Schüler aus ganz Deutschland beim MINT-EC-Camp in Duisburg

Nach der Besichtigung des Stahlwerkes ging es im Schulungsraum weiter: Die Teilnehmer sollten Präsentationen vorbereiten.
Nach der Besichtigung des Stahlwerkes ging es im Schulungsraum weiter: Die Teilnehmer sollten Präsentationen vorbereiten.
Foto: Lars Fröhlich
Eine Woche lang haben sich 19 Oberstufen-Schüler aus ganz Deutschland mit dem Thema Stahl beschäftigt. Programm mit Vorträgen und Workshops.

Hüttenheim..  Wenn diese jungen Frauen die Zukunft sind – na dann können sich alle anderen Damen jeden Alters gemütlich zurücklehnen und die mal machen lassen.

19 Schülerinnen und natürlich auch Schüler aus ganz Deutschland sind in dieser Woche im Duisburger Süden zusammengekommen, um am MINT-EC-Camp zum Thema Stahl teilzunehmen – eine Veranstaltung speziell für Jugendliche, die sich besonders für Naturwissenschaften interessieren. Wobei Interesse womöglich ein zu schwacher Begriff ist: Einige haben mit ihren 17, 18 Jahren bereits ein paar Semester Studium hinter sich und lesen in ihrer Freizeit Fachbücher.

Nun stecken sie in der beige-grauen Arbeitskluft der Stahlwerker, haben das HKM-Hüttenwerk besichtigt und sprechen über die verschiedenen Betriebsbereiche, die sie gesehen haben, über Abläufe und Maschinen, verstricken sich in fachliche Diskussionen – und das alles mit sichtbarer Begeisterung.

Eine Woche voller Vorträge und Workshops

Denn sie alle sind freiwillig hier, je nach Bundesland sogar während der Ferien. Warum? Weil ihnen etwas geboten wird, „das Schule nicht leisten kann“, „weil hier niemand komisch angeschaut wird, wenn er sich gern mit Maschinenbau beschäftigt“, „weil man nicht als Streber abgestempelt wird“.

Hört man Fenja Feitsch eine Weile zu, könnte man meinen, die 17-Jährige arbeite bereits bei HKM, so mühelos jongliert sie mit dem Fachvokabular und schildert die verschiedenen Prozesse im Werk. Stahl fasziniere sie, weil er „durch minimale Veränderungen universell eingesetzt werden kann“. Als sie von dem Camp erfuhr, bat sie sofort einen Lehrer, sie anzumelden: „Ich wollte den Hochofen sehen, den Konverter, flüssigen Rohstahl, diese Dimensionen – dafür gibt es keinen besseren Ort als Duisburg. In Würzburg haben wir nichts Vergleichbares.“ Später will Fenja in der Industrie arbeiten, erst möchte sie allerdings ihr Frühstudium in Politik abschließen, danach vielleicht Wirtschaftsingenieurwesen studieren.

Die ganze Woche lang haben sie und die anderen Camp-Teilnehmer an Vorträgen, Workshops, und Führungen teilgenommen – neben den aktiven Industrieanlagen haben sie auch die Industriekulturstätten, wie Zeche Zollverein oder den Landschaftspark Nord kennengelernt. Organisiert hat das Ganze der Chemie- und Physiklehrer Philipp Kastrup vom Mannesmann-Gymnasium, gleichzeitig MINT-Koordinator der Schule. Etwa 150 Arbeitsstunden habe er in die Planung gesteckt, trotzdem würde er das Camp im nächsten Jahr gern wieder anbieten – „wenn alles gut gelaufen ist“. Bisher sieht es ganz danach aus.

Viel Lob für das Programm

Für Cihat Karadag hat die Veranstaltung noch eine zusätzliche Bedeutung: Stahl ist gar nicht unbedingt das Thema des 18-jährigen Duisburgers. „Doch wenn es die Hüttenwerke nicht gäbe, wäre ich vielleicht heute nicht hier, würde nicht aufs Mannesmann-Gymnasium gehen, könnte diese Fördermöglichkeit nicht in Anspruch nehmen“. Sein Großvater kam als Gastarbeiter aus der Türkei nach Deutschland, arbeitete in den Stahlwerken in Essen und Duisburg. Mit der Arbeitskleidung hat Cihat auch ein Stück familiäre Vergangenheit übergestreift. Obwohl er im nächsten Jahr Medizin studieren möchte, hat ihn das Camp, es ist das fünfte, an dem er teilnimmt, tief beeindruckt. „Es wurde einfach an alles gedacht, das Programm ist nie zu theoretisch, nie zu praktisch gewesen.“

Auch die Mädchen sind voll des Lobes, obwohl sie auffallen im Stahlwerk, obwohl die Vortragenden sich „eher den Jungen zuwenden als uns“, wie Julia Vielhauer bemerkt hat. Unwohl fühlt sie sich trotzdem nicht. Die Realität sei ja nun einmal so, fügt Fenja hinzu: „Nur 14 Prozent Frauen arbeiten im Stahlwerk bei Thyssen“. Wenn man dann als Mädchen eine halbwegs intelligente Frage stelle, reagierten die meisten überrascht. Aber ein Anfang sei gemacht, sagt Julia: „In den nächsten Jahren wird sich da noch einiges ändern.“

>>> Unterstützung von Uni und Industrie
Die Abkürzung MINT steht für die Fachbereiche Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Dem Excellence-Schulnetzwerk MINT-EC gehören derzeit 266 Schulen an, darunter das Mannesmann-Gymnasium.

Unterstützt wurde das Camp von HKM, der Schulewirtschaft NRW, dem Duisburger MINT-Zentrum zdi, dem Lehrstuhl für Metallurgie und Stahl der Universität Duisburg-Essen und Thyssenkrupp.

 
 

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