Goldene Fußball-Zeiten

Martin Kleinwächter
Die Berzelius-Altherren-Fußballmannschaft im September 1972.
Die Berzelius-Altherren-Fußballmannschaft im September 1972.
Foto: WAZ

Huckingen.  Wo malocht wird, da ist im Ruhrgebiet auch der Fußball nicht weit, als Gegenstück sozusagen. Und da wundert es nicht, dass es auch in einem so großen Betrieb wie Berzelius in Wanheim schon immer Fußballfans gab. Dass es aber in besten Zeiten sechs Werksmannschaften gab, ist heute fast vergessen.

Aber nur fast, denn in ihrem früheren Clubheim zwischen Schulzentrum Biegerhof und Biegerpark, das mittlerweile an ei­nen Schäferhunde-Verein verpachtet ist, treffen sich die Ex-Fußballer bis heute jeden Mittwoch, um sich zu unterhalten. „Wir sind die letzte noch funktionierende Institution von Berzelius“, sagt Karl Kellermann (73), der von 1967 bis 1995 als Elektriker auf der Hütte gearbeitet hat. Die Ehemaligen sprechen immer von „Berzelius“, obwohl das Un­ternehmen zuletzt „M.I.M“- bzw. „Sudamin-Metallhütte Duisburg“ (MHD) hieß. Zu besten Zeiten, als bis zu 1400 Menschen auf der Zinkhütte ihr Auskommen fanden, sprach man jedenfalls von „Berzelius“.

Noch vor dem Zweiten Weltkrieg, da sind sich die Mannen um Klaus Laibold (61), den letzten Betriebsratsvorsitzenden der Hütte, einig, wurde der Sportplatz an der An­gerhauser Straße angelegt. „Hier war früher eine Ziegelei“, weiß Rolf Schilz (74), wie Karl Kellermann bis 1995 als Elektriker auf der Hütte tätig. Rudolf Jakob (77), der von 1953 bis 1994, zuletzt als Hüttenmeister, bei „Berzelius“ sein Geld verdient hat, steuert die Information bei, anfangs sei auf dem Platz Feldhockey gespielt worden. „1953 war ich das erste Mal hier“, erinnert er sich. Damals habe die Hütte eine Fußballmannschaft gehabt. Dann kam 1954 das „Wunder von Bern“, der erste deutsche WM-Titel, und der Fußball nahm auch auf der Hütte einen Aufschwung. In wenigen Jahren gab es sechs Fußballmannschaften, in jeder Abteilung des Werks eine. „Sogar die Verwaltung stellte eine Mannschaft“, wirft Hans Cremers (80) ein. „Die war gar nicht so schlecht.“ Cremers war von 1969 bis 1989 in der Betriebsabrechnung bei MHD tätig.

Gegeneinander traten diese Mannschaft an, wenn um den vom Betriebsrat gestifteten Pokal gespielt wurde. Ansonsten wurde montags und freitags nach Feierabend gegen andere Firmenteams gespielt, so gegen Teams von den Stadtwerken, von Lehnkering, den Didier-Werken, von Rheinstahl Wanheim, Mannesmann oder der Nordwest-Gebäudereinigung. Mittwochs war Training, daher auch die heutigen Mittwochs-Treffen. Die Trainer kamen entweder von außerhalb des Werks oder stammten, wie der frühere Bezirksvertreter Franz Raschke, der dem Betriebsrat angehörte, von der Hütte.

Bekannte Spieler anderer Vereine gaben sich als Altherren hier die Ehre. Wolfgang Voß (67), bis 2005 ebenfalls Elektriker bei MHD, nennt einige von ihnen: zum Beispiel Will Koll, Harry Frey, Manfred Wacker, Hans Lohmann und Paul Josten (alle vom Duisburger Spielverein), aber auch Hannes Bongartz, früher bei Wattenscheid 09. „Wir hatten immer einen Rasenplatz mit einer Aschenbahn drumherum“, so Voß weiter.

1969/70 war in Eigenleistung das Clubheim errichtet worden. An dieses Gemeinschaftserlebnis erinnern sich die alten Herren heute noch gerne zurück. Die Hütte übernahm die Materialkosten und stellte auch den hauptamtlichen Platzwart. Zuletzt, bis 2005, war das Klaus Laibold.

Bis dahin wurde auf dem reizvoll gelegenen Platz noch gespielt. Zeitweise, so berichten die Ex-Fußballer, trainierte der FC Rumeln hier, weil der eigene Platz in Homberg neu eingesät wurde. Und in den 90er Jahren gab es eine Kooperation mit dem benachbarten Mannesmann-Gymnasium. Die alten Herren durften im Winter in die dortige Sporthalle und die Schüler im Sommer auf den Platz.