Die Schaufensterkrankheit

Das  Herz-Kreislauf-Modell eines Menschen. Foto: Heiko Kempken/WAZ-FotoPool
Das Herz-Kreislauf-Modell eines Menschen. Foto: Heiko Kempken/WAZ-FotoPool
Foto: Heiko Kempken / WAZ FotoPool

Bissingheim.  Es ist brechend voll in dem kleinen Raum des DRK-Nachbarschaftstreffs. Knapp 30 Zuhörer sind gekommen, um den Vortrag zu hören, der heute auf dem Programm steht. Es geht um Durchblutungsstörungen der Arme und Beine - ein Problem, von dem einige der Anwesenden ein Lied singen können. Der Chef der Gefäßchirurgie in den Wedau-Kliniken, Holger Matzdorf, ist da, um sich den Fragen zu stellen.

Bei seinem Vortrag konzentriert sich der Mediziner auf die Arterielle Verschlusskrankheit. Hat jemand die „Schaufensterkrankheit“, wie sie im Volksmund heißt, so verengen und verkalken die Arterien und die Beine werden nicht mehr genug mit Sauerstoff versorgt. Das führt zunächst zu Schmerzen beim Gehen. Daher auch der Name - die Patienten müssen bei längeren Spaziergängen durch die Stadt regelmäßig anhalten, weil die Beine zu sehr weh tun. Im Endstadium der Krankheit kommt es sogar zu abgestorbenen Gliedmaßen und Amputationen. Das bekannte Raucherbein kommt zum Beispiel von derartigen Durchblutungsstörungen.

Das zu verhindern, sei eigentlich relativ leicht, erklärt der Chirurg. Patienten, die noch am Anfang der „Schaufensterkrankheit“ stehen, müssen nicht operiert werden oder Medikamente nehmen, sondern einfach ihre Lebensweise ändern: abnehmen, mehr bewegen und vor allem nicht rauchen. Die Risikofaktoren sind nämlich Diabetes, Nikotin, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörung. Und die Risiken potenzieren sich. Das heißt, wer raucht und übergewichtig ist, hat ein 16 mal höheres Risiko, zu erkranken. „Jeden Tag gehen ist besser als jede OP“, so Matzdorf.

Weil das Stück Kuchen aber trotzdem so gut schmeckt und man auch immer eine Ausrede findet, warum Sport gerade gar nicht geht, leiden fünf bis zehn Prozent aller Erwachsenen in Deutschland an der „Schaufensterkrankheit“. Bei den über 65-Jährigen sind es sogar 20 % Prozent. Etwa die Hälfte aller Todesfälle in Deutschland ist auf Kreislauf- und Durchblutungsstörungen zurückzuführen.

Auch im Raum des DRK finden sich viele ältere Menschen, die damit bereits Probleme haben. Und so wollen die Fragen nicht abreißen, als der Vortrag beendet ist. Viele klagen über Probleme mit ih­ren Ärzten. „Zehn Ärzte, zehn Meinungen“ klagt ein älterer Herr, der einen wahren Ärztemarathon hinter sich hat. Der Tipp vom Experten: nicht locker lassen und wenn es viel zu lange dauert, bis ein Termin frei wird, auch ruhig ein bisschen drängeln.

 
 

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