Ein Ausflug in die Vergangenheit

Ehemalige Englische Soldaten v. Wanheimer Kaserne trafen sich am 17.09.2011 in der Gaststätte Noy in Duisburg-Wanheimerort. Foto: Hayrettin Özcan / WAZ FotoPool
Ehemalige Englische Soldaten v. Wanheimer Kaserne trafen sich am 17.09.2011 in der Gaststätte Noy in Duisburg-Wanheimerort. Foto: Hayrettin Özcan / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool

Wanheim..  Extra aus England sind einige ehemalige Soldaten zu einem Treffen nach Duisburg gekommen. Und alle haben eins gemeinsam: Sie arbeiteten in den „Glamorgan Barracks“, auch genannt „Alte Flak Kaserne“, beim Royal Corps of Transport (beim Transportregiment).

Manchen hat es in Duisburg so gut gefallen, dass sie blieben, viele lernten hier ihre Frauen kennen. Jeder gehört dazu auf der Duisburg Reunion, aber jeder hat eine andere Geschichte. „Wir mussten Manöver fahren, haben zum Beispiel Verpflegung an die Soldaten gebracht“, erklärt Ron Maley, der 1973 das erste Mal nach Deutschland kam und seit 1987 als „Zivilist“, wie er es ausdrückt, lebt.

„In unserer Zeit war der Kalte Krieg noch. Wir haben geübt –für den Ernstfall“, erklärt er. In seiner Zeit als Soldat war er auch in Nordirland stationiert. „Dort haben wir den Hass zwischen zwei Religionen erlebt“, so Maley und ergänzt: „Der ist immer noch ein bisschen da.“ In Irland haben die Soldaten aufgepasst, dass die Leute sich nicht gegenseitig umbringen. „Wir waren ein bisschen wie die Polizei“, sagt er.

In einer Kneipe an der Wanheimerstraße hat er seine Frau kennengelernt, ihre Kinder sind zweisprachig aufgewachsen. Rons Frau arbeitet für die Stadt, ein Sohn ist IT-Spezialist, die Tochter seit kurzem ausgebildete Krankenschwester. Eine Verbindung zum Militär gibt es immer noch: der andere Sohn des 56-Jährigen arbeitet in Mönchengladbach beim Militär. Dort, beim Joint-Headquarters (JHQ), einem militärischen Stützpunkt, ist nun auch Rons Arbeitsplatz. „Ich arbeite dort als Disponent. Bestelle Fahrzeuge und gebe Aufträge.“ Terry Byrne war der letzte Mann in der ehemaligen Kaserne, derjenige der die Schlüssel abgegeben hat. Das Eingangstor der alten Kaserne wurde später abgebaut. Jetzt ist es in England, in Abingdon. Dort steht das Tor von 1937 als Denkmal.

Gebannt gucken die rund 60 ehemaligen Soldaten auf eine Leinwand, sehen sich dort als junge Männer, in Uniform, mit Mützen. Michael McDonald war von 1973 bis 1976 in Duisburg stationiert. „Ich habe meine Frau kennengelernt. Dann bin ich direkt hiergeblieben“, so McDonald, der ursprünglich aus Schottland kommt.

Sprachprobleme

Probleme gab es allerdings bei der Sprache, Michaels Frau Marianne konnte kein Englisch, er kein Deutsch. „Wir haben uns mit Händen und Füßen verständigt“, erklärt Marianne. Um sich auszutauschen, haben die beiden auch Zettel geschrieben – sie auf Deutsch, er auf Englisch.

Kennengelernt haben sie sich in einer Disco, „durch meine ehemalige Freundin“, schmunzelt Michael McDonald. Seine Zeit als Soldat empfand er als bescheiden. „Ich bin direkt nach Irland gegangen. Der Glaubenskrieg existiert heute immer noch“, so der 57-Jährige. Auch Peter Hull hat seine Frau in Duisburg kennengelernt. Gemeinsam sind sie nach England gegangen, wo er sein Studium als Designer beendete. 1995 sind sie dann zurückgekommen. „Meine Frau hatte Heimweh“, erklärt der 42-Jährige. Er war von 1986 bis 1990 in Duisburg stationiert, hat den Stalwart, die Tonner, die Jeeps oder Pigs gefahren. „Wir haben auch für einen Biokrieg geübt – mit Gasmasken.“

Hull erlebte am 3. Juli 1988 aber auch den Anschlag der Provisional Irish Republican Army (IRA) auf die Kaserne. „Danach wurde die Sicherheit auf Schwarz gestuft. Wir durften das Gelände zwar verlassen, aber die Stammkneipen waren tabu.“ Auch in der Clique durften die Soldaten sich nicht mehr versammeln – das war zu gefährlich.„Wenn es militärische Präsenz gibt, hat immer jemand ein Problem damit“, meint Hull, „wie heute in Afghanistan.“

Vorstellen nach England zurückzugehen, kann sich Hull nicht: „Da ist nichts für meine Jungs.“ Ihm gefalle auch, dass die Leute in Duisburg so bodenständig sind, dass die Industrie mit der in seinem Heimatort vergleichbar sei. Chad Gibbons war 36 Jahre Soldat. Er lebt heute in Gloucestershire. Er arbeitete im Service. „Changing the oil“, erklärt er. Der 68-Jährige erzählt, dass man höhere Renten bekomme, je länger man diene. Und betont: „Whether you are sick or not, the army pays you.” - Egal, ob du krank bist oder nicht, die Armee bezahlt dich.

 
 

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