Die Bewegung folgt dem Atmen

WAZ-Serie - Fit auch ohne Studio - in Duisburg. Karatekurs in Duisburg in Duisburg-Huckingen, am Montag den 06.06.2011. Foto: Lars Fröhlich / WAZ FotoPool
WAZ-Serie - Fit auch ohne Studio - in Duisburg. Karatekurs in Duisburg in Duisburg-Huckingen, am Montag den 06.06.2011. Foto: Lars Fröhlich / WAZ FotoPool
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Huckingen.  „Zeisa“, lautet die japanische Angrüßung durch Trainer Eric Röhrig und in parallelen Bewegungen befolgen die Teilnehmer im Kreis die Anweisung und kommen langsam in den Fersensitz. Bei „Mokuso“ werden die Augen geschlossen und in der kleinen Turnhalle der Grundschule an der Albert-Schweitzer Straße herrschen ein paar Minuten entspannender Ruhe. So beginnt Eric Röhrig jede Unterrichtsstunde. Die Teilnehmer sollen in der Meditation vom Alltag abschalten.

Die Gruppe in der kleinen Halle ist bunt gemischt. Vom achtjährigen Mädchen bis zum 50-jährigen Karateka sind alle Generationen vertreten. Ein Mädchen hat heute einen Gast mitgebracht. Ihre Freundin, unkonventionell im Pferde-T-Shirt, darf mal reinschnuppern. Ansonsten tragen alle Kursteilnehmer einen weißen Karateanzug. Die bunten Gürtel um die Taillen geben Auskunft darüber, wie gut der Gegner „kämpfen“ kann.

Doch ums Kämpfen geht es hier gar nicht in erster Linie. Und von Gegnern spricht man auch nicht. Die Bewegungen werden stets so ausgeführt, dass keiner verletzt wird. Zum Glück! Denn wenn einem eine Faust entgegenfliegt, kriegt man einen ziemlichen Schrecken.

Jeder muss seinem Gegenüber vertrauen, dass er den Arm nicht doch ein Stückchen zu weit ausstreckt. Und somit ist man in den Partnerübungen kein Gegner mehr, sondern eben Partner: „Es geht bei uns nicht ums Gewinnen oder Verlieren, sondern darum, von dem anderen etwas zu lernen“, erklärt Röhrig.

Es kommt eben nicht nur auf Kampfbewegungen an, sondern auf einiges mehr. Die Atmung ist beim Karate-Do, wie die Sportart vollständig heißt, wohl der wichtigste Bestandteil: „Unsere Bewegungen müssen der Atmung folgen. Mein Atem reagiert bei einem Angriff, noch bevor ich einen Gedanken fassen kann. Wenn sich meine Bewegung mit der Atmung verbindet, ist meine Reaktion schneller“, erklärt der Meister seinen Schülern.

Die Gründe, wieso die Kursteilnehmer Karate praktizieren, sind ganz unterschiedlich: „Ich komme besonders gerne hierhin, weil ich so mit meiner Tochter Milagro zusammen Sport machen kann. Außerdem verlangt Karate physische und psychische Konzentration, die im Fitnessstudio nicht so sehr gefragt ist“, erklärt Thorsten Schiller.

Die achtjährige Maike hingegen lernt Karate, um sich selbst verteidigen zu können. „Das finde ich super, denn das ist ja auch die Grundidee des Karate-Do“, freut sich Eric Röhrig. Nicole Riback (32) besucht wieder aus einem anderen Grund regelmäßig die kleine Turnhalle: „Ich mache das, um zu mir selbst zu finden. Hier kann ich den Alltag abstreifen und etwas für mich tun. Außerdem steht man im direkten Kontakt mit den Kursteilnehmern, was die ganze Sache sehr persönlich macht.“

Persönlich war die Schnupperstunde beim Karate-Do-Team allemal. Man wird herzlich empfangen und direkt in das Training integriert. In dem Sinne wird nun wie in der traditionellen Karate-Verabschiedung „Oss“ gesagt und sich verbeugt.