Dem Ziel näher gekommen

Foto: WAZ FotoPool

Süd. Ihrem Ziel, die Inbetriebnahme der umstrittenen Kohlenmonoxid-Fernleitung von Köln-Worringen nach Krefeld-Uerdingen zu verhindern, ist die Bürgerinitiative COntra Pipeline nach eigener Einschätzung in diesem Jahr ein gutes Stück nähergekommen. „Dennoch, es war schwierig und es bleibt schwierig“, so Erich Hennen, Sprecher der Bürgerinitiative in Duisburg, in der rund 250 Anlieger längs der Trasse zusammengeschlossen sind. Vor allem die Veränderungen im politischen Bereich stimmen die Pipeline-Gegner optimistisch. Von der neuen rot-grünen Landesregierung erhoffen sich die Mitglieder mehr Gegenwind für den Betreiber Bayer Material Science. Erleichtert ist Erich Hennen auch über den Wechsel beim Regierungspräsidenten, Jürgen Büssow musste seinen Stuhl für Anne Lütges räumen, Mitglied bei Bündnis 90/Die Grünen.

„Die Politik drückt sich um eine Entscheidung. Die grüne Landtagsfraktion und Um-weltminister Remmel waren schon immer auf unserer Seite, aber bei der SPD müssen wir noch viel Überzeugungsarbeit leisten“, skizziert Erich Hennen die weitere Arbeit. Seit August wartet Hennen nach eigenen Angaben auf Antwort aus Düsseldorf, die Bürgerinitiative hat die SPD-Landtagsabgeordneten per Brief kontaktiert und um Arbeitsgespräche gebeten.

Mit Sorge verfolgten die Pipeline-Gegner die Arbeiten des Kampfmittelräumdienstes zu Beginn des Jahres. Nur ein paar Meter neben der Leitung wurde im Mündelheimer Rheinbogen eine Zehn-Zentner-Bombe gefunden, bei der allerdings der Zünder abgeschlagen war und die deswegen nicht entschärft werden musste. Der letzte Bombenfund am 20. Oktober im Bereich des neuen Autobahnkreuzes Süd sorgte allerdings für Evakuierungsmaßnahmen und einer mühsamen Entschärfung der Bombe. „Luftbildauswertungen durch den Kampfmittelbeseitigungsdienst sind beim Bau einer Garage oder eines Hauses ausreichend, nicht aber bei der ‘sichersten Pipeline der Welt’, wie Bayer ja immer behauptet.

Eine der Hauptforderung der Duisburg BI ist nach wie vor die komplette Untersuchung auch unter der Pipeline auf Duisburger Stadtgebiet. Hennen: „Nur rund 60 Prozent der Bombenfunde resultieren aus Luftbildauswertungen, bei gut 30 Prozent handelt es sich um Zufallsfunde.“

Hennen liegen Luftbilder der Allierten aus dem Jahr 1944 vor, die im Bereich Autobahnkreuz/Sandmühle eine Flakstellung zeigt, die sicherlich Ziel von Bombenangriffen war, wie auch die Bombenfunde belegen. „Dieses Gebiet ist nicht untersucht worden, eine grobe Fahrlässigkeit“, kommentiert Hennen die Vorgehensweise des Kampfmittelräumdienstes unter der Ära Büssow. Zufrieden ist Hennen mit dem eindeutigen Votum für einen sofortigen Ausstieg aus dem Pipelineprojekt, das der Unterbezirk Duisburg der SPD bei seinem Parteitag im Steinhof abgegeben hat. „Die Politik muss endlich eine Entscheidung treffen, ob die Pipeline der Allgemeinheit dient. Nach meiner Einschätzung wird das Projekt an dieser Feststellung scheitern, nicht an der technischen Sicherheit der Leitung“, wagt Hennen eine Prognose für die nächste Zeit.

Neben der politischen Entscheidung wird sich im nächsten Jahr auch die dritte Kammer des Verwaltungsgerichtes mit der Betriebsgenehmigung für die Pipeline beschäftigen, wenn die beiden Gutachten zum Korrosionsschutz sowie zur Erdbebensicherheit der Fernleitung vorliegen, kann nach Einschätzung von Hennen die Verhandlung in Düsseldorf beginnen.

Zusammen mit Stopp Bayer CO-Pipeline aus Mettmann, die Zusammenarbeit mit deren Sprecher Dieter Donner bezeichnet Hennen als ausgezeichnet, will sich die Duisburger Initiative auch beim Planänderungsverfahren engagieren, das nach der Ankündigung der neuen Regierungspräsidentin Anne Lütges im kommenden Jahr mit der Beteiligung der Öffentlichkeit geführt werden soll.

 
 

EURE FAVORITEN