Im Bann der Hexen

Andrea Müller
Ruth Segermann,sammelt Briefmarken und stellt am 14./15. Mai im Steinhof mit aus. Bild: Udo Milbret/WAZ-FotoPool
Ruth Segermann,sammelt Briefmarken und stellt am 14./15. Mai im Steinhof mit aus. Bild: Udo Milbret/WAZ-FotoPool
Foto: WAZ-Fotopool

Info. Sie hat es nicht nur auf seltene Exemplare abgesehen, sie ist selbst eine echte Seltenheit. Ruth Segermann sammelt Briefmarken, seit über 15 Jahren.

Und sie weiß: „Frauen in der Philatelie - das ist wie Frauen in Männerberufen. Es gibt sie so gut wie nicht. Und die, die sich dennoch unter die Herren mischen, werden zunächst belächelt und müssen sich doppelt so viel anstrengen, um ihre Fachkenntnis zu beweisen.“

Zwei Damen, 50 Herren - so liest sich auch die Mitgliederstatistik bei den Briefmarkenfreunden Duisburg e.V.. Ruth Segermann hat im Kreis der männlichen Sammler ihren Platz gefunden und ist doch „typisch Frau“ geblieben. „Ich sammele keine teuren, sondern schöne Stücke“, berichtet sie. Auf drei Sammelgebiete habe sie sich spezialisiert: Hexen-Motive, Rosen-Motive und Elberfeld-Vorphila. Bei Letzteren handelt es sich um Stempel aus (Wuppertal)-Elberfeld (ihrem Geburtsort), die in früheren Zeiten die Briefmarken ersetzten.

„Jede Marke erzählt Geschichten, als Sammler erweitert man sein geografisches und geschichtliches Verständnis“, so Ruth Segermann. Das „richtige Suchen“ in den einschlägigen Katalogen müsse man zunächst ebenso lernen, wie das zielgerichtete Stöbern auf Ausstellungen und Großtauschtagen, bei Briefmarkenhändlern oder in Auktionshäusern. Außerdem brauche man „reichlich Geduld“, denn es dauere schon Mal länger, bis man ein Wunschstück, das man im Katalog erspäht habe, auch tatsächlich finde.

Fast drei Jahre lang hat die Buchholzerin z.B. nach einem Markenheftchen aus dem asiatischen Raum „gefahndet“, das neben Tiermarken auch eine Rosenmarke enthält. Dann entdeckte sie es plötzlich auf einer Ausstellung und erwarb es. „Wenn das Sammlerglück zuschlägt, ist das ein ganz tolles Gefühl. Etwa so schön wie Schuhe kaufen“, zieht sie schmunzelnd einen Vergleich.

Zur Philatelie kam die gelernte Hauswirtschaftsleiterin, die auch schon als Markthändlerin und derzeit in einem Briefmarkenhandel arbeitet, mit 22 Jahren. Über die Deutsche Philatelisten Jugend. „Man fragte mich, ob ich nicht Ausstellungen mit organisieren und moderieren wolle. Ich tat es und es machte mir Spaß. Erst einige Jahre später begann ich selbst zu sammeln“, berichtet sie. „Vom Naturell her“ sei sie allerdings immer schon eine Sammlerin gewesen. Hexen-Puppen, En-ten aus Plastik oder Plüsch und hübsche Ansichtskarten schmückten ihre Wohnung.

Obwohl seit 15 Jahren im Verein, steht für die 43-Jährige nun eine Premiere an: Sie stellt zum ersten Mal bei einer Briefmarkenausstellung aus - und zwar bei den Duisburger Philatelietagen am 14. und 15. Mai im Huckinger Steinhof. Ihre schönsten Stücke wird sie präsentieren - darunter die „Hexe auf dem Besen“ von 1931. Das witzige Stempelmotiv prangt auf einer gängigen amerikanische Briefmarke.

Während Ruth Segermann für diesen Hexen-Stempel rund 150 Euro zahlte, hat sie aber auch schon echte Glanzstücke für wenig Geld erstanden. So kaufte sie auf einem Trödelmarkt für drei Euro ein ganzes Briefmarkenalbum mit „Massenprodukten“ auf Russland, Afghanistan und Burkina Faso. „Die Marken sind nichts wert, aber sie passen toll in meine Hexen-Sammlung. Motive sind nämlich Kräuter, die eine Hexe beim Kochen in ihren Kessel wirft“, erzählt sie.

Ihre liebste Rosenmarke ist übrigens die, die ein Herz aus Rosen zeigt. Von ihren Mann Klaus Kühn - ebenfalls ein passionierter Sammler (er hat die größte Duisburg-Sammlung) - bekommt sie häufiger Rosen geschenkt - allerdings „meist auf Briefmarken“. Ob ihr Mann sie anfangs mit seiner Briefmarkensammlung geködert hat? Ruth Segermann lacht und schweigt . . .

Die Duisburger Philatelietage finden vom 13. bis 15. Mai im Steinhof an der Düsseldorfer Landstraße 347 statt. Ausrichter sind die Duisburger Briefmarkenfreunde e.V. Ausstellungseröffnung ist am Samstag, 14. Mai, um 10 Uhr, von 11 bis 17 Uhr können sich Sammler und andere Interessierte nicht nur die Sammlungen anschauen, sie können sich auch Fachvorträge anhören, ihre Sammelstücke schätzen lassen, usw. Den Veranstaltern ist es gelungen, die „seltenste Briefmarke der Welt“ nach Duisburg zu holen. Am Sonntag steigt ab 10 Uhr ein Großtauschtag (bis 16 Uhr).