Japaner besuchen Gesamtschule Süd in Großenbaum

Beim „Galeriegang“ mit dem LK Geschichte der Gesamtschule Süd: Prof. Dr. Nobuyuki Harada (hinten l.) und Lehrerin Maria Heiter (hinten r.)
Beim „Galeriegang“ mit dem LK Geschichte der Gesamtschule Süd: Prof. Dr. Nobuyuki Harada (hinten l.) und Lehrerin Maria Heiter (hinten r.)
Foto: WAZ FotoPool

Großenbaum.  „Wenn alles schläft und einer spricht, den Zustand nennt man Unterricht“, laute der Reim zum klassischen Frontalunterricht. Ein alter Hut, längst sieht Schule anders aus. „Ich muss als Lehrer lernen lassen“, erklärt Maria Heiter, Lehrerin an der Gesamtschule Süd und Co-Autorin eines Buches zum „Kooperativen Lernen“. Dabei erarbeiten die Schüler in Kleingruppen den Stoff, der Lehrer rückt in die Moderatoren-Rolle. Die Konzepte weckten großes Interesse in Japan. Am Mittwoch kamen die Professoren Dr. Nobuyuki Harada (Uni Nagoya) und Dr. Akiko Utsunomiya (Uni Saga) zum Unterrichtsbesuch in die Gesamtschule.

„Ich habe zunächst an einen Schülerscherz geglaubt“, schmunzelt Maria Heiter, die fast die E-Mail des japanischen Hochschullehrers für Didaktik gelöscht hätte. „Ich bin eine pädagogische Brücke“, sagt Harada, der schon zum 37. Mal in Deutschland ist, dabei als Gastprofessor in Oldenburg und Halle/Wittenberg lehrte. Seine Kollegin Utsunomiya bringt es auf zehn Besuche.

Hüben wie drüben haben die „Pisa“-Studien nicht nur die Lehrpläne, sondern auch die Unterrichtsmethoden verändert. Auch Harada beschäftigt sich schon seit zehn Jahren mit kooperativen Lernkonzepten. „In Japan haben sich die Methoden geändert, die Schulbücher noch nicht“, sagt er. An dieser Stelle hat Maria Heiter angesetzt. „Unsere Vorschläge funktionieren mit den aktuellen Schulbüchern“, erklärt sie. „Das ist wichtig, denn kein Lehrer hat Zeit, das alles für jede Stunde neu vorzubereiten.“

Außerdem setzt die Methode auf Kommunikation unter den Schülern, die Förderung eigenständiger Lernprozesse. „Das machen Kinder gern. Es setzt voraus, dass sich alle Schüler beteiligen“, sagt Heiter. Von ihren Erfahrungen zu lernen, ist das Ziel der japanischen Gäste: „Wir wollen von der wissenschaftlichen Ebene und der empirischen Forschung in die konkrete pädagogische Arbeit kommen.“

Wie’s funktioniert, sehen die Professoren im Leistungskurs Geschichte. Die Themen für die Abiturprüfungen haben die 16 Schüler zunächst in Zweiergruppen, dann in zwei Gruppen erarbeitet. In einem „Galeriegang“ erklären sie sich an sieben Plakaten gegenseitig die Inhalte. Ihre Erfahrungen mit dem kooperativen Lernen sind positiv. „Wenn es jeder für sich erarbeiten müsste, würden wir wesentlich mehr Zeit benötigen“, sagen sie. Schlägt sich das auch nieder in guten Klausurergebnissen? „Ich glaube schon“, sagt Maria Heiter. „Die ersten Eindrücke sind sehr positiv.“

 
 

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