Iranerin gibt anderen Flüchtlingen Nachhilfe

Bei unserem Besuch ging es um Binomische Formeln. Faezeh Heydari Ahwazi (r.) erklärt den Lösungsweg an der Tafel. Ihr großer Vorteil: Sie kann den Nachhilfeschülern die Rechnung in ihrer Landessprache erklären. Wie viele ihrer Schüler wohnt sie in einem Hochhaus an der Angertaler Straße. 
Bei unserem Besuch ging es um Binomische Formeln. Faezeh Heydari Ahwazi (r.) erklärt den Lösungsweg an der Tafel. Ihr großer Vorteil: Sie kann den Nachhilfeschülern die Rechnung in ihrer Landessprache erklären. Wie viele ihrer Schüler wohnt sie in einem Hochhaus an der Angertaler Straße. 
Foto: Fabian Strauch
20-Jährige hilft Realschülern ehrenamtlich in Mathematik. Sie selbst möchte Ingenieurin werden

Huckingen..  Martin Redies klingelte an 39 Wohnungen des großen Hauses an der Angertaler Straße. Ein Haus, in dem viele Flüchtlinge untergebracht sind. Er wollte seine Hilfe anbieten, Kontakt herstellen. Faezeh Heydari Ahwazi machte auf und begrüßte den fremden Deutschen.

Er, der fremde Deutsche, engagiert sich für Flüchtlinge, betreut Familien und unterrichtet zum Beispiel ehrenamtlich Englisch und Mathematik an der Realschule Süd. Dann kam die Idee: „Ich habe jemanden gesucht, der mich unterstützen kann, und der die Sprache der Kinder versteht und außerdem noch gut in Mathe ist“, erzählt Redies.

Er traf Faezeh Heydari Ahwazi: ein Glücksgriff. Die 20-Jährige hat im Iran eine sogenannte Mathematik-Highschool besucht. Seit einer Woche gibt sie jetzt in Kleingruppen etwa 16 Stunden pro Woche Nachhilfe in Mathe. Die Flüchtlingskinder der Realschule freut es. „Faezeh kann uns die Dinge gut erklären. Sie spricht unsere Muttersprache“, sagt Nasreem.

Raus aus den eigenen vier Wänden

Zwei Jahre lang war sie aus der Schule raus, musste mit der Familie auf einem Feld in der Türkei arbeiten, um sich die weitere Flucht finanzieren zu können. Seitdem sie in Deutschland zur Schule gehen kann, fühlt sie sich angekommen.

Angekommen fühlt sich auch Heydari Ahwazi, zu Hause aber noch nicht: „Ich bin unglücklich ohne meine Mutter. Meine kleinen Geschwister brauchen sie.“ Vor einem Jahr kam die 20-Jährige mit dem Gummiboot nach Deutschland – zusammen mit ihrer kleinen Schwester und dem kleinen Bruder. 14 Tage Ungewissheit.

Ihre Eltern sind im Iran zurückgeblieben. Der Vater steht unter politischer Beobachtung. Seine Kinder sollten in Sicherheit sein. Sie flohen. Jetzt wartet sie auf Asyl. Die ehrenamtliche Tätigkeit in der Schule hat sie raus aus den vier Wänden geholt. „Es macht mich glücklich, wenn ich sehe, dass die Kinder mich verstehen“, freut sich Heydari Ahwazi.

Das Mathebuch hält sie in den Händen. Das heutige Thema: Binomische Formeln. Selbstbewusst schreibt die Iranerin den Lösungsweg an die Tafel. Die Schüler Lelav, Nasreen und Yazan folgen aufmerksam.

Yazan will einmal Pilot werden, Lelav und Nasreen Lehrerin. „Sie ist ein großes Vorbild für die Mädchen“, weiß Redies. Er hat bewusst eine Frau gesucht, die kein Kopftuch trägt: „Faezeh stellt etwas dar. Sie zeigt, dass es möglich ist, solche Berufe zu erreichen.“

Wobei: Lehrerin ist nicht ihr Traumberuf. Ingenieurin möchte sie werden. Im Oktober beginnt ihr Gaststudium in der Universität Duisburg-Essen. Anschließend möchte sie Mathematik studieren.

Mathe bei Flüchtlingskinder beliebt

Mathe ist ein beliebtes Fach bei den Flüchtlingen. „Die Flüchtlingskinder sind auf dem gleichen Stand wie die deutschen Kinder. Das können sie zeigen und sich damit auch auszeichnen“, schildert Redies und weiter: „Generell ist zu sagen, die Kinder sind sehr wissbegierig, ehrgeizig und fleißig. Ich bin mir ganz sicher: Das sind die Kinder der Zukunft!“

 
 

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