Rentner baut Nistkästen mit Kindern

Günter Voß zeigt  Lara ( 10 Jahre), wie man mit einer Standbohrmaschine umgeht. Foto:  Udo Milbret
Günter Voß zeigt Lara ( 10 Jahre), wie man mit einer Standbohrmaschine umgeht. Foto: Udo Milbret
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Dadurch lernen die Grundschüler nicht nur eine Menge über einheimische Vögel, sondern eignen sich auch handwerkliche Fähigkeiten an. Die Kinder sind begeistert. Die Schulleiterin freut sich über das ehrenamtliche Engagement

Bissingheim.  Gut 3000 Vogelhäuschen hat Günter Voß, Mitglied der Bürgerinitiative Pro Bissingheim, in den letzten Jahren gebaut, viele davon auf dem Bissingheimer Weihnachtsmarkt verkauft. Das schönste: Seit drei Jahren leitet Günter Voß Kinder der Hermann-Grothe-Schule an, es ihm nachzutun. Er bastelt mit den Grundschülern Vogelhäuschen, das Material dazu stiftet er, finanziert aus dem Verkaufserlös vom Weihnachtsmarkt.

Günter Voß hat seinen halben Werkzeugkeller ausgeräumt und mit in die Schule gebracht: Standbohrer, Hobel, Sägen, Gasbrenner - alles, was man so braucht, um den Vögeln eine kommode Möglichkeit zum Nisten zu schaffen.

Auf seine ruhige, freundliche Art erklärt Voß, wie man die Sache systematisch angeht. Erst einmal die Bretter exakt ausmessen, die Bohrlöcher einzeichnen. Esther und Sam hören genau zu, setzen das Lineal an, rechnen im Kopf aus, wo das nächste Bohrloch angesetzt werden muss. Die beiden Zehnjährigen sind mit großem Eifer bei der Sache, wie die meisten Mitschüler haben sie noch nie zuvor handwerklich gearbeitet.

Günter Voß ist beruflich vorbelastet. Er hat bei der Telecom Fernmeldetechniker ausgebildet, weiß also, wie man anschaulich erklärt. Neben dem praktischen Teil erzählt der aktive Rentner auch über die vielfältige Vogelwelt in Bissingheim. „Damit die Kinder wissen, für wen sie bauen“, so Voß. In Bissingheim fliegen nicht nur Amsel, Drossel, Fink und Star herum, sondern auch Trauerschnäpper, Kleiber und Haussperling.

Die Nachfrage nach dem Nistkasten-Bauen war in diesem Jahr so groß, dass drei Gruppen gebildet werden mussten. 24 Kinder wollen dabei sein, gingen dafür freiwillig, noch mal nachmittags zur Schule. Gertrud und Ernst Gasper, die letzten Aktiven, die aus Arbeitsgruppe Ökologie aus Zeiten der Bürgerinitiative übriggeblieben sind, helfen den Kindern beim Ausmessen. Voß zeigt ihnen, wie man einen Standbohrer und den Gasbrenner bedient. Mit dem Gasbrenner werden zum Schluss, nach rund drei Stunden, die Bretter geflämmt. Das sieht nicht nur schön aus, durch das Flämmen wird das Holz gleichzeitig imprägniert.

Kinder dürfen Kästen mitnehmen

Die fertigen Vogelhäuser dürfen die Kinder mit nach Hause nehmen. Sam wird seinen Nistkasten wahrscheinlich draußen auf der Terrasse aufhängen. „Kinder, die im letzten Jahr bei der Aktion mitgemacht haben, sind Wochen später zu mir gekommen und haben ganz stolz erzählt, dass jetzt eine Meise bei ihnen auf dem Balkon nistet“, berichtet Schulleiterin Marion Schwiening, die sich sehr über das ehrenamtliche Engagement der Umweltschützer in ihrer Grundschule freut. .