Die „Halleluja-Tanten“ sind noch lange kein Auslaufmodell

Am Sonntag feiert die Frauenhilfe Wedau ihren 100. Gründungstag. Rund 40 Frauen gehören heute noch zu den „Halleluja-Tanten“.
Am Sonntag feiert die Frauenhilfe Wedau ihren 100. Gründungstag. Rund 40 Frauen gehören heute noch zu den „Halleluja-Tanten“.
Foto: Fabian Strauch

Wedau.  „Halleluja-Tanten“ wurden die Frauen der evangelischen Kirche genannt, die sich Ende des 19. Jahrhunderts in Preußen gegen die bittere Not der Arbeiterfamilien engagierten. 1914 gründete sich die Frauenhilfe in Wedau. Morgen, am Sonntag, 25. Mai, feiern die Damen den 100. Gründungstag. Sie sehen ihre Gruppe noch längst nicht als Auslaufmodell.

Kein Kaffeekränzchen

Knapp 40 Frauen sitzen schwatzend bei bester Laune vor Kaffee und Kuchen im Gemeindehaus ihrer Kirche Am See zusammen. Der Eindruck aber täuscht. „Das ist hier kein Kaffeekränzchen“, betont Ingeborg Hunne, die seit fünf Jahren die Vorsitzende ist. „Wir haben immer auch ein Thema, es geht nach wie vor um Bildung“, erklärt Waltraud Kriegel, die Zweite Vorsitzende. Pfarrerin Ute Sawatzki lädt Referenten ein. Aktuell steht Brasilien, das WM-Gastgeberland, auf dem Programm.

Nicht Bildung, sondern die Verelendung der Arbeiterfamilien bewegte die Kaiserin Auguste Victoria im Jahr 1900 zur Gründung der Frauenhilfe. Hinter der Unterstützung des Kaisers für das Projekt vermutet Ute Sawatzki allerdings weniger edle Motive: „Er hatte Angst vor Revolutionen.“ Erste Erfolge der Unterstützung, zumeist von bürgerlichen Frauen ehrenamtlich geleistet, zeigten sich schon bald. Krankenpflegeschulen entstanden, ebenso erste Müttergenesungsheime.

Die Gründung der Wedauer Frauenhilfe 1914 findet die Pfarrerin „erstaunlich“. Die Kirche entstand erst zehn Jahre später, der Bau der Eisenbahnersiedlung hatte gerade begonnen. „Die Gemeinde traf sich in der Schule“, so Ute Sawatzki. Zum Stricken von Kleidung für bedürftige Kinder, so ist überliefert, trafen sich die Frauen. Gründungsmitglied war die Mutter von Hilde Rosendahl. Der Mitgliedsausweis der rüstigen Wedauerin, mit 99 die älteste Aktive der Frauenhilfe, stammt von 1940.

Nach dem Zweiten Weltkrieg rückte die Bildungsarbeit in den Vordergrund. Frieda Schindelin, Schwester des Wedauer Pfarrers Fritz Schindelin, war eine treibende Kraft. Als erste Frau, die ein evangelisches Theologiestudium abschloss, war sie gleichzeitig Vorreiterin der Emanzipation in der rheinischen Landeskirche.

Die Früchte ihrer Arbeit sollte sie nicht mehr ernten: Die erste Pfarrerin gab es erst in den frühen 1970er Jahren.

Zwischen 69 und 99

Heute organisiert die Frauenhilfe Wedau neben ihren Treffen einen Besuchsdienst für alle Gemeindeglieder ab 75 Jahren, gemeinsame Ausflüge und alle zwei Jahre einen Basar. Zwischen 69 und 99 Jahre alt sind die Aktiven. „Das ist nur dann ein Problem, wenn Alter ein Problem ist“, sagt Ute Sawatzki, „die Frauenhilfe gilt vielen schon seit 50 Jahren als überaltert. Für Junge und Berufstätige ist das eben schwierig. Aber es kommen trotzdem immer wieder neue Frauen hinzu.“

 
 

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