Duisburger Geisterbahnhof Angerbogen gammelt vor sich hin

An der U-Bahn-Station Angerbogen hat in den 39 Jahren ihrer  Existenz noch kein Zug  planmäßig gehalten. Auch in naher Zukunft wird der Geisterbahnhof nicht in Betrieb gehen.
An der U-Bahn-Station Angerbogen hat in den 39 Jahren ihrer Existenz noch kein Zug planmäßig gehalten. Auch in naher Zukunft wird der Geisterbahnhof nicht in Betrieb gehen.
Foto: WAZ FotoPool
Vor vierzig Jahren wurde im Duisburger Stadtteil Huckingen der U-Bahnhof "Angerbogen" fertiggestellt. Doch in Betrieb genommen wurde er nie. Sowohl für eine Inbetriebnahme als auch für einen Rückbau fehlt das Geld. Und so gammelt der Bahnhof weiter vor sich hin und wird von Vandalismus geplagt.

Duisburg-Huckingen.. Wer seine Einkäufe auf dem Parkplatz des Edeka-Markts im Kofferraum verstaut, hat ihn vor Augen, ebenso wie diejenigen, die den Steinhof besuchen und die Anwohner sowieso. Seit fast 40 Jahren leben die Huckinger mit dem „Geisterbahnhof“ Angerbogen. Dort hat nie ein Zug gehalten, das wird auch in naher Zukunft nicht passieren.

Denn es ist weder geplant, den Bahnhof in Betrieb zu nehmen, noch steht zur Debatte, ihn zurückzubauen - wie bereits öfter von politischer Seite gefordert. „Beides wäre viel zu teuer“, erklärt Georg Puhe vom Amt für Stadtentwicklung auf Anfrage der Redaktion. Die Huckinger werden also weiterhin mit der hässlichen Altlast vorlieb nehmen müssen.

Auf Vorrat gebaut

Der Bahnhof wurde sozusagen „auf Vorrat“ gebaut. In der Euphorie der 70er Jahre plante die Stadt in Huckingen eine Trabantensiedlung für 20.000 Menschen. Hochhäuser auf der grünen Wiese, kreisförmig angelegt rund um drei Seen zwischen Alter Anger und Hermann-Spiellecke-Straße. Je 3000 Wohnungen wollten Mannesmann und die Stadt errichten. All diese Menschen sollten die U-79 zwischen Düsseldorf und Duisburg nutzen können. Dazu der Bahnhof direkt vor der Haustür.

Um die Fördermittel für den Bau der Bahnhöfe Angerbogen und Kesselsberg zu bekommen, musste die Stadt zusichern, innerhalb von fünf Jahren mit dem Bau der neuen Siedlung zu beginnen.

"Eine Hochhaus-Siedlung ist kein Thema mehr"

Die Trabantenstadt ist Huckingen erspart geblieben. Mannesmann zog sich aus dem Projekt zurück, dann gab es auch noch „planungsrechtliche“ Schwierigkeiten. Die bei­den Hoch-Bahnhöfe wurden dagegen 1974 fertiggestellt.

Längst haben die Stadtplaner ihre Strategie geändert. „Eine Hochhaus-Siedlung ist kein Thema mehr“, so Puhe. Stattdessen sollen weitere Einfamlienhäuser entstehen. Dabei hat man den Zuzug zahlungskräftiger Familien im Blick, nicht zuletzt aus Düsseldorf, wo die Immobilienpreise um einiges höher liegen. Diese „hochwertige“ Bebauung existiert bislang nur auf dem Papier, als Vorbereitung für den neuen Flächennutzungsplan, den der Rat noch verabschieden muss.

Für Verschönerungsmaßnahmen fehlt das Geld

Die U-Bahn-Station, die 10,5 Millionen Euro gekostet haben soll, gammelt unterdessen weiter vor sich hin. Graffiti-Sprayer haben sich Zugang verschafft, wahrscheinlich sind sie unerlaubter Weise über die Gleise vom Bahnhof St.-Anna-Krankenhaus oder Kesselsberg in die Station eingestiegen.

Denn der Bahnhof ist durch hohe Gittertore abgesperrt. Der Schlüssel dazu liegt im Stadtbahnbauamt, das die Station regelmäßig überprüft. „Wir müssen die Sicherheit gewährleisten“, so Puhe. Aufgaben, deren Erledigung über fast vier Jahrzehnte viel Geld gekostet hat.

Für Verschönerungsmaßnahmen bleibt kein Geld. Ästheten hatten angeregt, die klotzigen Betonsäulen und die schäbige, gebliche Überdachung mit Lichtinstallationen oder Begrünung etwas ansehnlicher zu gestalten.

 
 

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