Sieben Jahrzehnte Soziale Marktwirtschaft in 70 Karikaturen

Einige ältere Karikaturen beschäftigen sich mit dem deutschen Wirtschaftswunder – Matthias Heidmeier gefallen die unterschiedlichen Sichtweisen der Künstler.
Einige ältere Karikaturen beschäftigen sich mit dem deutschen Wirtschaftswunder – Matthias Heidmeier gefallen die unterschiedlichen Sichtweisen der Künstler.
Foto: Tanja Pickartz
Der Unternehmerverband stellt derzeit 70 Werke von 31 Künstlern aus. Im Fokus: die soziale Marktwirtschaft und ihre Geschichte in Deutschland.

Duisburg-Buchholz..  Eine Deutschlandflagge mit überdimensioniertem goldenen und winzigem schwarzen Teil, eine mit übergroßem schwarzen und kleinem goldenen Teil, darunter die Sätze „Wie Ausländer Deutschland sehen“, und „Wie Deutsche Deutschland sehen“. Bei Motiven wie diesem kommt das Schmunzeln ganz automatisch, bei anderen muss das Gehirn erst einmal in Erinnerungen und Wissensfetzen wühlen, bevor es Klick macht.

„Rückblick auf eine Erfolgsstory. Sieben Jahrzehnte Soziale Marktwirtschaft im Spiegel der Karikatur“ – so lautet der Titel der Ausstellung, die derzeit zum zweiten Mal im Haus der Unternehmer zu besichtigen ist. Das mag etwas sperrig klingen – die Werke der 31 namhaften Karikaturisten sind dafür umso kurzweiliger. Sie blicken mal zynisch, mal liebevoll auf die Entwicklung Deutschlands in den vergangenen Jahrzehnten, lassen wirtschaftliche und politische Debatten Revue passieren.

Wirtschaftswunder, Bankenrettung, Digitalisierung

Im Mittelpunkt steht dabei die Soziale Marktwirtschaft, „die uns trotz mancher Schwächen ziemlich weit gebracht hat“, wie der Sprecher des Unternehmerverbandes Matthias Heidmeier erklärt.

Wirtschaftswunder, Bankenrettung, Digitalisierung – es sind große Themen, die die 70 Exponate treffend auf den Punkt bringen. Mit kleinen Spitzen und bösen Botschaften, wie bei dem Bettler, der seine Spende nur noch virtuell, in der digitalen Währung Bitcoins, erhält. Auf einem anderen Bild demonstriert eine Robotergruppe für „mehr Menschlichkeit am Arbeitsplatz“. Und das 1986.

„Karikaturen sind ihrer Zeit oft weit voraus“, sagt Heidmeier. Und so sind viele Themen erstaunlich aktuell, obwohl die Karikaturen vor 20, 30, 40 Jahren entstanden sind. Standortdiskussion 1978, Rentendiskussion 1998. Ist das nun besorgniserregend oder eher beruhigend? „Immerhin zeigt es eine gewisse Kontinuität“, sagt Heidmeier. Eines seiner Lieblingsmotive: Zwei alte Menschen auf einer Parkbank, dazu die Sprechblase: „Und ich sag Ihnen, früher war selbst die Zukunft besser“. „Man neigt eben dazu, manche Sachen schlechter zu reden als sie tatsächlich sind“, kommentiert Heidmeier das Motiv.

Karikatur von Kanzleramtschef Peter Altmaier

Dass das Haus der Unternehmer eine solche Ausstellung beherbergt, sei naheliegend, „schließlich verkörpern wir als Arbeitgeberverband einen wichtigen Teil der Sozialen Marktwirtschaft“.

So fand die Eröffnung am 11. November im Rahmen des Unternehmertags statt. Zu Gast war auch Kanzleramtschef Peter Altmaier, den Karikaturist Rolf Henn alias „Luff“ prompt in einer Zeichnung festhielt. Altmaier soll sehr angetan gewesen sein – wie auch die Besucher, die im Laufe der Veranstaltung die Bilder betrachteten, berichtet Heidmeier: „Sie überlegten, lächelten, erinnerten sich.“ Auch ein „Weißt du noch?“ habe er mehrfach vernommen. Rückblickend betrachtet waren all die politischen Eskapaden dann wohl doch alle nicht so schlimm.

>>> AUSSTELLUNG LÄUFT BIS ZUM 16. DEZEMBER

Die Karikaturenausstellung im Haus der Unternehmer an der Düsseldorfer Landstraße 7, läuft noch bis zum 16. Dezember.


Interessierte können sie Montag bis Freitag von 8 bis 18 Uhr besuchen.


Konzipiert wurde die Ausstellung von der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM) in Berlin, die für das Thema sensibilisieren möchte.

 
 

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