„Pro Asyl“ wirbt um Verständnis für Roma in Duisburg

Martin Kleinwächter
So sah ein Roma Lager im Jahr 2004 aus.
So sah ein Roma Lager im Jahr 2004 aus.
Foto: WAZ FotoPool

Duisburg. Etwa zur Hälfte aus Ex-Jugoslawien sollen die künftigen Bewohner des neuen Übergangswohnheims an der Masurenallee stammen, hatten Vertreter der Stadt bei einem Treffen mit Mitgliedern örtlicher Vereine und Organisationen erklärt. Aber nur ganz vereinzelt seien das Angehörige der Volksgruppe der Roma. Für Bernd Mesovic, Vize-Geschäftsführer der Hilfsorganisation Pro Asyl in Frankfurt, passt das nicht zusammen. „Tatsächlich“, sagt er, „ist der größte Teil der Asylsuchenden aus Serbien, Mazedonien und dem Kosovo Roma.“ Mesovic wirbt um Verständnis für diese Menschen. Sie würden sich in diesen Ländern in aussichtsloser Lage befinden.

„Es geht nicht wenigen Roma ums Überleben des Winters, nachdem sie aus bisherigen Siedlungen ohne Alternative herausgeräumt wurden oder am Rande der Müllkippen des Balkans vegetieren“, sagt der Flüchtlings-Experte. Die Wirtschaftskrise habe auf dem Balkan zu einer Verarmung geführt. Nischen, die ihnen zuvor dort das Überleben ermöglicht hätten, würden von Nicht-Roma besetzt.

Um die Entwicklung des Kosovo als eigenständiger Staat zu unterstützen, würden die Verhältnisse hier beschönigt. Die Rückkehrer aber kämen in ein Land zurück, indem die Schattenwirtschaft dominiert, Behörden nur mangelhaft arbeiten und ihre Bediensteten bestechlich seien. Stabilität und Rechtssicherheit fehlten weitgehend. Ansprüche gerichtlich durchzusetzen, sei aussichtslos.

Teilhabe an Arbeitsvermittlung stünde nur auf dem Papier. Die Arbeitslosigkeit liege bei fast 100 %.

Offiziell gebe es keine Übergriffe auf sie. Wer Anzeige erstatte, müsse Repressalien befürchten. Mit Hilfe der albanischen Polizei könnten sie kaum rechnen. Nach der Verfassung seien all diese Rechte garantiert, ebenso die international vereinbarte Wiedereingliederung der Rückkehrer. Aber dazu fehlten die Mittel. Die Roma ihrerseits hätten kein Vertrauen in die von den Albanern dominierten Behörden, sie seien räumlich fast hermetisch von den Albanern abgeriegelt und eine Art Freiwild für Kriminelle.

Auch von der Gesundheitsversorgung seien sie weitgehend ausgeschlossen. „Wer einen Behandlungstermin bekommen möchte, muss die Ärzte schmieren“, heißt es in einem Bericht. Arzneimittel müssten bezahlt werden. So werden Krankheiten verschleppt.

Auch der Schulbesuch für Rückkehrer sei problematisch. Sie würden gehänselt, sprächen zu schlecht albanisch. Schließlich verursache der Schulbesuch Kosten. Viele Familien könnten das nicht bezahlen.

Den Roma würden elementare Rechte vorenthalten. Ihre Rückkehr verschärfe die Situation noch. Über Elendsviertel in Nachbarstaaten führe ihr Weg meist wieder nach Mitteleuropa.