorsten Peters könnte noch Helfer gebrauchen – nicht bloß zum Kerzenabräumen.

 
 

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