Familienbetrieb will durchhalten

Gabriele Beautemps
Wie in alten Zeiten: die Ladeneinrichtung der Bäckerei Brockerhoff: und die selbst hergestellten Backwaren.
Wie in alten Zeiten: die Ladeneinrichtung der Bäckerei Brockerhoff: und die selbst hergestellten Backwaren.
Foto: WAZ-Fotopool

Duisburg-Huckingen. Die Ladeneinrichtung wollten ihm bereits ein paar Leute abkaufen. „Kommt nicht in Frage. Die Kunden mögen das. Und damit unterscheiden wir uns von den Ketten“, lehnte Peter Ernenputsch dankend ab. Die Bäckerei an der Düsseldorfer Landstraße könnte man glatt im Museum aufbauen. Die hölzernen Ladentheke, der blank geschrubbte Fliesenboden, dazu die eiserne Registrierkasse zeugen vom Stil der 50er Jahre.

Allerdings würde dem Museumsbesucher der köstliche Duft frischer Backwaren entgehen. Was schade wäre, denn die Bäckerei Brockerhoff ist einer von drei verbliebenen Betrieben im Duisburger Süden, die noch selbst backen. Die kleinen Läden müssen sich gegen Großbetriebe und Backautomaten in Supermärkten behaupten. Täglich schließt im Bundesgebiet eine Bäckerei.

Peter und Richard Ernenputsch wollen noch eine Zeit durchhalten. Wenigstens müssen sie keine Miete bezahlen. Das Haus an der Düsseldorfer Landstraße 306, in dem sich Ladenlokal und Backstube befinden, ist in Familienbesitz. Opa Peter Brockerhoff hat das Geschäft 1861 gegründet, anschließend hat der Schwiegersohn den Laden übernommen. „Damit sind wir wahrscheinlich eine der ältesten Bäckereien Duisburgs“, meint der Enkel.

„Solide Handwerksqualität ist zum Glück noch gefragt, jedenfalls hier in Huckingen“, sagt Peter Ernenputsch. Im Norden der Stadt würde man wahrscheinlich nicht mehr existieren, so glaubt er. Denn mit den Preisen der Discounter können die selbstständigen Bäcker nicht konkurrieren.

Die Brüder setzen den Brotteig mit Wasser, Mehl und Sauerteig an. „Das braucht seine Zeit“. Dafür halte das Brot aber viel länger frisch.

Ihr Arbeitstag in der Backstube beginnt nachts gegen 4 Uhr. Eine Knetmaschine walkt den Teig durch, die Brote und Brötchen werden von Hand geformt. Mit ihren sechs Meter langen Partybroten, die auch an die Gastronomie,etwa in Kaiserswerth, geliefert werden, hat sich der Betrieb ein weiteres Geschäftsfeld erschlossen.

Woran erkennt man denn den Unterschied zwischen einem industriell gefertigten Brötchen und einem Brötchen, das der Bäcker in Handarbeit herstellt? Ernenputsch: „Jedes unserer Brötchen hat einen Charakter“. Mal abgesehen von solchen Äußerlichkeiten gibt es weitere Unterschiede. Brote aus der Huckinger Backstube enthalten nach Auskunft des Chefs drei Zusatzstoffe, die industriell hergestellten 14 Stück. So werde der Teig der Industrieprodukte mit Hilfe von Enzymen elastisch gemacht, damit er die empfindlichen Maschinen nicht blockiert.