Diebe plündern 20 Gräber in Buchholz

Stefan Rebein
Auf dem Friedhof an der Sittardsberger Allee Duisburg-Buchholz wurden 20 Bronze-Schalen gestohlen. Foto: Hayrettin Özcan
Auf dem Friedhof an der Sittardsberger Allee Duisburg-Buchholz wurden 20 Bronze-Schalen gestohlen. Foto: Hayrettin Özcan
Foto: WAZ FotoPool
Nun hat es auch den kleinen Friedhof in Duisburg-Buchholz erwischt. Metalldiebe klauten bronzene Blumenschalen von den Ruhestätten. Bislang wurden nur zwei Anzeigen erstattet.

Buchholz. Geht man als Besucher die breite Baumallee des Friedhofs an der Sittardsberger Allee entlang, vermutet man kaum ein Verbrechen. Doch nun ist es hier passiert. Grabräuber haben zugeschlagen. Bis zu 20 Ruhestätten haben sie geplündert.

Caroline Weinrich-Engeln ist bestürzt. Am vergangenen Wochenende haben sich Unbekannte am Grab ihres Vaters zu schaffen gemacht. Jetzt fehlt eine wertvolle Grabschale aus Bronze. Die Diebe haben sie mitsamt der schweren Granitplatte entwendet. Nur die Blumen, die sich in dem Gefäß befunden haben, haben die Kriminellen zurückgelassen. Vor 31 Jahren hatte die Grundschullehrerin 1630 DM dafür bezahlt. Doch um diesen Wertverlust geht es der 57-Jährigen gar nicht. Vielmehr beunruhigt sie, dass der Raubzug gänzlich unbemerkt blieb. „Mich verunsichert die Tatsache, dass weder Anwohner noch Friedhofsbesucher etwas beobachtet haben“, sagt die Geschädigte.

Buchholz zum ersten Mal betroffen

Der Beutezug der Friedhofsdiebe muss gedauert haben. Laut Peter van de Wetering, Arbeitsgruppenleiter für Friedhöfe, haben sie sich an 20 Gräbern zu schaffen gemacht. Einige Grabesgegenstände ließen sich zudem nur mit schwerem Gerät von dem Untergrund lösen. „Das muss doch Lärm verursacht haben“, meint die Grundschullehrerin. Auch der Abtransport der geklauten Schalen hätte doch irgendwem auffallen müssen, meint die Friedhofsbesucherin. Doch Hinweise auf die Täter sind bislang nicht eingegangen.

Die Diebe dingfest zu machen, scheint ohnehin fast unmöglich. „Diebstahl und Vandalismus stehen wir sehr hilflos gegenüber“, sagt van de Wetering. Zwar nähmen die Friedhofsgärtner regelmäßig Kontrollgänge wahr, doch sie könnten die großen Areale nicht permanent überwachen. Schon gar nicht in der Nacht oder am Wochenende. In dieser Zeit schlagen die Metalldiebe auf den Duisburger Friedhöfen am liebsten zu. In jüngerer Vergangenheit konnte die Polizei bisher nur einen Friedhofsdieb fassen. Dank eines Hinweises aus der Bevölkerung fassten die Beamten einen Grabräuber einer Bande in Neudorf. „Doch das ist die Ausnahme“, betont der Leiter der südlichen Friedhöfe in Duisburg.

Dass eine organisierte Bande nun auch die vergleichsweise überschaubare Friedhofsanlage in Buchholz ins Visier genommen hat, ist neu. Ihre Grabesstätten waren vor unerwünschten Langfingern bisher immer verschont geblieben. Caroline Weinrich-Engeln kann sich mit dem Gedanken an weitere Beutezüge nicht anfreunden. Die einzige Möglichkeit, die ihr blieb, war es, die Räuber anzuzeigen. Dafür musste sie nicht mal eine Polizeiwache aufsuchen. „Bei der Friedhofsverwaltung konnte ich direkt Anzeige erstatten“, erklärt die Geschädigte. In nur 20 Minuten war sie damit fertig. Sie hält dies für eine gute Lösung. „Was soll sich die Polizei damit herumschlagen?“ Die hätten schließlich Wichtigeres zu tun.

Nicht die Aussichten auf einen Fahndungserfolg haben sie zu diesem Schritt veranlasst. Die Buchholzerin will ihre Mitmenschen aufrütteln. Denn von den 20 betroffenen Familien, deren Gräber geplündert worden sind, haben lediglich sie und eine weitere Person den Diebstahl gemeldet. „Schade, dass sich die Mitmenschen in unserer Gesellschaft gegen ein solches Verhalten nicht wehren“, meint die 57-jährige Pädagogin. Damit sende man genau die falschen Signale aus, ganz nach dem Motto: „Ich bin damit einverstanden. Ihr könnt ruhig so weitermachen.“ Die Lehrerin hält das für gefährlich und falsch.

Betroffene sollten Anzeige erstatten

Auch van de Wetering sieht eine Anzeige als einzige Möglichkeit, um Diebe abzuschrecken. Und er ermuntert sowohl Friedhofsbesucher als auch Anlieger dazu, genauer hinzusehen, was sich zwischen den Gräbern abspielt. „Wenn jemandem etwas auffällt, sollte er umgehend die Polizei verständigen.“