Duisburger Arzt hilft Brandopfern in Eritrea

Buchholz. Dr. med. Franz Jostkleigrewe ist aus Eri­trea zurückgekehrt. Statt sich zwei Wochen lang an den Strand zu legen, hat der Mediziner in einem der ärmsten Länder der Welt brandverletzte Kinder operiert.

59 Operationen in zwei Wochen - dabei hätte der Chefarzt der Abteilung Handchirurgie, Plastische Chirurgie und Brandverletzte an der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik (BGU) eine Auszeit sicher redlich verdient. Doch einen Teil seines Urlaubs dafür einzusetzen, schwerverletzten Kindern in dem ostafrikanischen Entwicklungsland zu helfen, hält er für selbstverständlich. „Das ist kein Opfer, sondern eine Bereicherung“, sagt der Chirurg und möchte viel lieber über seine kleinen Patienten als über sein eigenes Engagement sprechen.

„Es ist unglaublich, wie hart im Nehmen die Menschen dort sind. Ein Westeuropäer würde das gar nicht überstehen“, sagt der Spezialist. Zum Beispiel die kleine Mehret. Ihr Nylonkleid hatte an der offenen Feuerstelle in der elterliche Hütte Feuer gefangen, das Mädchen erlitt schwerste Brandverletzungen am ganzen Körper. Trotzdem war die Siebenjährige aus einem kleinen Dorf in der Savanne drei Tage lang auf den Beinen, ehe sie Hilfe im Zentrum für brandverletzte Kinder in der Hauptstadt As­mara fand.

Seit fünf Jahren operiert Dr. Jostkleigrewe einmal im Jahr mit einem kleinen Team dort. Mit dabei sind seine Ehefrau, die ebenfalls als Ärztin arbeitet, zwei weitere Mediziner und zwei Schwestern aus der Duisburger BGU. Die Ope­rationsbedingungen und vor allem die hygienischen Vo­raussetzungen waren anfangs katastrophal. „Dabei war die Klinikkatze noch das kleinste Problem. Die hat wenigstens die Kakerlaken und Mäuse in Schach gehalten“, so der Facharzt.

2008 wurde aus Spendengeldern des Hammer Forums ein neues kleines Operationszentrum errichtet. Im Hammer Fo­rum haben sich seit 1991 Me­diziner und andere engagierte Menschen zusammengeschlossen, um Kindern in Krisengebieten zu helfen. Ein Arzt der ersten Stunde dort ist Dr. Karl-Adolf Brandt, ehemals Chefarzt an der BGU Duisburg. Er hat das Krankenhaus in Eritrea maßgeblich mit aufgebaut hat und operiert dort auch immer noch.

„Die Arbeit macht große Freude“, sagt Dr. Jostkleigrewe, der Nachfolger Brandts in der BGU. Vor allem wenn er sieht, dass das kleine, an den Beinen verletzte Mädchen, das er im Februar 2009 operiert hat, ein Jahr später an der Hand seines Beduinen-Papas daherspaziert.

Viele Patienten müssen noch einmal nachoperiert und dazu ein Jahr später einbestellt werden. „Es ist ganz erstaunlich, dass das klappt“, so der Duisburger Arzt. Denn viele Eritreer sind nicht sesshaft und le­ben ohne Kalender. Sie müssen oft tagelange Anreisen in Kauf nehmen und erst einmal ein Huhn verkaufen, um überhaupt das Busticket bezahlen zu können. Aber die Behandlung durch die deutschen Ex­perten ist ihre einzige Chance. Nur so besteht die Hoffnung, dass ihre Kinder ihre nach drittgradigen Verbrennungen grausam verwachsenen Hände jemals wieder bewegen können.

Verbrennungen gehören in der Dritten Welt zu den häufigsten Verletzungen. Die Men­schen leben in engen Hütten. Gerade kleine Kinder stolpern immer wieder ins offene Feuer oder stoßen die Kerosinlampen um. Mittlerweile ist die technische Ausrüstung des kleinen Operationszentrums so gut, dass auch Patienten behandelt werden können, deren Hautfläche zu 40 Prozent verbrannt ist.

Die Kinder liegen in Vierbett-Zimmern - ein absoluter Luxus für eritreische Verhältnisse. Ein­zelzimmer werden nicht gebraucht. Die würden sogar als Strafe empfunden, weil die Kinder die enge Gemeinschaft mit anderen gewohnt sind. Für die Angehörigen, die die Kinder pflegen und sie mit Essen versorgen, wurden Matratzen angeschafft. Zuvor schliefen die Eltern oder Geschwister mit im Bett der frisch operierten Patienten.

Im Juni schickt das Hammer Forum den nächsten Container nach Eritrea, bestückt mit Verbandsmaterial, Medikamenten, Operationsbesteck und Kuscheltieren für die Kinder. Auch die BGU engagiert sich. Als im Rahmen des um­fangreichen Umbaus die alte OP-Ausrüstung ausgemustert wurde, ging ein Teil davon nach Eritrea.

Dr. Jostkleigrewe und sein Team operieren nicht nur, sie bilden auch die einheimischen Pfleger und Ärzte aus. In der Hoffnung. dass diese der Klinik möglichst lange erhalten bleiben. Denn gerade die qualifizierten Leute wandern aus, zumal sie im Heimatland sehr schlecht bezahlt werden. Es gibt also weiterhin viel zu tun. Das BGU-Team ist im nächsten Februar wieder im Einsatz.

 
 

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