Über Frauen im Talar

Pfarrerin Ute Sawatzki tauft Ricard-Sophia mit dem Wasser des Wambachsees.   Foto:Archiv/ Udo Milbret/WAZ FotoPool
Pfarrerin Ute Sawatzki tauft Ricard-Sophia mit dem Wasser des Wambachsees. Foto:Archiv/ Udo Milbret/WAZ FotoPool
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Lange Zeit galten Frauen als zu emotional für das Amt als Pfarrerin. Vor der Evangelischen Frauenhilfe Duisburg-Süd zeigte Ul­rike Kobbe im Gemeindehaus Am See den ebenso beschwerlichen wie spannenden Weg der Frauen ins Pfarramt auf.

Wedau. Es hat lange gedauert, bis eine der letzten Männerbastionen fiel. Erst seit 1973 dürfen in der Evangelischen Kirche im Rheinland Frauen als Pfarrerinnen arbeiten. Ulrike Kobbe, Jahrgang 1973, ist eine von ihnen - jedenfalls beinahe. Die zweifache Mutter arbeitet als Pfarrerin im Ehrenamt (i. E.). Sie hat keine feste, bezahlte Pfarrstelle, sondern predigt, tauft und beerdigt ehrenamtlich.

Vor der Evangelischen Frauenhilfe Duisburg-Süd zeigte Ul­rike Kobbe im Gemeindehaus Am See den ebenso beschwerlichen wie spannenden Weg der Frauen ins Pfarramt auf. Erst ab 1900 standen weiblichen Studenten die Universitäten offen. Einige von ihnen studierten Theologie, obwohl es damals den Beruf der Theologin noch überhaupt nicht gab.

Prinzipiell hatten sich zu dieser Zeit Frauen um Heim und Herd zu kümmern. Und eine Frau, die von der Kanzel predigt, war erst recht nicht erwünscht. Dabei konnte sich die Amtskirche auf die Bibel stützen, heißt es doch im Ersten Korinther-Brief: „Das Weib schweige in der Gemeinde.“

Der Verband Evangelischer Theologinnen in Deutschland, 1925 von Marburger Studentinnen gegründet, kämpfte für die Gleichstellung der Frauen in der Gemeinde lange Zeit auf verlorenem Posten.

„Die Frau, aus der Rippe des Mannes geschaffen, war dem Mann ganz klar untergeordnet“, erklärt Ulrike Kobbe. Außerdem galten Frauen als zu emotional für das Amt des Pfarrers.

Doch gerade diese Emotionalität wird heute eher als Vorteil angesehen. „Gerade in der Seelsorge werden Frauen in der Gemeinde geschätzt, weil sie einfühlsam sind“, so Kobbe. Carola Barth aus Jena war die erste Frau, die in Theologie promovierte. Pfarrerin durfte sie deshalb noch lange nicht werden. Kobbe: „Damals durften Theologinnen nur unterrichten, ausschließlich Frauen und Kinder“.

In der Zeit des Zweiten Weltkriegs waren Frauen auf einmal befugt, alle Aufgaben eines Pfarrers zu übernehmen. Kein plötzlicher Sinneswandel, sondern eine Reglung, die aus der Not geboren wurde. Immer mehr Vikare und Pfarrer waren zum Kriegsdienst eingezogen worden, es sollten aber weiter Gottesdienste gehalten, Kinder getauft und Verstorbene nach dem christlichen Ritus bestattet werden. Als nach 1945 die Männer zurückkamen, mussten die Frauen das Feld räumen.

Erst in den 60er Jahren machten die ersten Landeskirchen den Weg frei für Frauen im Pfarramt. Anfangs galten aber noch Einschränkungen, neben der unterschiedlichen Bezahlung auch den Zölibat für Pastorinnen. „Wenn eine Frau heiraten wollte, musste sie als Gemeindepfarrerin ausscheiden“, so Kobbe.

Heutzutage sind 58 % der Theologiestudenten weiblich. Der Anteil der Pfarrerinnen liegt bei rund 30 %, die Hälfte dieser Frauen arbeitet in Teilzeit. Denn das Problem, das auch Ulrike Kobbe erkannt hat, ist die Vereinbarkeit von Familie und Pfarramt. „Viele Termine liegen abends und am Wochenende. Hinzu kommt, dass man vom Inhaber der Pfarrerstelle erwartet, dass er immer präsent ist.“ Ein schwieriger Job also auch für angeheiratete Pfarrmänner, die sich in der Zeit um die Kinder kümmern müssen. Aber bislang hat Ulrike Kobbe sowieso keine feste Pfarrstelle.

 
 

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