Politiker fürchten Brandfolgen

Von Arne Poll
In Mündelheim vernebelte der Rauch den ganzen Stadtteil.
In Mündelheim vernebelte der Rauch den ganzen Stadtteil.
Foto: WAZFotoPool
Der Großbrand schwelte in der Bezirksvertretung Süd weiter. Kritik an Aussagen der Stadt zur Ungefährlichkeit der Dünger-Asche. Sondersitzung am 4. Oktober für Bürgerfragen in Planung.

Süd.  Selbst im Sitzungssaal ist Chlor zu riechen. Gefahr hat durch den Großbrand in Krefeld angeblich nie bestanden. Diese Aussage der Stadtverwaltung wollen die Politiker aus dem Süden nicht einfach so stehenlassen. „Schwebende Teilchen im Rauch sind immer gefährlich“, sagt etwa die CDU-Fraktionsvorsitzende Brigitte Weber. In der Bezirksvertretung äußerten die Politiker gestern Abend deutliche Kritik an der Informationspolitik der Stadt.

Aschebrocken in der Plastikbox

„Wir wissen, wovon wir reden“, sagt Bezirksbürgermeister Dietmar Eliaß (SPD). Er habe als einer der ersten die stinkende Wolke ab­bekommen. Die Süd-SPD fordert die Verantwortlichen auf, die Ergebnisse aller Untersuchungen öffentlich zu machen. Die Politiker verlangen weitere Bodenuntersuchungen. Es herrsche Verunsicherung, ob Kinder überhaupt noch ein Blatt am Baum anfassen können. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Hartmut Ploum überreicht seinem Parteigenossen Dietmar Eliaß symbolisch eine Plastikbox mit Aschebrocken, die über dem Süden niedergingen.

Auch der Sirenenalarm sorgt für Unmut. Warum erst so spät gewarnt wurde, wollen viele wissen. 8.40 Uhr sei der Alarm am Dienstag im Süden ausgelöst worden. Das sei aber wirklich nur ein Zusatz zu Radio und Lautsprecherdurchsagen gewesen, sagt Bezirksamtsleiter Friedhelm Klein. „Das Sirenensystem ist noch nicht voll einsatzbereit.“ Darauf hatte auch schon der Krisenstab hingewiesen.

Es sei überflüssig, jetzt zu erklären, wie sich die Menschen im Süden bei bestimmten Tönen verhalten sollen. „Sobald das Sirenensystem komplett aufgebaut ist, wird umfassend informiert“, so Klein. Standpunkte neuer Sirenen sollen unter anderem die Schule Am See, ein Wohnhaus an der Münchener Straße, der U-Bahnhof am St.-Anna-Krankenhaus und die Straße Im Knappert sein.

Eine 16 Meter hohe Sirene entsteht in der Straße Im Stuppert bei HKM. Die Bezirksvertretung genehmigte den Bau gestern umgehend einstimmig. Warum erst jetzt der Antrag? Klein: „Man muss die Kollegen in Schutz nehmen. Sicher ist das eine wichtige Sache. Aber es gibt auch andere wichtige Sachen.“

Das Thema hat sich noch längst nicht erledigt. Die CDU beantragt jetzt eine Sondersitzung der Bezirksvertretung für den 4. Oktober. Dann sollen auch Bürger Fragen stellen dürfen. Fragen, auf die vielleicht im Krisenstab noch gar niemand gekommen ist, heißt es. Dann sollen auch Experten Rede und Antwort zu den Messergebnissen stehen. Welche Experten kommen, ist noch offen. Auch der Veranstaltungsort steht noch nicht fest. Die anderen Parteien schließen sich dem Vorschlag zur Sondersitzung einstimmig an.

Mit einer Ausnahme: Horst Wegner (FDP) enthält sich, weil er sich nächste Woche zum Wandern in Schottland befinde. „Da ist auch die Luft sauber“, gibt ihm Hartmut Ploum mit auf den Weg.