Nur wenig versemmelt

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Mündelheim. Sie heißen nicht Tim Mälzer, Johann Lafer oder Rainer Sass, sondern Werner Streib, Jürgen Schwiese und Helmut Hübner. Aber eines verbindet die gestandenen Familienväter aus Mündelheim und Serm mit den bekannten Fernsehköchen: Die Leidenschaft fürs Kochen, der Appetit auf leckere Speisen, der Genuss beim Verzehr.

Seit rund acht Jahren treffen sich die Feinschmecker aus dem Duisburger Süden regelmäßig alle 14 Tage Dienstag abends in den Küchen evangelischer Gemeindehäuser und schwingen den Kochlöffel. Sie nennen sich selbst „Männerkochkurs“ - denn das eingeschworene Team köchelt ganz ohne die Hilfe ihrer Ehefrauen.

Angefangen hatte alles mit einer Anzeige im „Contact“, dem Gemeindebrief der evangelischen Auferstehungsgemeinde Duisburg-Süd. Dort suchten Jürgen Schwiese aus Serm und ein Bekannter aus Mündelheim männliche Mitstreiter für einen Kochtreff. Schnell meldeten sich die Mündelheimer Werner Streib und Klaus-Peter Zimmermann. Später stießen nacheinander noch Willi Kindler, Helmut Hübner, Thomas Rother, ebenfalls Mündelheimer, hinzu. „Anfangs haben wir noch Drei-Gang-Menüs gekocht“, erzählt Rentner Klaus-Peter Zimmermann Aber das war uns auf Dauer zu anstrengend. Jetzt kochen wir pro Abend ein Gericht.“ Danach wird noch ein Nachtisch gereicht, für den meist Jürgen Schwiese zuständig ist. Die Rollenverteilung unter den Männern ist klar: Bei jedem Treffen kümmert sich ein Vorkocher um das Hauptgericht. Er bestimmt, was auf den Tisch kommt, kauft ein, bereitet Fleisch, Fisch oder Geflügel zu, würzt, rührt, wendet und schmeckt ab. Die anderen arbeiten zu, schälen oder schneiden Kartoffeln und Gemüse klein.

Heute gibt es in der Küche der evangelischen Auferstehungsgemeinde an der Korbmacherstraße in Mündelheim Kaninchen mit Klößen und Pflaumen. Das Kaninchen hat Vorkocher Werner Streib (52), die treibende Kraft des Koch-Ensembles, selbst geschlachtet. Nach einer Stunde ist das Kaninchen gar. Schnell ist der Tisch gedeckt. Dann lassen es sich die Köche schmecken. Die Männer mögen es meist deftig und herzhaft, traditionelle Gerichte wie z.B. „Himmel un Äd“ oder „Quarknudeln mit Speck“. „In all den Jahren haben wir nur wenig versemmelt“, berichtet Müllwerker Streib und grinst: „Nur einmal haben wir aus Versehen Sahne verwendet, die längst sauer war.“ Die anderen lachen. Gelacht wird viel im Männerkochkurs. Die Stimmung ist stets fröhlich. Die Männer kennen sich und ihre Eigenarten. Klar, da wird schon mal herzhaft geblödelt, aber der gegenseitige Austausch steht im Vordergrund. Das ist interessant, zumal wir alle aus verschiedenen Lebensverhältnissen kommen“, sagt Klaus-Peter Zimmermann (59). „Für mich ist das immer eine schöne Abwechslung, um aus dem beruflichen Alltag herauskommen“, sagt Lungenfacharzt Jürgen Schwiese (52). „Unsere Treffen sind sehr kommunikativ.“ „Außerdem lernt man hier eine ganze Menge über das Kochen.“ Die anderen nicken. „Zuhause kocht meine Frau: Das ist auch besser so“, schmunzelt IT-Quality-Manager Helmut Hübner (52). „Aber immerhin bin ich jetzt selbst in der Lage zu kochen.“ Das haben die Männer ihren Ehefrauen bewiesen, mit einem vorzüglichen Galadiner im Keller des Gemeindehauses. „Am Anfang wussten wir nicht, wie unsere Frauen genau reagieren. Denn Frauen nehmen doch meistens alles ziemlich genau“, lacht Klaus-Peter Zimmermann. „Aber unser Festessen hat allen prima geschmeckt.“