Landmarke bringt „einfach nur Spaß“

Landmarke - Tiger & Turtle - in Duisburg-Angerhausen.
Landmarke - Tiger & Turtle - in Duisburg-Angerhausen.
Foto: WAZ FotoPool

Duisburg-Süd.. Eine Stunde lang versuchte zu Beginn der Sitzung der Bezirksvertretung Stadtdirektor Dr. Peter Greulich die Begeisterung der Kommunalpolitiker für die Landschaftsmarke Tiger & Turtle in Angerhausen zu wecken. Ein schwieriges Unterfangen, den vor allem der Wanheimer SPD-Bezirksvertreter Hartmut Ploum hatte im Vorfeld mit mehreren Anfragen zum Thema den Eindruck erweckt, dass man das für Schlagzeilen in aller Welt sorgende neue Wahrzeichen vor der Haustür eigentlich nur für einen Kostenfaktor halte.

Um einen 15 Fragen umfassenden Katalog der Fraktionen von SPD, Grüne sowie von Mirze Edis (Linke) zu beantworten, erinnerte Greulich an die Entstehung des begehbaren Kunstwerkes und zog eine erste Bilanz seit der Eröffnung am 12. November im letzten Jahr.

"Skulptur biegt in Leichtigkeit vor sich hin"

Andere Entwürfe für das von der Industrie gesponserte Kunstwerk seien „eben nicht atemberaubend“ gewesen, so der Stadtdirektor über die Skulptur aus Stahl, „die sich in Leichtigkeit vor sich hinbiegt“. Man habe eben keine Doppelhaushälfte planen und bauen müssen, sondern ein historisches Kunstwerk, das nun über viele Breitengrade Begeisterung auslöse.

Dass Tiger & Turtle nur eine begrenzte Anzahl von Besuchern gleichzeitig aufnehmen könne, dies liege nun einmal an der Begrenzung des Raumes, den das Kunstwerk biete. Auch der TÜV habe das erst einmal aus dem „luftleeren Raum“ beurteilen müssen und empfahl von 40 Besuchern gleichzeitig auszugehen. Das vom TÜV empfohlene Drehkreuz als Eingangskontrolle habe die Bauordnung der Stadt abgelehnt und man habe eine „manuelle Lösung“ durch Mitarbeiter der Verwaltung umgesetzt.

Derzeit steht die Verwaltung mit einer Firma in Verhandlung, die Zu- und Abgang über Infrarot-Sensoren regeln will. Auch bei der Zahl der Besucher, die das Kunstwerk gleichzeitig besuchen können, sei man weitergekommen: Bei 195 Personen werde in Zukunft der Zugang automatisch blockiert. Rund 30.000 Besucher haben Tiger & Turtle bisher schon besucht.

"Blauäugige Kalkulation"

Hartmut Ploum wies in dem sich anschließenden Dialog darauf hin, dass die die kalkulierten 590.000 Euro wohl mehr als „blauäugig“ gewesen seien. Ploum sprach auch die Parksituation an, die jetzige Beschilderung führe direkt in die Berzeliusstraße, die als Sackgasse dann restlos zugeparkt sei. „Demnächst wird bei Sonne hier der Bär steppen“, warnt Ploum. Und mit Knöllchen an ortsfremde Autos sei man kein guter Gastgeber.

Stadtdirektor Greulich sagte für die Parkplatzsituation weitere Prüfungen zu und hofft auf Anregungen der Anwohner in Wanheim, die auch weiterhin an „ihrem Kunstwerk viel Freude haben sollen“. Bei den Kosten werde man wohl bei 2,5 Mio Euro landen, so der Stadtdirektor, der die jährlichen Unterhaltkosten mit rund 25000 Euro kalkuliert. Auch darüber sei man mit hiesigen Unternehmen in Verhandlung, ob diese Kosten ebenfalls über Sponsoring abgewickelt werden können. Technisch sei das Kunstwerk auf dem neuesten Stand, so werden die Beleuchtung sowie andere Stromkosten gerade mal 7500 Kilowattstunden ausmachen, das entspricht dem Verbrauch von zwei Haushalten.

"Einfach nur Spaß"

Zusammen mit FDP-Vertreter Dr. Horst Wegner ist der Stadtdirektor der Auffassung, dass man den vielen auswärtigen Gästen auch die Möglichkeit geben sollte, „etwas Geld auszugeben“. Man suche derzeit nach Möglichkeiten für einen Gastronomiebetrieb im Umfeld, weiterhin sollten elektronische Schilder auf andere Sehenswürdigkeiten in der Stadt wie Innenhafen oder Landschaftspark aufmerksam machen. Bei den laufenden Unterhaltskosten wies Dr. Greulich darauf hin, dass Firmen, die an Tiger & Turtle Filmaufnahmen machen wollen, bereits mit 500 bis 1000 Euro zur Kasse gebeten werden.

Eine „Bypass“ auf dem Kunstwerk, das quasi in zwei Sackgassen begeht werden kann, war gegen den Willen der beiden Künstler, die Tiger und Turtle entworfen haben nicht durchzusetzen, schon die Einrichtung einer Videokamera, die mit 360 Grad das komplette Bauwerk erfasst und auf jeden Punkt gezoomt werden kann, sei äußerst problematisch gewesen. Diese liefere aber nun nötige Bilder an einen Leitstand.

Auf die abschließende Frage von Dr. Horst Wegner, was den Tiger & Turtle den Duisburger Bürgern gebracht habe, hatte der Stadtdirektor eine kurze Antwort parat: „Einfach nur Spaß“.

 
 

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