Ein wortgewaltiger Auftritt von Jochen Malmsheimer

Kein Mann der wenigen Worte: Das Publikum bei der Klinikkultur war von Jochen Malmsheimer begeistert.
Kein Mann der wenigen Worte: Das Publikum bei der Klinikkultur war von Jochen Malmsheimer begeistert.

Buchholz..  Aussprechen kann den Titel des Programms sicher nur er selbst. Aber das ist am Freitag Abend völlig egal. Mit „Ermpftschnuggn trødå! - hinterm Staunen kauert die Frappanz“ begeistert Jochen Malmsheimer das Publikum bei der Klinikkultur in der Unfallklinik in Buchholz.

Begrüßung oder Keulenschlag

„Ermpftschnuggn trødå! klärt Malmsheimer dann doch auf, stamme aus der Altsteinzeit und bedeutet „eine beschwichtigend gemeinte Begrüßung, könnte bei falscher Aussprache aber auch tödliche Keulenschläge zur Folge haben“. Dann nimmt er sein Publikum wortgewaltig mit in die Entwicklung der deutschen Sprache und in die Welt der Missverständnisse.

Jochen Malmsheimer erzählt von Alltäglichem, zum Beispiel der Pubertät seiner beiden Söhne und der damit verbundenen Probleme: „Dem Würgegriff der eigenen Körperchemie“ oder der Frage, wann man sein Kind loslassen sollte: „Lässt man sein Kind zu früh los, fällt es vom Wickeltisch. Lässt man es zu spät los, wohnt es zu Hause bis zur Rente - wohlgemerkt der eigenen“. Er beschreibt das in kunstvoll verschachtelten Sätzen, bei denen die volle Konzentration gefragt ist.

Aber Malmsheimer ist nicht nur ein Meister der Schachtelsätze. Eindrucksvoll zeigt er, das auch seine Gestik urkomisch sein kann. Wenn er ganz ohne Worte „die sieben Durchläufe des Wassers“ vom trinken bis hin zum Wasserlassen beschreibt. Man kommt aus dem Lachen nicht mehr heraus wenn er den „Beginn der Wanderbewegung des Haupthaares“ beim Mann um die 50 beschreibt. „In ausgedehnte Höhlensysteme“, so Malmsheimer, „flieht das Haupthaar, um an Stellen wieder in Erscheinung zu treten, die ich bis dato nicht kannte.“

Immer wieder gibt es politische Spitzen: „Was genau von meiner Freiheit wird am Hindukusch verteidigt?“, fragt er, um dann noch auf den Wahnsinn der NSU-Morde einzugehen. Dabei benutzt er für seine Verhältnisse wenige, aber sehr eindringliche Worte, wenn er sein Unverständnis dafür äußert, warum es so lange gedauert habe, um die Täter zu fassen.

In der Pause ist bereits große Begeisterung zu hören. „Bis jetzt gefällt es mir sehr gut“, so Ulrich Borsch aus Rheinhausen. „Malmsheimer ist toll.“ Das Spiel mit der Sprache beherrscht der ehemalige Buchhändler, wie kaum ein anderer. Helga Lommerthin (84) aus dem Duisburger Süden ist begeistert von Malmsheimer: „Ich kannte ihn nicht und habe die Karten geschenkt bekommen. Die Wortgewaltigkeit war beeindruckend und mir fiel dabei erst auf, wie viele Wörter wir überhaupt haben.“

 
 

EURE FAVORITEN

Warum sich die Polizei bei Fahndungen nicht direkt an die Öffentlichkeit wendet

Öffentlichkeitsfahndungen: Annika Koenig, Sprecherin der Polizei Essen, erklärt unter welchen Umständen die Polizei sich bei der Suche nach Tatverdächtigen oder Vermissten an die Bürger wendet.
Mi, 19.09.2018, 16.32 Uhr

Öffentlichkeitsfahndungen: Annika Koenig, Sprecherin der Polizei Essen, erklärt unter welchen Umständen die Polizei sich bei der Suche nach Tatverdächtigen oder Vermissten an die Bürger wendet.

Beschreibung anzeigen