David in Dakar David Bieber

Gewöhnlich bekommt der Normalbürger von Staatsbesuchen nur in der Hauptstadt oder in überregionalen Medien etwas mit. Deshalb dürfte der Mehrzahl der Senegalesen, die vorwiegend noch traditionsbewusst in Großfamilien außerhalb Dakars in Kleinstädten und Dörfern leben und vielfach ohne Fernseher auskommen müssen, entgangen sein, dass Mohammed IV., seit 1999 König von Marokko, eine knappe Woche ihr Land bereist hat.

Der Regent hat 13 Projekte zur Entwicklungszusammenarbeit unterzeichnet und dabei die marokkanischen Bemühungen bei der Unterstützung des senegalesischen Tourismus’ hervorgehoben. Wie schon in früheren Kolumnen angedeutet, ist der Tourismus eine wichtige Einnahmequelle für den Senegal.

Seit einigen Jahren aber stockt die Entwicklung, insbesondere seit dem Ausbruch des Ebola-Fiebers von 2014 in den Nachbarstaaten. Die Angst vor einer potenziellen Übertragung des Virus’ in den Senegal war präsent und durchaus berechtigt. Das hielt viele Europäer davon ab, hierher zu reisen. Marokko möchte dem Senegal nun mit ausgiebigen Investitionen und Beratung zu mehr Aufmerksamkeit als Urlaubsland verhelfen, die es verdient.

Die schönen Küsten im Süden des Landes, die Fischerdörfer im Norden sowie die ehemalige Hauptstadt St. Louis profitieren von dieser Unterstützung. Kritisch angemerkt werden muss, dass einmal mehr ein arabischer Autokrat oder zumindest autoritärer Machthaber dem Senegal „zur Hilfe“ kommt, wie es in einer hiesigen Wochenzeitung heißt.

Der libysche Ex-Diktator al-Gaddafi und Regenten einiger Golfstaaten investierten schon vor Jahren im Senegal. Jedoch beschwerte sich auch damals niemand öffentlich über die schmutzigen Machenschaften dieser Investoren in ihren Ländern.

Der Senegal ist über jede Hilfe froh und fragt nicht weiter nach, scheint es. Nur ist dies andernorts, beispielsweise bei uns, ja auch nicht unbedingt anders. Erinnert sei an dieser Stelle an Waffengeschäfte mit Saudi-Arabien, die von oberster Staatsspitze gedeckt sind.

Was sonst noch anstand diese Woche: Unser Deutsch-Tag war ein Erfolg. Bemerkenswert ist, dass meine Studenten stets cool blieben, auch wenn fünf Minuten vor Beginn des Events die Veranstaltungstechnik noch nicht funktionierte. Wir zählten rund 70 Besucher, die Wurst, Salat und Kuchen genossen. Nächstes Jahr will man gar eine ganze Deutsch-Woche veranstalten.

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