Boden birgt noch viele Geheimnisse

Wird zum Abbruch vorbereitet, die Winkelhauser Ölmühle. Nur der Untergrund steht unter Denkmalschutz.
Wird zum Abbruch vorbereitet, die Winkelhauser Ölmühle. Nur der Untergrund steht unter Denkmalschutz.
Foto: WAZ FotoPool

Wittlaer..  Gaby und Peter Schulenberg aus Düsseldorf-Gerresheim wären gerne Archäologen geworden. Sie gingen beruflich andere Wege, machten die Erforschung der Vor- und Frühgeschichte jedoch zu ihrem großen Hobby. Zu einem ihrer Forschungsprojekte gehört die Winkelhauser Ölmühle , deren Reste bekanntlich dem Ausbau der B 288 zur Autobahn weichen müssen. Dabei fanden sie Erstaunliches heraus..

Nur Hälfte des ursprünglichen Hauptgebäudes steht noch

Seit über 30 Jahren erkunden die Eheleute ehrenamtlich im Auftrag des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege in Bonn Bodendenkmäler. Das sind erhaltenswerte Anlagen, die nur noch im Untergrund oder in Resten dort vorhanden sind. So ein Bodendenkmal sind die Fundamente der Ölmühle am Verloher Kirchweg. „Ein Verlust für die heimische Technik- und Wirtschaftsgeschichte“, sagen sie. Damit meinen sie jedoch nicht die Ruine des heutigen Gebäudes, sondern sämtliche Anlagen dort.

Irritierend war, dass alte Karten viel mehr Gebäude dort zeigen, als nur die heutige Ruine. Dieses Geheimnis haben die Forscher jetzt gelüftet. Danach war das Hauptgebäude, das noch steht, einmal etwa doppelt so groß. Alle anderen Anlagen sind verschwunden. Sie dehnten sich bis unter den Damm des heutigen Verloher Kirchwegs aus. „Als Ölmühle für Wittlaer und Bockum mussten notwendigerweise genügend Speichergebäude für das Trocknen des Mahlgutes sowie Ne­bengebäude mit Stallungen, Gesindewohnungen und Werkstätten vorhanden sein“, folgern die Schulenbergs. Zu dem viel größeren Areal gehörten zudem auch drei Stauteiche und ein vom Hauptgebäude aus zu bedienendes eisernes Stauwehr. Mit beider Hilfe wurde der Wasserstand der Anger reguliert. „Ein unberührtes Bodenarchiv“, so die Schulenbergs. Sie empfehlen dringend archäologische Grabungen, auch, um eine womöglich noch ältere Geschichte der Ölmühle erkunden zu können.

Nach den Feststellungen der Schulenbergs war die Ölmühle schon um 1450 Besitz des Kalkumer Fürsten zu Hatzfeld. Gewöhnlich existierte für die Bauern aus der Region ein Mahlzwang, so dass dem Grundherrn durch die Mühle beträchtliche Einnahmen zuflossen. 1630 hatte sie sich auf die Ölgewinnung spezialisiert. Dazu ersetzte man das sonst übliche Stampfen am Mühlenwerk durch Walzen oder Pressen. 1813 wird der Müller Heinrich Bieger aus Wittlaer als Pächter genannt. 1835 wird sie wieder als „Mehl- und Ölmühle“ bezeichnet. Mitte des 20. Jahrhunderts war ihr durch Verlegung und Begradigung der Anger die Grundlage genommen.

 
 

EURE FAVORITEN