Freie Fahrt für Radler in Einbahnstraßen

Martin Kleinwächter
Sobald Schilder wie hier in Mülheim stehen, dürfen Radfahrer Einbahnstraßen in Wedau und Bissingheim in beiden Richtungen befahren. 
Sobald Schilder wie hier in Mülheim stehen, dürfen Radfahrer Einbahnstraßen in Wedau und Bissingheim in beiden Richtungen befahren. 
Foto: WAZ FotoPool
In Wedau und Bissingheim dürfen sie bald Einbahnstraßen in beiden Richtungen befahren. Zuvor müssen die entsprechenden Schilder aufgestellt werden. Es fallen einige Parkplätze weg

Wedau/Bissingheim.  Sollen alle Einbahnstraßen in Wedau und noch zwei in Bissingheim dafür freigegeben werden, dass Radfahrer sie in gegenläufiger Fahrtrichtung befahren dürfen? Oder soll das nur auf drei Straßen begrenzt bleiben? Diese Fragen diskutierte die Bezirksvertretung Süd jetzt kontrovers und entschied sich am Ende mit großer Mehrheit für die große Lösung. Nur Hannelore Bange (parteilos) stimmte dagegen.

Sobald die entsprechende Beschilderung mit zugehörigen Bodenmarkierungen angebracht ist, können der Allensteiner Ring (zwischen Elbinger Straße und Graudenzer Ring), Am Fliederbusch, An den Linden, der Birkenweg, Im Grünen Winkel, die Rüsternstraße und Zur Wolfskuhl in Wedau, außerdem noch die Berglehne und der Finkenschlag in Bissingheim entgegen der Einbahnstraße von Radfahrern befahren werden.

Die Bezirksvertreter folgten damit einem Vorschlag der Stadtverwaltung. Sie selbst hatten die entsprechende Freigabe seinerzeit lediglich für einzelne Abschnitte der beiden Straßen in Bissingheim sowie für An den Linden, Zur Wolfskuhl und die Rüsternstraße in Wedau gefordert.

Aber nur Hannelore Bange wollte es jetzt dabei bewenden lassen. „Was hier vorgeschlagen wird, ist wie eine Ideologie, indem jetzt alle Straßen in Alt-Wedau dafür freigegeben werden“, erklärte sie. Das sei aber unsinnig. Denn durch die heutige Regelung komme es nicht zu großen Umwegen für Radler. Vielmehr entstünden jetzt nur zusätzliche Kosten. Und an den Einmündungen entfielen Parkplätze für Anwohner. Denn für die nötige Verkehrssicherheit der gegenläufigen Radfahrer müssen die Einmündungen künftig gut einsehbar sein.

Michael Kleine-Möllhoff (Grüne) stimmte zwar der Einschätzung Banges zu, dass damit die reine Lehre umgesetzt werde. „Der Gesetzgeber will es aber so“, fuhr er fort. Wenn es keinen Grund gebe, dürften die Radfahrer nicht behindert, nämlich zu Umwegen gezwungen, werden. Der Wegfall einiger Parkplätze aus Sicherheitsgründen sei dem gegenüber hinnehmbar.

„Ich stimme so zu“, befand Beate Lieske (SPD). Sie erinnerte daran, dass der entsprechende Antrag für Bissingheim sechs Jahre alt sei. Sie habe mit vielen Bürgern gesprochen. Die begrüßten die neue Regelung.

„Es ist eine Kann-Regelung im Gesetz“, hielt Hannelore Bange weiter dagegen. Nur im Fall einer Klage sei juristisch relevant, ob die Stadt die jeweilige Straße hätte freigeben müssen. Schließlich gab sie den Hinweis, selbst der SPD-Ortsverein Wedau sei gegen die Freigabe in diesem Umfang.

„Die Autos dürfen schon heute an den Einmündungen gar nicht stehen“, erwiderte Hartmut Ploum (SPD). „Diesmal erhalten eben die Radfahrer mal den Vorrang.“ Durch Autofahrer, die dadurch für Radfahrer anhalten müssten, werde zwar mehr Kohlendioxid freigesetzt. Aber: „Vielleicht steigen ja einige Autofahrer um.“