An Gesamtschule Süd wurde Politik gemacht wie im Bundestag

Vor dem Planspiel steht Theorie auf dem Programm: Die Referenten Dennis Michels (rechts) und Gordian Ezazi erklären den Schülern die Grundlagen.
Vor dem Planspiel steht Theorie auf dem Programm: Die Referenten Dennis Michels (rechts) und Gordian Ezazi erklären den Schülern die Grundlagen.
Foto: Fabian Strauch/ FUNKE FotoServices
Das Projekt „Politik geht an die Schulen“ war an der Gesamtschule Duisburg-Süd zu Gast. Im Planspiel stellten Schüler ein Gesetzgebungsverfahren nach.

Großenbaum. Die Bundesregierung ist sich ausnahmsweise einmal einig: Der Gesetzentwurf zur Absenkung des Wahlalters auf 16 Jahre bei Bundestagswahlen soll beschlossen werden. Der Familienminister übergibt den schmalen Zettel mit dem Entwurf an die Kanzlerin – nun ist der Bundestag an der Reihe.

An der Gesamtschule Duisburg-Süd wird heute Politik gemacht: Im Rahmen des Projektes „Politik geht an die Schulen“ bekommen 30 Elftklässler einen Crashkurs in Sachen Gesetzgebungsverfahren.

Im Planspiel wird Theorie in Praxis umgesetzt

Organisiert wird das Ganze von der NRW School of Governance – von der Sparda-Bank kommt finanzielle Unterstützung.

Nachdem die Jugendlichen zu Beginn des ersten Kursmoduls „Politik und Regieren“ eine Einführung in den Ablauf des Verfahrens bekommen haben, sollen sie im Planspiel Theorie in Praxis übertragen.

Dazu werden sie auf Parteien verteilt – die blaue, die rote und die gelbe – und mit Ministerposten ausgestattet. „Wir haben absichtlich nicht die real existierenden Parteien ausgewählt“, sagt Dennis Michels, Dozent der NRW School of Governance, heute hauptsächlich als Referent, zwischendurch aber auch mal als Bundespräsident im Einsatz. Ihm zur Seite steht Gordian Ezazi, Referent im NRW-Landtag – ein Abgesandter aus dem echten Politikgeschehen, der „Experte für die Infos aus erster Hand“, wie Daniel Michels es formuliert. Aber interessieren sich die Jugendlichen denn überhaupt für Politik? „Es ist ganz normal, dass einige interessierter sind als andere“, so Michels. „Aber hier beteiligen sich viele sehr gut.“

Nah an der eigenen Lebenswirklichkeit

Mittlerweile tragen die Fraktionen ihre Argumente vor. Bernhard, Vorsitzender der roten Fraktion, zählt auf: Jüngere Wähler brächten neue Ideen in die Politik, es sei nur gerecht, wenn junge Menschen stärker eingebunden würden, und schließlich: „Wenn mehr alte als junge Menschen entscheiden, passieren Dinge wie der Brexit!“ Die blaue Fraktion schließt sich dem Gesagten an, die gelbe Fraktion hält die Absenkung des Wahlalters für gefährlich: Jugendliche seien zu leicht zu beeinflussen, schlecht informiert, neigten dazu, radikale Parteien „aus Spaß“ zu wählen. „Stimmt nicht!“, tönt es aus dem Plenum. Was die Schüler da diskutieren, ist nah an ihrer eigenen Lebenswirklichkeit.

Minuten später ist der Entwurf durch den Bundestag: Die Befürworter haben gewonnen. Und auch im Bundesrat kommt die erforderliche Zweidrittelmehrheit zustande. Der Bundespräsident alias Dennis Michels gratuliert.

Doch was denken die Jugendlichen wirklich? Sind sie für oder gegen eine Absenkung des Wahlalters? Timo ist skeptisch: „Wenn ein bekannter Youtuber dazu aufrufen würde, eine bestimmte Partei zu wählen, dann würden das viele einfach machen.“ Auch Furkan meint: „Wir sprechen hier die ganze Zeit über Jung und Alt – aber mit 18 ist man doch noch jung genug, um wählen zu gehen!“

Das Alter sei doch gar nicht ausschlaggebend, meint hingegen Maria. Niemand treffe automatisch bessere Entscheidungen, nur weil er volljährig sei: „Man müsste sich eben besser informieren. Wenn ich mit 16 dumm bin, bin ich doch mit 18 auch noch dumm!“

Der erste Schritt ist also gemacht. Die Jugendlichen diskutieren über politische Entscheidungen. Und wollen schließlich noch genau wissen, welche Möglichkeiten sie denn haben, um sich politisch zu engagieren – ganz unabhängig von einer Absenkung des Wahlalters.

 
 

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