St.-Anna-Krankenhaus kann Kindern jetzt besser helfen

Dr. Guido Wolf zeigt Nico den Klangstuhl, der Töne für hörbehinderte Kinder körperlich erfahrbar macht.
Dr. Guido Wolf zeigt Nico den Klangstuhl, der Töne für hörbehinderte Kinder körperlich erfahrbar macht.
Foto: Funke Foto Services
Neuanschaffungen ermöglichen es dem Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ), Störungen wie Autismus bei jungen Patienten zuverlässiger festzustellen.

Huckingen..  Zwei Mädchenfiguren aus Stoff, eine Holzkiste und eine kleine Puppe, die sie darin verstecken können – was anmutet wie Spielzeug, hat mehr als 3000 Euro gekostet. Denn das Spielzeug ist keines, sondern tatsächlich ein modernes Mittel, um schon bei vier, fünf Jahre alten Kindern zuverlässig Autismus diagnostizieren zu können. Als solches ist es Teil der täglichen Arbeit am Sozialpädiatrischen Zentrum (SPZ) des Malteser-Krankenhauses St. Anna, in dem jedes Jahr bis zu 2200 Kinder mit Persönlichkeitsstörungen behandelt werden.

Ob Störungen des Verhaltens, von Sprache, Bewegung oder Sinneswahrnehmungen: Ein Team vom Kinderarzt bis hin zu Motopäden und Psychologen betreut dort Kinder und Jugendliche mit vielfältigen Beeinträchtigungen. Autismus kann nun zuverlässiger festgestellt werden, eine Kamera ermöglicht den Fachleuten, per Video Verhaltensauffälligkeiten zu analysieren. Hörbehinderte Kinder können im Klangstuhl Töne körperlich erfahren. Diese und weitere Neuanschaffungen wurden dem St. Anna ermöglicht durch eine Spende der Sparkasse Duisburg in Höhe von 15 000 Euro. Doch warum ist ein relativ einfaches Puppen-Setting so teuer?

Was aussieht wie Spielzeug, ist Diagnosematerial im Wert von 3000 Euro

„Hier sind nicht die Materialien der Kostenpunkt, sondern die Idee“, erklärt Dr. Guido Wolf, leitender Oberarzt am SPZ. Das gilt auch für einen neuen Intelligenztest: „Hier wird zum ersten Mal auch die Lernfähigkeit getestet“. Wichtig ist das zum Beispiel für das aktuelle Thema Inklusion, bei der behinderte und nicht-behinderte Kinder in derselben Klasse unterrichtet werden. Wolf sagt weiter: „Ein Kind, das gut lernen kann, darf schwach sein – es hat die Möglichkeit, das zu kompensieren.“

Die Anzahl der Fälle, die am SPZ betreut werden, nehmen stetig zu – und das, obwohl immer weniger Kinder geboren werden. Wolf erklärt das gerade in Duisburg mit einem „zunehmenden Anteil von Kindern in prekären Lebenssituationen, wo die Intuition der Eltern nicht mehr funktioniert“. Sechs bis neun Monate warten sie auf einen Termin für eine Routineuntersuchung am SPZ; der Einzugsbereich des Zentrums erstreckt sich bis hoch zum Niederrhein.

Eine Menge Kinder also, die von den Neuanschaffungen am St. Anna profitieren werden. Wolf sagt über die Aufrüstung an Ausrüstung: „Wir sind immer ein bisschen besser imstande, den Kindern zu helfen.“ Und das tun die Fachleute am SPZ gerne. Noch lieber aber wäre es dem leitenden Oberarzt, das Zentrum wäre überflüssig: „Wir freuen es über jedes Kind, das es ohne unsere Hilfe schafft.“

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