Im Auftrag der Kanzlerin in Buchholz unterwegs

Simone Solga, Klinikkultur
Simone Solga, Klinikkultur
Foto: WAZ FotoPool

Buchholz...  „Frau Merkel kommt heute nicht, die hat von Kliniken erstmal genug.“ Ihr Berliner Vorgesetzte musste Simone Solga entschuldigen. Aber schließlich kam die selbst ernannte „Kanzler-Souffleuse“ zur Klinikkultur, um dem Publikum im ausverkauften Saal die große Politik zu erklären.

Das fünfte Soloprogramm

Solga trifft zu Beginn auf einige Zweifel. „Ich frage mich, ob eine Frau den Biss hat, die Brisanz der Politik wirklich authentisch rüberzubringen“, sagte Paul Scholz (74). Solga kann diese Vorbehalte durchaus nachvollziehen. „Es gibt viel zu wenige Frauen, die sich ans politische Kabarett herantrauen. Oft behandeln weibliche Kabarettisten eher den typischen Mann-Frau-Konflikt oder die Probleme ums Älter-Werden.“ Dabei sollten gerade Frauen sich ans politisches Kabarett trauen, findet sie: „Frauen werden bis heute noch benachteiligt – etwa in der Rentenpolitik.“

„Im Auftrag der Kanzlerin“ ist das fünfte Solo-Programm. Was unterscheidet es von den ersten vier? „Es ist erwachsener und politischer geworden.“ Aktuelle Themen wie Zuwanderung EU-Asylpolitik fließen mit ein. Man wachse und reife mit jedem Programm. „Ich muss nicht alle drei Minuten schallendes Gelächter aus dem Publikum hören, ich will schließlich auch zum Nachdenken anregen.“

„Wenn man lacht, kann man nicht krank sein“, betont Solga und mit diesem Vorsatz beginnt sie jeden Auftritt. Wenn diese These stimmt, hat Solga am Donnerstag wohl einen besseren Job gemacht als jeder Arzt. Als Kanzler-Souffleuse erzählte sie den Duisburgern von den Problemen ihrer Stadt. Die Schulden seien zu hoch und außerdem solle es das Standort für ein Atommüll-Endlager werden. „Bei euch Duisburgern ist Hopfen und Malz verloren“, warnt sie.

Die Kabarettistin verdeutlicht das kommunale Dilemma in einem fiktiven, aber höchst amüsanten Gespräch zwischen OB Sören Link und seiner Frau. Ihre musikalischen Einlagen, wie ein Schlaflied für Kanzlerin Merkel, kommen ebenso gut an wie die gereimten Warnungen vor den roten Koalitionären: „Lass dir nicht von Gabriels Grüppchen spucken ins Süppchen“. Und auch ihre Interpretation des deutschen Fernsehens überzeugte auf allen Linien, von Kollegin Anke Engelke über Talk-Show Moderatoren bis hin zur allgemein bekannten Werbespots, nahm Solga alle aufs Korn.

Letztendlich hatte Simone Solga nicht nur den zu Anfang misstrauischen Paul Scholz von ihren Qualitäten überzeugt: „Ich weiß gar nicht, was ich da hervorheben soll. Es war einfach Unterhaltung auf einem hohen Niveau.“

 
 

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