Naturidylle direkt vor der Haustür

Martin Schlüpmann von der Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet kümmert sich um den See, seine Ufer und die seltenen Arten, die dort in wachsender Zahl beheimatet sind.
Martin Schlüpmann von der Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet kümmert sich um den See, seine Ufer und die seltenen Arten, die dort in wachsender Zahl beheimatet sind.
Foto: WAZ-Fotopool

Wedau.  Bald blöken Schafe und meckern Ziegen am Haubachsee. Sie werden ab Mai als vierbeinige Rasenmäher engagiert - fleißig, anspruchslos und sogar zu unbezahlter Sonntagsarbeit bereit. Der Haubachsee, der jüngste im Ensemble der Sechs-Seen-Platte, soll sich zwar möglichst naturnah entwickeln. Doch eine gewisse Pflege muss sein. „Sonst wäre in wenigen Jahren hier alles zugewuchert“, erklärt Martin Schlüpmann von der Biologischen Station Westliches Ruhrgebiet, die den See und seine Ufer betreut.

Fußgänger und Radfahrer haben sich in den vergangenen Wochen wohl über die Motorsägen und Bagger gewundert, die im Bereich des Haubachsees im Einsatz waren. Schließlich gilt der See als geschütztes Biotop, das Ufer darf nicht betreten werden und Schwim­men im See ist ebenfalls verboten. Bis zum Beginn der Schutzzeit für brütende Vögel Anfang März wurden im Uferbereich einige Bäume gefällt und jede Menge Gestrüpp entfernt. Es sollen Freiflächen geschaffen werden, Platz für geschützte Eidechsen und seltene Heuschrecken. „Zum Beispiel für die blauflügelige Ödlandschrecke oder die Zauneidechse“, erläutert Schlüpmann. Der Biologe ist Experte für Amphibien, Heuschrecken und Libellen. Er erzählt begeistert von den schillernden Farben der Smaragdlibelle und davon, dass man sich bei der Biologischen Station über die vielen Sandlaufkäfer im Bereich des Haubachsees freut.

Zur Zeit lassen sich diese beiden biologischen Kostbarkeiten noch nicht in Wedau blicken, es ist noch zu früh im Jahr. Dafür zeigt uns Schlüpmann Sumpfbärlapp, der sich in einem Tümpel abseits vom Haubachsee angesiedelt hat. „Es sieht nicht besonders spektakulär aus, ist aber eine echte Rarität“ - die nicht nur das Biologenherz erfreut, sondern auch die Artenvielfalt bereichert.

Der sanfte Eingriff der Biologen scheint zu funktionieren. Mehr und mehr Vögel nisten in den Uferbereichen und auch zahlreiche Pflanzen, die auf der Roten Liste stehen, haben sich ausgebreitet. Mit dem Fernglas beobachten Naturfreunde den vom Aussterben bedrohten Eisvogel und verschiedene Spechtarten. Im Internetforum für Naturfotografen sind herrliche Aufnahmen des Haubachsees zu finden, verwunschen im Dunstschleier, mit spiegelblanker Wasseroberfläche. Eine Idylle mitten im Ruhrgebiet, für die Menschen im Süden quasi vor der Haustür.

 
 

EURE FAVORITEN