Mit 120 Jahren in Huckingen gerade mal ausgewachsen

Foto: Funke Foto Services
Die Winterlinde ist Baum des Jahres 2016. Markante Exemplare an der Düsseldorfer Landstraße

Huckingen..  Gerade mal ausgewachsen sind sie, die drei Winterlinden, die auf dem Grundstück des Hauses Düsseldorfer Landstraße 376 stehen. Baumexperte Heinz Kuhlen führt uns hierher, weil die Winterlinde der Baum des Jahres 2016 ist. Die drei Exemplare hier sind eingetragene Naturdenkmale, weil sie zur Gestaltung des Orts- und Landschaftsbildes beitragen.

Noch in ihrer kargen Wintergestalt fällt vor allem die seitlich neben dem Haus am Kreisverkehr stehende Winterlinde auf. „Sie dürfte 80 bis 120 Jahre alt sein“, erklärt Kuhlen, der pensionierte Gartenbautechniker.

Blühen wird sie erst im Juni oder Juli. „Das ist von der Witterung abhängig“, sagt Kuhlen. Dann nimmt der Baum für einige Zeit die blassgelbe Farbe seiner Blüten an. Und weil die Winterlinde etwa zwei Wochen nach ihrer Schwester, der Sommerlinde, blüht, wird sie auch Spätlinde genannt.

„In freier Wildbahn, also nicht als Straßenbaum, können Winterlinden bis zu 1000 Jahre alt werden“, berichtet der Baumkenner. Deshalb seien alle drei Exemplare gerade mal aus dem Heranwachsenden-Alter heraus. Um freilich ein solch biblisches Alter zu erreichen, bedarf es eines besonders günstigen Standorts. Dazu gehört laut Heinz Kuhlen ein luft- und wasserdurchlässiger, tiefgründiger Boden. Hitze und Kälte erträgt die Winterlinde dagegen gut. Deshalb findet man sie von Westfrankreich bis nach Russland hinter dem Ural. Nur in Spanien, Schottland und Norwegen ist sie nach Angaben von Heinz Kuhlen nicht heimisch.

Was die Winterlinde in unseren Breiten so beliebt gemacht hat, das sind ihre Schönheit und der Duft ihrer Blüten. „Ihre Krone und ihre Blätter haben die Form eines Herzens“, erklärt Kuhlen. Deshalb spreche man auch vom Baum der Liebe. Ihre duftenden Blüten wiederum würden viele Bienen anziehen. Kuhlen führt aus: „Deshalb ist sie auch der Baum der Imker. Auffallend viele Gaststätten führen die Linde im Namen. Sie war in früheren Jahren oft der Dorfmittelpunkt, unter dem getanzt wurde.“

Forstwirtschaftlich ist sie hingegen weniger interessant. Das Holz eines ausgewachsenen Baumes hat gerade einmal den Wert von vielleicht 500 Euro. „Aber wenn man die lebenslange Leistung einer stadtnahen Winterlinde bei der Filterung der Luft, für Sauerstoffbildung, Wasserhaltung und Abkühlung in Geldwert ausdrücke, leistet ein solcher Baum Arbeit im Wert von rund 300 000 Euro“, so Kuhlen. Das Alter von 1000 Jahren wird eine Stadtlinde aber kaum erreichen.

„Was der Winterlinde als städtischem Baum heute zusetzt, sind weniger die Umweltbedingungen als der Wegfall unserer Baumschutzsatzung“, klagt der Naturfreund. Seitdem werde in Duisburg geholzt „auf Teufel komm’ raus“. Auch viele Winterlinden seien betroffen. „Selbst wenn es Ersatzpflanzungen geben würde, wäre das nicht wiedergutzumachen angesichts der langen Wachstumsphase dieses Baumes.“

Alter schwer zu bestimmen

Das Alter einer ausgewachsenen Winterlinde nach ihren Jahresringen zu bestimmen, ist schwierig. „Alte Linden neigen dazu, direkt am Stamm viele junge Austriebe zu bilden“, sagt Heinz Kuhlen. „Sie verwachsen im Laufe der Jahrhunderte miteinander. Stammumfänge von zehn Metern sind dabei nicht selten.“ Solche Exemplare gebe es aber in Duisburg nicht. Hier sind zur Zeit stadtweit 137 Winterlinden als Naturdenkmale ausgewiesen.

EURE FAVORITEN