Pfarrer aus Duisburg-Süd sind nicht für totalen Verzicht zur Fastenzeit

Fastenzeit bedeutet nicht automatisch Hungern - auch kleine Einschränkungen, wie zum Beispiel der Verzicht auf Computerspiele, können das Leben "entmüllen". Foto: ddp
Fastenzeit bedeutet nicht automatisch Hungern - auch kleine Einschränkungen, wie zum Beispiel der Verzicht auf Computerspiele, können das Leben "entmüllen". Foto: ddp
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Die Fastenzeit hat begonnen. Dass es dabei nicht primär ums Abnehmen oder totalen Verzicht geht, bestätigen der katholische Pastor Roland Winkelmann, der evangelische Pfarrer Dietrich Köhler-Migge und Ernährungsberaterin Birthe Krenski.

Duisburg-Süd. „Beim Fasten denken die meisten ans Abnehmen. Darum geht es aber gar nicht primär“. Das sagt jemand, der es wissen muss: Roland Winkelmann, Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde St. Judas-Thaddäus in Buchholz. Während der Fastenzeit, die mit dem heutigen Aschermittwoch beginnt, geht es nicht so sehr um körperlichen Verzicht, sondern um geistige Besinnung. Darum, mit sich und dem Leben verantwortungsvoll umzugehen.

„Es ist eine Gelegenheit, sich zu beweisen, dass man bestimmte Dinge nicht braucht, nicht von ihnen abhängig bin.“ Persönlich will Pfarrer Winkelmann aufs Fernsehen und auf Alkohol verzichten. „Oder jedenfalls so weit wie möglich herunterzuschrauben“, denkt der katholische Geistliche an die vielen Einladungen, bei denen zu Ehren des Geburtskindes das Glas erhoben wird. „Jeder kann seine Akzente setzen. Fasten ist nicht dazu da, sich das Leben schwer zu machen. Es bedeutet, das Leben bewusst wahrzunehmen, seine Zeit nicht zu vergeuden“.

Weniger Schokoladen-Heißhunger bei Sonnenschein

Der Verzicht auf Fleisch ist nach katholischer Lehre nur an zwei Tagen - Aschermittwoch und Karfreitag - verbindlich vorgeschrieben. Die sechs Sonntage vor Ostern sind vom Fasten ausgenommen. Dann ist es also „erlaubt“, sich den „Tatort“ anzuschauen.

Nach einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Deutschen Angestellten Krankenkasse halten rund die Hälfte der Befragten einen vorübergehenden Konsumstopp für sinnvoll. Die meisten denken dabei an den Verzicht auf Alkohol (64 %) und Süßigkeiten (59 %). Dazu die Duisburger Ernährungsberaterin Birthe Krenski: „Es ist für den Körper sehr gut, mal eine Zeit lang zu fasten. Und der Frühling ist die ideale Jahreszeit“. Die Ökotrophologin erklärt warum. „Bei hellem Licht ist es viel einfacher, auf Schokolade zu verzichten. Der Sonnenschein hebt die Stimmung, die Menschen sind von Natur aus besser gelaunt und müssen sich nicht mit Süßigkeiten belohnen“. Bei wärmerem Wetter entwickelt der Mensch weniger Hungergefühl.

Strikte Verbote auf Dauer nicht durchzuhalten

Ernährungskurse laufen im Frühjahr grundsätzlich am besten. Viele wollen jetzt ihren Winterspeck los werden. Die milderen Temperaturen locken nach draußen, so dass die Kursteilnehmer ihr Ernährungsprogramm effektiv durch zusätzliche Bewegung an frischer Luft ergänzen können.

Die christliche Art der Fastenzeit hält die Expertin für gesünder als die radikale Variante der Moslems im Ramadan. „Es ist für den Körper nicht sinnvoll, den ganzen Tag zu hungern und sich nachts den Bauch voll zu schlagen“. Unter dem Aspekt, Gewicht zu verlieren, sei die gemäßigte Variante auf jeden Fall besser. Strikte Verbote - überhaupt nichts Süßes, kein Gramm Fleisch - halte auf Dauer sowieso niemand durch.

Den Verzicht auf Genussmittel in den 40 Tagen vor Ostern befürwortet die Ernährungsberaterin. „Wer mal eine Zeit lang auf Süßes verzichtet, kann anschließend das Stück Schokolade wieder ganz bewusst genießen“. Sie selbst schafft es nicht, komplett auf Süßigkeiten zu verzichten. „Aber ich versuche den Konsum von Süßem einzuschränken. Auch das bringt schon eine Menge“. Denjenigen, die in den nächsten Wochen ganz auf Fleisch verzichten wollen, rät Birthe Krenski vermehrt Eier und Quark zu sich zu nehmen, um den Körper ausreichend mit Eiweiß zu versorgen.

„Ein paar Kilo abzunehmen täte mir sicher ganz gut“, erwidert Dietrich Köhler-Miggel, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Trinitatis, auf die Frage, ob er faste. Und schließt dann an, dass es in der Fastenzeit in erster Linie ums geistige Aufräumen geht. Darum, den Alltag zu entmüllen und das Leben neu zu entdecken. „Einfach mal die gewohnten Bahnen verlassen“, so Köhler-Miggel. Das kann für den einen bedeuten, das Auto stehen zu lassen und morgens mit dem Fahrrad zu fahren, für den anderen auf den Computer zu verzichten“. Letzteres kommt für ihn allerdings nicht in Frage. „Das wäre so, als wenn ein Polier ohne Hammer zur Arbeit ginge“, sagt der Pfarrer, dessen Berufsalltag selbstverständlich auch von Neuen Medien beeinflusst wird. „Wenn man bestimmte Verhaltensweisen ablegt, hat man die Chance, Neues zu entdecken. Es geht also im Grunde nicht um den Verzicht, sondern um den Gewinn“, so Köhler-Miggel.

 
 

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