Neues Leben in der Kirche

Beim letzten Gottesdienst in der Kirche Maria Himmelfahrt trat die Duisburger Gospelgroup zum letzten Mal auf.  Bild : Stephan Eickershoff
Beim letzten Gottesdienst in der Kirche Maria Himmelfahrt trat die Duisburger Gospelgroup zum letzten Mal auf. Bild : Stephan Eickershoff
Foto: WAZ
2007 wurde die Hüttenheimer Kirche Maria Himmelfahrt geschlossen. Beim „Festival musikalischer Erinnerungen“ wird sie neu belebt - zumindest für einen Nachmittag.

Hüttenheim.. Neues Leben in der Kirche Maria Himmelfahrt - zumindest für einen Tag. Zum 100. Jubiläum von Hüttenheim steigt am Sonntag, 6. Mai, ab 16 Uhr das „Festival musikalischer Erinnerungen“ in der 2007 geschlossenen Kirche. Es spielt noch mal die Duisburger Gospelgroup - ein Revival rebellischer Zeiten. Mit von der Partie sind außerdem der Chor TonArt und die Atlanta-Jazzband. HKM sponsert das Ganze. Damit ist sichergestellt, dass niemand frieren muss. Die Kirche wird rechtzeitig vorgewärmt.

Der Veranstaltungsort für diese Jubiläumskonzert steckt voller Symbolkraft. Die Kirche an der Mündelheimer Straße gilt als Geburtsort moderner Kirchenmusik. Zum Bedauern vieler Alt-Hüttenheimer kümmert sie seit Jahren vor sich hin, wird allenfalls sporadisch genutzt.

Damals, Ende der 60er Jahren, ging in Maria Himmelfahrt die Post ab. Schlagzeug und moderne Kirchenlieder brachten einen frischen Wind in den Gottesdienst. „Glotzt beim Loben nicht immer nur nach oben! Schaut auch mal zur Seite, dann seht Ihr die Pleite“. Mit solchen Sprüchen, parallel zu den Fürbitten vorgetragen, verstand es die Duisburger Gospelgroup zu provozieren. Vor der Kirche standen die Leute bisweilen Schlange, Fernsehteams drehten die Auftritte. Den konservativen Geistern der katholischen Kirche ging gegen den Strich, was die von Kantor Leo Schuhen initiierte Gruppe im Gotteshaus von sich gab. Nach fünf Jahren war für die Hüttenheimer Jungs Horst Ambaum, Rolf Hucklenbruch, Knud Kalisch und Gerd Lugge Schluss.

Die Rebellen von einst, alle inzwischen in Ehren ergraut, treten auch am 6. Mai mit sozialkritischen Liedern, die laut Ambaum immer noch aktuell sind, auf. Aber auch das „ Halleluja“ von Leonard Cohen gehört zum Programm.

TonArt, früher der „junge“ Chor von Maria Himmelfahrt und nach der Kirchenschließung der einzige in Hüttenheim verbliebene, hat Gospels und Spirituals, Pop-Klassiker wie „Tears in heaven“ von Eric Clapton und Songs von Billy Joel, aber auch das „Steigerlied“ im Repertoire. Chorleiter Andreas Rabeneck, studierter Kirchenmusiker und ehemaliger Hütten-Spatz, hofft, dass möglichst viele Menschen mitsingen, mitklatschen und -wippen.

Auch die Atlanta Jazzband aus Köln hat Verbindungen zu Maria Himmelfahrt. Der Bandleader Klaus Osterloh stammt aus Ungelsheim. Die sechsköpfige Band, allesamt Profis und studierte Musiker, hat sich dem Old Jazz verschrieben, spielt aber auch Eigenkompositionen.

In der Pause hat das Publikum Gelegenheit, ein Glas zu trinken und sich die Fotos und Filme anzuschauen, die Harald Molder von der Zeitzeugenbörse zum Jubiläum zusammengetragen hat.

Ambaum und andere Hüttenheimer hoffen, dass sich eine neue Konzertkultur in Maria Himmelfahrt entwickeln kann.

 
 

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