Als Notfall im Klinikum Duisburg

Der Leiter der Notfallaufnahme Dr. med. Kurosch Moussazadeh erklärt den Interessierten den Ablauf in der Notaufnahme.
Der Leiter der Notfallaufnahme Dr. med. Kurosch Moussazadeh erklärt den Interessierten den Ablauf in der Notaufnahme.
Foto: Lars Heidrich
Medizinische Erstversorgung in der Zentralen Notfallaufnahme des Klinikums Duisburg. Gesundheitstreff Wedau-Bissingheim informiert sich.

Wedau/Neudorf-Süd.. Es kann jeden treffen, völlig unvorbereitet: Plötzliche Schmerzen in der Brust, heftiges Bauchweh, ein Kreislaufkollaps oder ein Unfall. Wer in die Notaufnahme kommt, kriegt dort vom Ablauf nur wenig mit. Zu groß sind die Schmerzen und die Aufregung, auch bei den begleitenden Angehörigen. Dr. Kurosch Moussazadeh, Chefarzt der Zentralen Notfallambulanz im Klinikum Duisburg, gewährte jetzt den Besuchern des Gesundheitstreffs Wedau-Bissingheim einen Blick hinter die Kulissen.

Striktes System bei der Aufnahme

,,Es beruhigt mich zu wissen, dass so ein ausgeklügeltes System dahinter steht“, zieht eine Teilnehmerin das Resümee der Veranstaltung im Hörsaal des Klinikums. Moussazadeh hatte gerade das MTS – das Manchester Triage-System – erklärt. Damit wird erfasst, ob es sich um einen echten Notfall handelt, dessen Behandlung keine Minute Aufschub duldet, oder ob der Patient in der Lage ist, noch ein wenig zu warten – auch, wenn er subjektiv vielleicht anders empfindet.

Kommt ein Kranker mit Schmerzen in der Brust, werden nach einem strikten System die Symptome abgefragt, Atemnot, Schwindel, Übelkeit. Es geht darum, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu diagnostizieren – oder besser – auszuschließen. Nach dem MTS-System werden die Patienten dann in eine fünfteilige Skala von rot bis blau eingeteilt.

Die Behandlung der roten Patienten hat absolute Priorität. Die orangefarbenen Patienten müssen zehn Minuten, die gelben 30 Minuten Wartezeit ohne Arztkontakt inkauf nehmen. Und die Blauen, die laut Moussazadeh tatsächlich manchmal blau, sprich alkoholisiert sind, müssen sich auf Wartezeiten, mitunter bis zu zwei Stunden, einstellen. Denn sie werden so eingestuft, dass sie die Zeit ohne ärztliche Behandlung überstehen. In diesem Zusammenhang erwähnt der Chefarzt, dass es durchaus vorkommt, dass die Notfallambulanz missbraucht wird. „Es ist wahnsinnig, mit welchen Bagatellen die Leute manchmal kommen, besonders an den Wochenenden.“ Oder auch um vier Uhr morgens, wie der Mann, der nach einer durchtanzten Nacht über Schmerzen im Fuß klagte. „Ehrlich, nicht erfunden“, so der Arzt.

Behandlung nach Dringlichkeit

Die Notfallambulanz ist von zwei Seiten zugängig, einmal durch den Eingang für die sogenannten „Walking-in-Patienten“, also diejenigen, die selbstständig zur Notaufnahme gehen können. Und auf der anderen Seite für Patienten, die von einem Krankenwagen gebracht werden, nach einem Unfall zum Beispiel. Da die gehfähigen Patienten die Einlieferung der Unfallopfer nicht mitbekommen, wächst bisweilen der Unmut über lange Wartezeiten. Aber in einer Notfallambulanz geht es nun mal nicht der Reihe nach, sondern nach Dringlichkeit.

Insgesamt elf Ärzte aus verschiedenen medizinischen Fachrichtungen arbeiten ausschließlich in der Notaufnahme. „In Häusern ohne eigenständige Notaufnahme können die Patienten das Pech haben, von dem unerfahrensten Assistenzarzt behandelt zu werden“, sagt der Chef der Abteilung. Das sei hier nicht der Fall.

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