Jesus-Christus-Kirche als Stadion

Mit vier Kameras in der Jesus-Christus-Kirche und Übertragungswagen auf dem Vorplatz der Kirche übertrug das ZDF den Fernsehgottesdienst aus Buchholz.
Mit vier Kameras in der Jesus-Christus-Kirche und Übertragungswagen auf dem Vorplatz der Kirche übertrug das ZDF den Fernsehgottesdienst aus Buchholz.
Foto: WAZ-Fotopool

Buchholz.  Wenn ein ZDF-Fernsehgottesdienst den Titel „Anstoß zur Freiheit“ trägt, dann darf sich die Jesus-Christus-Kirche in ein Stadion verwandeln. Die Beteiligten schlugen einen gekonnten Bogen zwischen Buchholz, der Fußball-Weltmeisterschaft und den Projekten der Kindernothilfe in Brasilien.

Vor dem Spielbeginn um 8.30 sind die Tribünen voll besetzt, das Team postiert sich zum Einlauf: Dr. Nikolaus Schneider als Kapitän, gewissermaßen. Der gebürtige Huckinger hat ein Heimspiel, wird schon beim „Warmlaufen“ mit Applaus bedacht. Medienerfahren ist der EKD-Ratsvorsitzende natürlich, hat den Blick für Details wie die verrutschte Krawatte von Dietmar Boos von der Kindernothilfe. Ute Sawatzki trägt „Brazooka“, den bunten WM-Ball in die Arena. Ganz gelassen wirkt die Wedauer Pfarrerin beim großen Auftritt vor mehr als einer halben Million TV-Zuschauern, für den sie ein Jahr lang geübt hat. Ein wenig ist das so, als spielte Vikoria Buchholz plötzlich in der Bundesliga.

Kindernothilfe-Projekt in Brasilien

Den Schiedsrichter gibt Michael Sahr. „Bitte die Handys ganz ausschalten“, bittet der ZDF-Redakteur (Das sollte er mal in einem echten Stadion versuchen!). „Kräftig mitsingen“, wäre auch auch schön und in einem Tempo sprechen. Und: „Lassen Sie sich nicht von den Kameras stören. Ein Lächeln ist die kürzeste Entfernung zwischen zwei Herzen.“ Nur knapp eine Halbzeit lang ist der Gottesdienst – bei einer Generalprobe am Samstag wurde überprüft, ob alles in 44.30 Minuten passt. „Danach schmeißen die uns raus, egal wie weit wir sind“, erklärt Saar.

Auf den letzten Drücker hat Dr. Nikolaus Schneider noch die Predigt-„Taktik“ geändert. Etwas länger ist die neue Version. Zwei Lied-Strophen hat er der EKD-Chef dafür „geklaut“. Von einer Friedensvision des Propheten Sacharja in der Lesung schlägt Schneider den Bogen zum Spiel: „Es stärkt uns auf den Wegen zur Freiheit, verarbeitet erlittene Schmerzen, erlebtes Unrecht und bricht die Macht dieser Erfahrungen.“ Gott gebe die Regeln für das „Lebensspiel“, betont der Prediger. „Wir Menschen sollten nicht um des eigenen Vorteils willen das Recht beugen. Wem Gott viel gibt, von dem erwartet er auch viel.“ Schneider: „Wir können uns und unsere Erde verändern.“

Für mehr Gerechtigkeit kämpft die Kindernothilfe mit ihren Projekten. „Es ist ganz wichtig die Kinder zu stärken, damit sie ihren Weg gehen können“, wirbt Jürgen Thiesbonenkamp um Unterstützung der Gemeinde für ein Projekt der Kindernothilfe in Brasilien. Auch der Fußball schafft dort ein wenig Normalität. Sehr passend dazu der Titel der Liverpooler Fußball-Hymne, die zum „Abpfiff“ des Gottesdienstes auf der Orgel erklingt: „You’ll never walk alone“ – Du wirst niemals alleine gehen.

 
 

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