Mülheimer macht sich mit "Ruhrpott Currywurst" selbstständig

Martin Kleinwächter
Currywurst-Experte Udo Warner.
Currywurst-Experte Udo Warner.
Foto: WAZ FotoPool

Duisburg-Großenbaum. Manche Menschen entdecken erst spät im Leben ihre eigentliche Mission. Bei Udo Warner (59) aus Mülheim-Broich ist das so. Er ist vom Naturell her zum Unternehmer geboren. Aber von einer kurzen Unterbrechung abgesehen, hat er Zeit seines Lebens als Angestellter gearbeitet. Bis vor ei­nem Jahr. Da hat er sich mit der Vermarktung der von ihm erfundenen Marken „Ruhrpott-Currywurst“ und „Ruhrpott-Ketchup“ selbstständig gemacht. Zwar hat er eine Anschubfinanzierung vom Arbeitsamt bekommen. Aber seit ein paar Monaten läuft das Geschäft selbsttragend. Udo Warner ist inzwischen auf Expansionskurs.

Denn aus der beim Start im April 2011 in Krefeld bestellten Menge von 500 Kilo Ketchup ist mittlerweile ein monatlicher Absatz von zwei Tonnen geworden. Hinzu kommen, je nach Witterung, 6000 bis 10 000 Würstchen - beide nach eigener Rezeptur.

Marktlücke 'möglichst-wenig-Fett' entdeckt

Udo Warner ist ein Kind des Duisburger Südens, ist unter anderem in Mündelheim und Hüttenheim zur Schule gegangen und hat in Neuenkamp den Beruf des Großhandelskaufmanns in der Stahlbranche erlernt. Viele Jahre hat er in Hessen gelebt und gearbeitet, so kurzzeitig als Bankkaufmann. Aber dann wechselte er in die Lebensmittelbranche und war zuletzt von Neuss aus im Außendienst tätig, hatte Imbisse und Restaurants als Kunden.

Warner beobachtete am Markt, dass sich die Qualität bei Currywurst und Ketchup verändert hat. Er machte eine Marktlücke aus: Bratwürstchen mit möglichst geringem Fettanteil, nicht nur aus Schweinefleisch, sondern auch mit Rindfleisch, ohne Geschmacksverstärker und Konservierungsstoffe, dafür mit Gewürzen und mit Natur- statt Kunstdarm. „Die Wurst darf nicht so weich und wabbelig sein, man muss noch kauen.“

Die Fleischfabrik von Herbert Neukirchen und Sohn im Gewerbegebiet Beckerfelder Straße war bereit, für Warner eine solche Wurst herzustellen. Dort hat er auch sein Lager. Sie bietet sie zusätzlich zu ihren eigenen Produkten auch jeden Freitag und Samstag im Fabrikverkauf an.

Ein Ketchup für Frauen- und Männer-Geschmäcker

Mit einigem Aufwand verbunden war für Warner auch die Erstellung einer Rezeptur für den Ketchup seiner Wahl. „Meine Idee war“, sagt er, „einen Ketchup zu schaffen, den Männer wie Frauen gleichermaßen mögen.“ Seiner Erfahrung nach ist Frauen Ketchup vielfach zu scharf, Männern dagegen zu fad. Es galt also, die Mitte zu treffen. Ein Krefelder Hersteller half ihm dabei. Und dabei war eine weitere Bedingung, die Warner sich gestellt hatte, erfüllt: Er will Produkte aus der Region vertreiben.

Neun Monate lang setzte Warner sich mit verschiedenen Ketchup-Sorten auseinander, veranstaltete Testessen, auch mit der Wurst. „Ich wollte eigene Produkte haben, nichts Modifiziertes“, sagt er. Zusätzlich verteilte er Proben in Arztpraxen und Fitness-Studios, wo er hoffte, vor allem von Frauen Rückmeldungen zu bekommen.

Am Ende stand die aus seiner Sicht richtige Mischung fest. Nun galt es, dem Ganzen auch noch einen Markennamen zu verpassen. „Ruhrpott-Schmecklecker-Food“ lautet er. Etiketten und Werbematerial ließ Warner nach eigenen Ideen herstellen.

Inzwischen ist eine zweite Wurstsorte hinzugekommen: der „Rostbrat-Griller“ mit Schweine- und Geflügelfleisch, Bärlauch und Chili. Und eine nach den gleichen Grundsätzen entwickelte „Mayo Creme“ steht vor der Einführung.