Bildungs-Report aus Südafrika für Schüler in Huckingen

Manelisi Billy vor Schülerinnen und Schülern des Mannesmann-Gymnasiums.
Manelisi Billy vor Schülerinnen und Schülern des Mannesmann-Gymnasiums.
Foto: FUNKE Foto Services
Am Mannesmann-Gymnasium gibt es seit Jahren eine Südafrika-AG. Dort war jetzt der Südafrikaner Manelisi Billy (20) zu Gast.

Huckingen..  21 Jahre ist es her, dass in Südafrika die Apartheid, die strikte Rassentrennung, abgeschafft wurde. Wie weit das Land seitdem auf dem Weg gekommen ist, das Leben von Schwarzen und Weißen anzugleichen, darüber sprach der Südafrikaner Manelisi Billy (20) am Donnerstag vor Schülern im Mannesmann-Gymnasium, das seit Jahren eine Südafrika-AG betreibt. Als Beispiel griff er das Bildungssystem in seiner Heimat auf. Billy absolviert noch bis März 2016 ein Jahr beim Bundesfreiwilligendienst in Bonn.

Der Abiturient stammt aus einem Township am Stadtrand von Port Elizabeth, einer Millionenstadt am Meer. In solch weitläufigen Baracken-Siedlungen wohnen die meisten farbigen Bewohner der Stadt. „Theoretisch gibt es bei uns keinen Rassismus mehr“, so der Gast aus Afrika zu den Schülern. Aber tatsächlich habe sich in den letzten 20 Jahren wenig verändert. Nach wie vor sei der Gegensatz zwischen farbiger Unterschicht und weißer Oberschicht groß. Noch immer dominierten die Weißen, die Nachfahren der Kolonialherren, die Ober- und Mittelschicht des Landes.

Die Grundschule dauert in Südafrika bis zum siebten Schuljahr. Über die beruflichen Perspektiven entscheide aber der Besuch der weiterführenden Schule. Und das sei für die farbigen Jugendlichen die High School ihrer Township. So eine Schule hat bis zu 1500 Schüler. Allein in Klasse 8, der Eingangsklasse, sind es Schüler von 13 bis 17 Jahren, meist bis zu 50 pro Klasse. Sie werden zwar in vielen Fächern unterrichtet, so in Life Orientation, also in praktischer Lebenskunde, aber eben unter bescheidenen Umständen und mit gering motivierten Lehrern.

Für die Weißen in den Suburbs, den bürgerlichen Vorstädten mit ihrer überwiegend weißen Bevölkerung, gibt es etwas besser ausgestattete High Schools. Auch sie werden vom Staat betrieben. Ein geringes Schulgeld wird fällig. Richtig teuer sind erst die privaten High Schools der meist weißen Oberschicht. Billy: „Hier kommen höchstens 35 Schüler in eine Klasse.“ Es gibt viele kreative Angebote, Fächer wie Musik, Informationstechnologie, auch Sportarten wie Schwimmen und Tennis. Die High School im Township dagegen bietet beim Sport meist nur Rugby und Fußball an. Aber das Schulgeld könnten sich halt nur Besserverdienende leisten. Dank besserer Bezahlung seien die Lehrer dort auch hoch motiviert.

Den Schulabschluss der High School gibt es in drei Niveaus: Auf dem unteren Niveau kommt man damit nur ans berufsbildende College. Mit den beiden oberen Niveaus darf man studieren. Aber da das mit hohen Kosten verbunden ist, kommen Schüler aus den Townships mit ihren meist arbeitslosen Eltern doch nicht dazu. Manelisi Billy hofft, in Deutschland einen kostenlosen Studienplatz zu bekommen.

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