Ein Bestseller im Huckinger Wohnzimmertheater

Mit Gestik und Mimik haucht  Regina Neumann
Mit Gestik und Mimik haucht Regina Neumann
Foto: Fabian Strauch
Regina Neumann und Helmut Thiele bringen „Gut gegen Nordwind“ mit viel Mimik und Gestik auf die Bühne. Im nächsten Jahr will das Paar den Folgeroman vortragen .

Huckingen..  Ein falscher Buchstabe, und schon landet Emmi Rothners E-Mail, mit der sie eigentlich ein Zeitschriften-Abonnement kündigen wollte, versehentlich bei Leo Leike. So entwickelt sich der E-Mail-Kontakt und wird schließlich zu einer E-Mail-Romanze. Das ist die Kurzfassung des Bestsellers „Gut gegen Nordwind“ des österreichischen Schriftstellers Daniel Glattauer.

Das Schauspielerpaar Helmut Thiele und Regina Neumann brachte den E-Mail-Austausch am vergangenen Donnerstagabend auf die Bühne. Vor achtzig Leuten lasen sie die Bühnenfassung im ausverkauften Wohnzimmer im Steinhof vor.

„Ich habe das Buch damals zu Weihnachten bekommen und dachte: Daraus können wir doch was machen“, erzählt Regina Neumann. Im September 2012 war die Erstaufführung, nun sind sie das erste Mal zur Vorstellung in Duisburg.

Die beiden Schauspieler sitzen jeweils auf einem Stuhl an einem Tisch, sie schauen sich während der ganzen Vorstellung nicht an. Vor sich haben sie ihre Texte liegen und tragen sie szenisch gelesen vor. „Auch wenn man einen Zettel vor Augen hat, spielt man eine Rolle“, sagt Regina Neumann. Während des Stücks verwenden die beiden Schauspieler jegliche Form von Gestik, die ihnen möglich ist, um ihre Worte mit Leben zu füllen.

Die einzigen Requisiten sind zwei Flaschen Wein und Gläser, die Szenen verdeutlichen, in denen die Charaktere betrunken sind. Besonders die Sprechweise der Schauspieler in diesen Momenten sorgt für amüsiertes Gelächter bei den Zuschauern. „Sie machen das sehr gut. Das Buch ist aber auch super. Ich wollte beim Lesen immer schon vorblättern, um zu wissen, wie es weitergeht“, gesteht die Rheinhauserin Kristiane Lohmann.

Doch wie finden Regina Neumann und Helmut Thiele selbst eigentlich das Buch? „Das ist ein Boulevardstück mit Hintergrund“, sagt Thiele. „Glattauer hat endlich eine kluge, witzige, gefühlvolle Frauenrolle kreiert“, fügt Regina Neumann hinzu und bezieht sich damit auf ihren Teil des Stücks.

Den meisten Zuhörern am Donnerstagabend ist das Buch bekannt, doch auch als Nichtleser kann man der Handlung wunderbar folgen. Nachdem sich die beiden Charaktere zunächst nur oberflächlich ausfragen, wird es nach einigen E-Mails schon intimer: „Schreiben ist wie Küssen, nur ohne Lippen. Schreiben ist wie Küssen mit dem Kopf“, schreibt Leo, um seine Hingabe zu Emmi auszudrücken.

Das große Problem in Leos und Emmis E-Mail Austausch: Emmi ist verheiratet. Doch wie die ganze Geschichte ausgeht, erfährt man erst im Folgeroman: „Alle Sieben Wellen“ heißt er. Den will das Ehepaar Thiele und Neumann im nächsten Jahr im Steinhof vortragen.

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