Mit Drehbuch zum Gottesdienst

Pfarrerin Ute Sawatzki absolvierte für den Fernsehgottesdienst ein Sprachtraining in Berlin. Zu Hause vor dem Spiegel übt sie auch.
Pfarrerin Ute Sawatzki absolvierte für den Fernsehgottesdienst ein Sprachtraining in Berlin. Zu Hause vor dem Spiegel übt sie auch.
Foto: Fabian Strauch

Buchholz.  Als Pfarrerin ist es Ute Sawatzki gewohnt, vor Publikum zu reden. Allerdings hören normalerweise ein paar hundert, und nicht gleich 700 000 Menschen zu, wie am morgigen Sonntag, 15. Juni, wenn das ZDF in der Buchholzer Jesus-Christus-Kirche dreht. Passend zum Start der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien feiert die Pfarrerin zusammen mit dem EKD-Ratsvorsitzenden Nikolaus Schneider einen Gottesdienst unter dem Titel „Anstoß zur Freiheit“.

Zuvor übt Ute Sawatzki noch mal zu Hause vorm Spiegel. Es ist alles minuziös festgelegt, nichts wird dem Zufall überlassen. Ein 27 Seiten dickes Drehbuch gibt vor, wer sich wann wo hinsetzt und wieder aufsteht. Nach 44 Minuten und 30 Sekunden ist definitiv Schluss, dann muss der Segen gesprochen sein. „Wenn wir mit der Zeit hinterher hinken, muss der Organist eine Strophe weglassen“, sagt Ute Sawatzki.

Vorbereitung seit letztem Sommer

Die Vorbereitungen laufen bereits seit letzten Sommer. Ute Sawatzki war zwischendurch zum Sprechtraining in Berlin. „Fürs Fernsehen muss man anders sprechen“. Während sie die Stimme im Gottesdienst erhebt, um auch die Menschen in der letzten Reihe zu erreichen, muss sich die „Fernseh-Pfarrerin“ zurückhalten. „Sonst glaubt der Zuschauer, er würde angeschrien.“

Und die Momente der Stille, die die Theologin normalerweise bewusst einbaut, kommen fürs Fernsehen auch nicht in Frage. „Dann glauben die Leute zu Hause, der Ton wäre ausgefallen“.

Bereits am Freitag rückte eine 20-köpfige Crew des ZDF mit drei Riesenlastern an. Die Techniker bauen das Equipment auf, es finden Tonproben und am Samstag Abend die Generalprobe statt. Nachts passen Wachleute auf die teure Ausrüstung auf.

Am Samstag Vormittag wird vor der Kirche der Vorspann zum Gottesdienst gedreht. Dabei wirken die Herren einer Skatrunde mit, Kinder, die auf den Pflastergestein rumhüpfen, Jungs, die kicken - schließlich geht es im Gottesdienst um den Wert des Spielens. Dabei spricht Nikolaus Schneider, der gebürtige Huckinger, der in seiner Jugend beim VfL Hüttenheim im Tor stand, in der Predigt auch Kritisches an. Er themasiert Kinderarbeit - spricht über Kinder, die nicht spielen dürfen, sondern stattdessen arbeiten müssen.

Wer live bei sein will, musste sich um eine „Eintrittskarte“ bemühen“. 400 Plätze wurden vergeben. Auch die Gemeinde wird vor dem Fernsehauftritt gebrieft. „Es sollen alle mitsingen, egal, ob sie singen können oder nicht. Hauptsache keine geschlossenen Münder“, sagt die Pfarrerin.

Ein Honorar für den Auftritt bekommt übrigens niemand, auch die 25 Sänger des Wedauer Kinderchors nicht. „Die üben so eifrig wie noch nie“, lacht Ute Sawatzki. Schließlich hören am Sonntag 7000 000 Menschen vor den Fernsehern zu.

 
 

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