Heimische Waldtiere statt virtueller Pokémons

Cara Vorbeck
Im Juli wird die Rollende Waldschule ein Jahr alt. Die ehrenamtlichen Betreiber setzen auf die Faszination heimischer Waldtiere statt auf virtuelle Pokémons.

Süd.  Der Wald vor ihrer Haustür ist für viele Menschen ein Ort, den sie zwar nutzen, über dessen Artenvielfalt und Bedürfnisse sie allerdings relativ wenig wissen. Vor allem bei Kindern sehen Pädagogen ein Defizit, wenn es um Wissen über Waldtiere, -pflanzen und Umweltschutz geht. Die Rollende Waldschule, deren Stammplatz am Wambachsee ist, will das ändern. In diesem Monat wird das Projekt der Kreisjägerschaft ein Jahr alt.

Waldrallyes und Infotage für Schulen, Kindergärten und Gruppen stellen die Mitarbeiter der Kreisjägerschaft mit Hilfe der Rollenden Waldschule auf die Beine, beziehungsweise: auf die Räder. Das Ziel fährt immer mit: Menschen den Wald und seine Bewohner ein Stück näher zu bringen. Das erste Jahr hat den Mitarbeitern der Kreisjägerschaft viel positive Resonanz eingebracht. Das Interesse ist groß – so groß, dass die Rollende Waldschule bereits für den Rest des Jahres ausgebucht ist, und für 2017 sind Termine nur mit größerer Vorlaufzeit zu bekommen. Nicht nur Kinder nehmen die Angebote wahr: In dem kommenden Monaten wollen die Mitarbeiter ein Projekt für eine Seniorengruppe organisieren. Noch bewältigen die Ehrenamtler die große Nachfrage. Nachwuchs, besonders aus den Reihen der Jungjäger der Kreisjägerschaft, ist aber gesucht.

Stammplatz am Wambachsee

Für ihre Einsätze rollt die Waldschule vom angestammten Platz am Wambachsee bis vor die Tür zum Beispiel des Klassenzimmers. „Die Kinder sind natürlich immer aufgeregt und freuen sich, wenn wir kommen“, sagt Nicole Blomenkamp, Jägerin und Mitarbeiterin der Rollenden Waldschule. Aufgeregt sind sie und gespannt auf das Programm, das für sie organisiert wurde. Das dürfen die Kleinen auch sein. Die Stationen und Veranstaltungen sind darauf ausgelegt, zu begeistern und zu erstaunen, aber auch aufmerksam zu machen auf den Lebensraum Wald mit seiner Vielfalt.

Laut Michael Garski, Obmann des Lernortes Natur und der Rollenden Waldschule, ist es hierbei wichtig, dass die Teilnehmer selbst Erfahrungen machen und ihre Umwelt erkunden können: „Wenn die Kinder etwas selbst entdecken, dann bleibt es auch hängen.“ Garski organisiert die Waldschule zusammen mit Martin Heßhaus, Obmann für Natur- und Umweltschutz. Beim Entdecken geht es auch mal darum, den Wald mit den Augen eines Frosches zu sehen. Die jungen Waldforscher lernen außerdem, heimische Tierarten zu erkennen. Auf dem Stundenplan stehen aber auch Antworten auf die Frage, wie man sich als Gast im Ökosystem Wald respektvoll verhält. Die Besucher der Waldrallye suchen beispielsweise am Wegesrand Dinge, die nicht in den Wald gehören. Umweltaufklärung und Umweltschutz sind zentrale Themen.

Das Gewehr ist nicht das wichtigste Werkzeug des Jägers

Auch der Beruf des Jägers wird thematisiert. Die Mitarbeiter zeigen und erklären die Arbeit von Jagdhunden, durchs Fernglas erspähen die Kinder Tierpräparate in einiger Entfernung. Dabei erklären die Ehrenamtlichen auch, dass zum Jagen mehr gehört, als das bloße Schießen: „Das Fernglas und nicht das Gewehr ist das wichtigste Werkzeug eines Jägers. Jäger müssen genau beobachten, aufmerksam sein und sich gut mit der heimischen Tierwelt auskennen“, sagt Garski.

Diese Eigenschaften sollen auch an die Kinder vermittelt werden. In Zeiten von Virtual Reality und Pokémon Go ist das laut Nicole Blomenkamp häufig auch eine Sache der Herangehensweise. „Viele rennen heutzutage durch die Gegend und fangen kleine, virtuelle Monster. Dabei haben wir echte kleine Monster, also unsere Waldtiere, direkt vor der Tür.“