Ein Team in Kirche und Küche

Das Pfarrer-Ehepaar Sawatzki in seiner Kirche Am See: auch nach 25 Jahren  noch voller Ideen und Energie.
Das Pfarrer-Ehepaar Sawatzki in seiner Kirche Am See: auch nach 25 Jahren noch voller Ideen und Energie.
Foto: Fabian Strauch
Ute und Dirk Sawatzki wurden vor 25 Jahren ordiniert. Ursprünglich teilten sie sich die Pfarrstelle, um Beruf und Familie zu vereinbaren.

Wedau.  Vor genau 25 Jahren, am 24. Februar 1991, wurden Ute und Dirk Sawatzki ordiniert. Sie teilen sich in der Evangelischen Gemeinde Am See eine Pfarrstelle.

Vereinbarkeit von Beruf und Familie - auch Pfarrer stehen vor diesem Problem. Dirk und Ute Sawatzki lösten die Aufgabe gemeinschaftlich. Um sich um ihre drei Kinder zu kümmern, haben sie sich eine Stelle geteilt, Alice Schwarzer hätte das bestimmt gefallen.

Im ersten Jahr in Wedau übernahm Dirk Sawatzki Haushalt und Kinderbetreuung - was vor 25 Jahren ausgesprochen fortschrittlich war. Nach der Geburt des zweiten Kindes teilten sich die Eheleute die Stelle ihre Vorgängers Pfarrer Saueressig.

Keine Konkurrenz untereinander

Die beiden, so scheint es, sind ein gutes Team. „Wichtig ist, dass man nicht in Konkurrenz zueinander steht“, sagt Ute Sawatzki. „Wenn ein junges Paar von meinem Mann getraut werden will, bin ich nicht beleidigt“, nennt sie ein konkretes Beispiel. „Die jungen Leute, die heiraten wollen, waren bei mir der Jugendgruppe, die kennen mich seit Jahren“, nennt Dirk Sawatzki den Grund. Es habe also nichts damit zu tun, dass einer seinen Job besser mache als der andere.

Die Sawatzkis kennen sich bereits seit der Schulzeit in Essen, studierten gemeinsam, heirateten und wurden Pfarrer. „Wir konnten immer schon gut zusammen sein. Wir haben nicht das Gefühl, dass einer den anderen einengt“, sagt die Pfarrerin, selbst übrigens Pfarrers-Tochter.

Dennoch hat jeder eigene Bereiche aufgebaut, in die sich der andere nicht einmischt. Gemeinsam haben sie die starre Form des Gottesdienstes augelöst, viele Gruppen aus der Gemeinde einbezogen.

Bei den Gottesdiensten wechseln sie sich ab. Jede Predigt wird zuvor vom anderen gegengelesen. „Wir sind unsere schärfsten Kritiker“, sagen die beiden unisono. Wobei jeder bereit ist, Kritik des anderen anzunehmen. Ein Beispiel: „Den letzten Absatz kannst du streichen, das hast du oben schon gesagt.“ Wahrscheinlich bekommt die Gemeinde die Wiederholung am Sonntag nicht zu hören.

Kirche und Predigtkultur haben sich in den letzten 25 Jahren stark verändert. „Es gibt keine moralischen Appelle mehr. Es wird mehr erzählt, weniger theoretisiert“, sagt Ute Sawatzki, die „nebenbei“ Examenspredigten redigiert. Und natürlich lerne man selbst ständig dazu. „Vor 25 Jahren, als wir frisch von der Uni kamen, hatten wir das Bedürfnis, alles was wir wussten, der Gemeinde mitzuteilen“.

1991 gab es noch sieben feste Stellen in der Gemeinde, allein zwei für Küster. Jetzt gibt es noch eine Pfarrstelle und ein paar Stunden für die Kirchenmusik. „Ohne Ehrenamtliche ginge es gar nicht“, sagen die „halben“ Pfarrer. Sie selbst leisten viele Stunden ohne Bezahlung: „Im Prinzip arbeiten wir beide Vollzeit“. Dennoch sagt Ute Sawatzki: „Der Beruf ist wunderbar. Und er macht so richtig Spaß, wenn man nicht nur die Pflichtaufgaben macht.“ Ihr Mann stimmt zu.

Die Kinder sind mittlerweile aus dem Haus, an ein Ende der Arbeitsteilung denkt das Pfarrer-Ehepaar im Moment trotzdem nicht.

 
 

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