Radikale Christen aus Duisburg-Großenbaum bleiben verschlossen

Die Gläubigen - hier bei einer Show - lassen sich nicht hinter die Kulissen blicken.
Die Gläubigen - hier bei einer Show - lassen sich nicht hinter die Kulissen blicken.
Foto: WAZ FotoPool
Duisburger Evangelikale zeigen sich zugeknöpft. Die radikalen Christen aus Großenbaum sammeln in ihrer Kirche mitten im Gewerbegebiet Gleichdenkende um sich. Wer hinter den hohen Zaun geht, wird auf Schritt und Tritt beobachtet.

Duisburg-Großenbaum. Lachende Gesichter, spielende Kinder und plaudernde Eltern. Der Tag der offenen Tür wirkt wie eine Familienfeier. Doch wer nicht zu dieser Familie gehört, bekommt das im Wera-Forum an der Albert-Hahn-Straße schnell zu spüren. Kaum setzt man als Außenstehender einen Fuß auf das sonst abgeriegelte Gelände, drehen sich die Köpfe der übrigen Gäste in Richtung Eingang. Das neue Gesicht wird wenig unauffällig unter die Lupe genommen. Jedoch mustern nicht nur die Mamis und Papis der tobenden Kids den Neuling, sondern auch einige Anzugträger mit Knopf im Ohr. Sicherheitskräfte oder Gemeindemitglieder – das ist nicht ganz deutlich. Mysteriös wirkt das alles in jedem Fall.

Das Wera-Forum ist eine eigene Glaubensgemeinschaft. Den Christen von der „Evangeliumskirche Glaubensgeneration“ wird nachgesagt, extreme Positionen zu vertreten. Gemeinde-Mitglieder sollen unter Zwang Spenden abdrücken müssen. Das bestreiten die Christen. Ein hoher Zaun schottet das Gelände ab. Am Tag der offenen Tür steht das Tor auf: Man präsentiert sich offenherzig – auf den ersten Blick.

In dem Kirchengebäude – offiziell ein Medienzentrum – gesellt sich dann schnell eines der Gemeindemitglied im schwarzen Anzug zu dem verunsicherten Besucher. In diesem Fall ist es Andreij. Der freundliche Mann stellt sich vor und bietet eine Führung durch das Zentrum an.

Überall Überwachungskameras

Was einem zuerst ins Auge fällt, ist schwer zu sagen. Der blitzeblank gewienerte Boden im majestätischen Eingangsbereich oder die feine ausgestattete Sitzecke – alles ist einen Blick wert. Andreij scheint die Begeisterung im Gesicht des Besuchers zu sehen. „Wir haben alles so schön gemacht wie möglich. Alles für Gott“, sagt er mit starkem osteuropäischen Akzent und weist stolz auf die vielen Feinheiten der Ausstattung hin.

Dem Besucher fallen jedoch auch die vielen Kameras an den Decken auf. Andreij lacht nur: „Damit hier nichts passiert.“

Auch die weitere Führung ist eine Augenweide: Spielzimmer, Wickelzimmer und Sporträume – alles durch die rund 350 Mitglieder finanziert – sind geräumig, gepflegt und einladend. Es fehlt einfach an nichts. Der Gebetssaal unterscheidet sich allerdings von anderen. Er gleicht einem Kino. Gemütliche Sitze, eine große Leinwand, Scheinwerfer, große Boxen. Jugendliche proben für eine Aufführung: Was die Besucher später erwartet liegt zwischen Theater, Musical und intensivem Gebet.

Andreij beendet die Führung. Er händigt dem Besucher für weitere Fragen eine Karte mit einer Telefonnummer aus. Seinen Nachnamen behält er für sich, verabschiedet sich aber herzlich mit „Gott sei mit Dir.“ Gut beobachtet bahnt sich der Besucher den Weg zum Ausgang.

 
 

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